Rems-Murr-Kreis

Klinik-Belegungen: Zahl fragwürdig, Zweifel an Covid-Gefahr und RKI-Beurteilung

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Bei einer Expertenanhörung des Sozialministeriums zum Thema „Die Belastung des Gesundheitssystems durch die Omikron-Variante“ am kommenden Montag, 14. Februar, soll es dem Vernehmen nach auch um „unechte Covid-Patienten“ gehen. Wir erläutern die Hintergründe. © Adobestock/sudok1

Die Anzahl der Covid-Intensivpatienten ist im Vergleich zum Spätjahr 2021 deutlich gesunken. Dennoch schätzt das RKI die Gefährdung durch Corona für die Gesundheit der Bevölkerung weiterhin als hoch ein. Es gibt Gründe, diese Einschätzung zu bezweifeln – zumal auch asymptomatische „Covid-Patienten“ mit anderer Hauptdiagnose in den Krankenhäusern zur Berechnung der Hospitalisierungsinzidenz herangezogen werden.

Es stimmt zwar, noch ist die Omikron-Welle nicht gebrochen, und die Inzidenzen bleiben auch in der lokalen Corona-Wochenbilanz auf sehr hohem Niveau:

  • Am Freitag, 4. Februar, lag die Inzidenz im Rems-Murr-Kreis laut Kreis-Dashboard bei 1460. Dann gab es einen bisherigen Höchstausschlag der Kurve auf 1534 am 6. Februar. Aktuell, am 11. Februar, lag die lokale Inzidenz nunmehr bei 1316.
  • Steigend ist laut Landesgesundheitsamt die Inzidenz-Entwicklung in ganz Baden-Württemberg: 1414 am 4. Februar, 1537 am 8. Februar, 1564 am 10. Februar und 1585 am 11. Februar.

Jedoch haben derlei Höchstinzidenzen im Zuge der sich auftürmenden Omikron-Welle bislang weniger schlimme Folgen als befürchtet, weder auf die Todesfallrate noch auf die Intensivbettenbelegungen.

Trotz des riesigen Anstiegs der gemeldeten Corona-Infektionen auch im Rems-Murr-Kreis mit einem Zwischenhoch von 1447 an nur einem Tag, dem 2. Februar – am 11. Februar wurden 871 neue Positiv-Fälle gemeldet und 6930 Menschen waren in Quarantäne – steigt die Covid-Todesfallrate verhältnismäßig langsam: Im November 2021 sind in unserem Landkreis 38 Menschen mit Covid-Diagnose gestorben, im Dezember 2021 waren es 55. Im Januar 2022 lag die Zahl der Covid-Todesfälle bei 24, im laufenden Monat bis einschließlich 11. Februar waren es bislang „nur“ zwei.

Zweifelsohne spielen hier die weltweit beobachteten tendenziell milderen Krankheitsverläufe der Omikron-Variante im Vergleich zur vorangegangenen Delta-Variante sowie vor allem die Corona-Impfungen eine Rolle. Laut RKI-Impfdashboard sind mit Stand 11. Februar in Baden-Württemberg

  • 73,6 Prozent der Einwohner mindestens einmal geimpft,
  • 73,1 Prozent „vollständig geimpft“ (also grundimmunisiert) und
  • 54,5 Prozent geboostert (Auffrischimpfung).
  • Bezogen auf Menschen mit Impfempfehlung, also ab dem Alter von 12 Jahren, beträgt die Impfquote (vollständig geimpft) 82,4 Prozent.

Im Rems-Murr-Kreis liegen die Impfquoten mit „aktuellstem“ Datenstand vom 6. Februar bei:

  • 68,1 Prozent einmal geimpft,
  • 68,1 Prozent „vollständig geimpft“,
  • 50 Prozent geboostert.

Nicht zuletzt sind die Impfquoten bei für Covid-Erkrankungen statistisch gesehen eher anfälligen Ü-60-Jährigen jeweils noch höher. In ganz Baden-Württemberg zum Beispiel sind laut Landesgesundheitsamt bereits 87 Prozent der Ü-60-Jährigen „grundimmunisiert“ und 74 Prozent geboostert. Die meisten Infektionen mit der dominanten Omikron-Virusvariante betreffen landesweit die „Jüngeren“. Auch im Rems-Murr-Kreis verteilen sich die momentan 6930 Infizierten in Quarantäne vor allem auf die statistisch gesehen viel weniger als die Ü-60-Jährigen für schwere Covid-Verläufe anfälligen Altersgruppen:

  • 0 bis 10 Jahre: 1069
  • 11 bis 20 Jahre: 1135
  • 21 bis 30 Jahre: 988
  • 31 bis 40 Jahre: 1234
  • 41 bis 50 Jahre: 1081
  • 51 bis 60 Jahre: 821
  • 61 bis 70 Jahre: 349
  • 71 bis 80 Jahre: 140
  • 81 bis 90 Jahre: 99
  • 91 bis 110 Jahre: 14

Diese Entwicklung schlägt sich auch „positiv“ auf die Belegungszahlen der Intensivstationen nieder. Die Rems-Murr-Kliniken versorgen nach eigenen Angaben aktuell 42 „Covid-19-Patienten“, davon werden „nur noch“ drei Patienten auf der Intensivstation versorgt und zwei beatmet. Landesweit hat sich im Vergleich zum Spätjahr 2021 der Anteil der Covid- an den Intensiv-Patienten grob halbiert, auf momentan 13,1 Prozent. 292 Covid-Intensivpatienten sind es laut Divi-Intensivregister insgesamt, davon werden 136 beatmet.

Allerdings greift das Phänomen der „Covid-Patienten“ auf Normalstation ohne oder nur mit leichten Covid-Symptomen und keinem Intensiv-Pflegebedarf immer mehr um sich, gibt sogar die Deutsche Krankenhaus Gesellschaft zu. In den Rems-Murr-Kliniken kommen zeitweise immer wieder mal über 50 Prozent der „Covid-Patienten“ mit anderer Hauptdiagnose und werden nur bei Aufnahme positiv getestet (wir berichteten). Trotzdem fußt das Stufensystem der Landes-Corona-Verordnung auch auf der Hospitalisierungsinzidenz, in die diese „unechten Covid-Patienten“ mit eingerechnet werden.

Bei einer Expertenanhörung des Sozialministeriums zum Thema „Die Belastung des Gesundheitssystems durch die Omikron-Variante“ am kommenden Montag, 14. Februar, soll es dem Vernehmen nach unter anderem um die Frage gehen, ob diese „unechten Covid-Patienten“ bei der Berechnung der Hospitalisierungsinzidenz außen vor gelassen werden sollten.

Die Anzahl der Covid-Intensivpatienten ist im Vergleich zum Spätjahr 2021 deutlich gesunken. Dennoch schätzt das RKI die Gefährdung durch Corona für die Gesundheit der Bevölkerung weiterhin als hoch ein. Es gibt Gründe, diese Einschätzung zu bezweifeln – zumal auch asymptomatische „Covid-Patienten“ mit anderer Hauptdiagnose in den Krankenhäusern zur Berechnung der Hospitalisierungsinzidenz herangezogen werden.

Es stimmt zwar, noch ist die Omikron-Welle nicht gebrochen, und die

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