Rems-Murr-Kreis

Knall im Remstal: Ein Eurofighter - Zusammenhang mit Militär-Übung in Weinstadt?

Europfighter Typhoon
Ein Eurofighter hat am Donnerstag, 24. Juni, einen Überschallknall über dem Remstal produziert. © Adobestock/Jelle van der Wolf

Schon wieder ein Überschallknall vom Remstäler Himmel her – hat der Rumms etwas mit einer militärischen Übung auf dem Schönbühl zu tun? Oder handelt es sich um ein rein zufälliges zeitliches Zusammentreffen zweier Ereignisse, die unabhängig voneinander zu deuten sind?

Ein dumpfes Donnern ließ am Donnerstag, 24. Juni, um 9.47 Uhr in weiten Teilen des Remstals, von Gmünd bis mindestens Schorndorf, die Luft zittern, Scheiben beben und die Vögel für einige Sekunden erschrocken verstummen.

Was viele Leute gleich vermutet hatten, bestätigte am Donnerstagnachmittag auf Nachfrage das Luftfahrtamt der Bundeswehr: Grund für den Knall war ein militärischer Überschallflug. Ein Presse-Offizier teilte uns mit: "Die Auswertung der Radardaten vom 24. Juni 2021 zeigt drei Kampfflugzeuge der Bundeswehr vom Typ Eurofighter. Die Luftfahrzeuge sind im Zeitraum 9.21 Uhr bis 10.15 Uhr Ortszeit Flugbetrieb innerhalb des zeitweise reservierten Luftraums TRA ALLGÄU geflogen. Um 9.48 Uhr Ortszeit wurde durch ein Luftfahrzeug kurzzeitig Überschallgeschwindigkeit erreicht. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das betreffende Luftfahrzeug 13,58 Nautische Meilen (ca. 25,2 km) südlich von Schwäbisch Gmünd, mit einer Geschwindigkeit von 764 Knoten (ca. 1.415 km/h) und einer Höhe von 36.800 Fuß über dem Meeresspiegel (ca. 11.215 m). Nach den uns vorliegenden Daten erfolgte der Einsatz unter Beachtung der flugbetrieblichen Bestimmungen."

Zur Erläuterung: TRA steht für Temporary Reserved Airspace (übersetzt: zeitweilig reservierter Luftraum). "Für verschiedene Übungsflugvorhaben, insbesondere von Abfangjägern, ist es unerlässlich, bestimmte Lufträume für den Zeitraum dieses Trainings von Verkehrsflugzeugen komplett frei zu halten. Nur unter dieser Voraussetzung können diese Übungen effektiv und vor allem sicher durchgeführt werden, da sie in der Regel viel Platz erfordern. Zu diesem Zweck sind in Deutschland spezielle Lufträume eingerichtet, die bei Bedarf für einen bestimmten Zeitraum aktiviert bzw. für den militärischen Flugbetrieb reserviert werden. Dies sind die sogenannten Temporary Reserved Airspaces, kurz TRA. Während der Aktivierungszeit dürfen sich nur noch dafür freigegebene Luftfahrzeuge in diesem Luftraum aufhalten. Während der Nutzung der TRA ist der zuständige Fluglotse dafür verantwortlich, dass die dort geltenden Bestimmungen eingehalten werden. Nach Beendigung der jeweiligen Übung und dem Ausfliegen der angemeldeten Luftfahrzeuge wird die TRA entweder deaktiviert oder dem nächsten Nutzer zugeteilt."

Ob die Eurofighter-Flüge in irgendeinem Zusammenhang standen mit einer Beobachtung, von der uns Zeugen berichten, können wir momentan hingegen noch nicht klären: Am Mittwoch, 23. Juni, fand auf dem Schönbühl über Weinstadt offenbar eine militärische Übung statt. Nach ersten, noch nicht offiziell von der Bundeswehr bestätigten Informationen waren dort Truppenteile aus Calw im Einsatz, wo das Kommando Spezialkräfte stationiert ist.

Unsere Recherche-Anfrage, ob die beiden Ereignisse irgendetwas miteinander zu tun haben oder rein zufällig in ein und dieselbe Woche gefallen sind, läuft. Sobald wir mehr wissen, werden wir unseren Bericht aktualisieren.

Überschallknall: Das kommt öfter vor

Überschallflüge gibt es über Baden-Württemberg immer wieder einmal. Zuletzt erst jüngst, Ende April. In den Tagen danach bestätigte seinerzeit das Luftfahrtamt der Bundeswehr: „Die Auswertung der Radardaten zeigte zwei Kampfflugzeuge der Bundeswehr vom Typ Eurofighter.“ Sie seien genau in dem dafür vorab zeitlich reservierten Luftraum geflogen und hätten „um 10.07 Uhr Ortszeit Überschallgeschwindigkeit“ erreicht. „Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die Luftfahrzeuge in einer Höhe von rund 41 000 Fuß über dem Meeresspiegel (circa 12 500 Meter), und die Entfernung zu Schwäbisch Gmünd lag bei circa 21,2 Kilometern.“ Alles habe „regelkonform und unter Beachtung der flugbetrieblichen Bestimmungen“ stattgefunden. Die Flüge dienten der Ausbildung der Piloten.

Davor hatte es im März 2020 gerumst, als ein Düsenjet ein Manöver flog. Und im November 2017 rannten Menschen gar auf die Straße, weil sie eine Explosion vermuteten. Der laute Knall damals wurde sowohl im Raum Backnang, bei Schorndorf und in Schwäbisch Gmünd wahrgenommen. Die Telefondrähte in der Leitzentrale der Polizei glühten danach. Letztlich stellte sich heraus, dass ein Überschallknall in elf Kilometer Höhe verantwortlich für den Schrecken war.

Irrflug im Juli 2017

Im Juli 2017 sorgten zwei Abfangjäger in geringer Höhe ebenfalls für laute Knaller: Damals waren die Kampfjets unterwegs, um ein verirrtes Flugzeug zum Flughafen zu geleiten; vermutlich handelte es sich bei der Passagiermaschine um den Flug Nummer KE 917 der Korean Air aus Seoul, unterwegs in Richtung Zürich; auf der App „Flightradar24“ war der Flug damals als „diverted to STR“ gekennzeichnet, also umgeleitet nach Stuttgart.

Im Februar 2017 flog eine Formation von F-16-Kampffliegern bei einer Übung niedrig und machte ebenfalls extremen Lärm in unserer Region. Und im August 2004 war ein Überschall-Testflug eines Eurofighters Stadtgespräch in Welzheim.

Überschallflüge werden gewöhnlich in einer Höhe von etwa elf Kilometern absolviert. Die Bundesluftwaffe meldet die Flüge vorher bei der Deutschen Flugsicherung an, die dann den Luftraum zuweist. Überschallflüge dienen laut Luftfahrtamt der Bundeswehr in Köln der Überprüfung der Funktion von Triebwerken und Steuerorganen der Flugzeuge. Sie werden aber auch geübt, um in kürzester Zeit über weite Entfernungen unbekannte Luftfahrzeuge zu identifizieren, abzufangen und im Ernstfall zu bekämpfen. Überschallflüge sind nur unter vollständiger Radarüberwachung erlaubt. Das Überschallflugzeug erreicht eine Geschwindigkeit von mehr als 330 Metern pro Sekunde, also 1188 km/h.

Schon wieder ein Überschallknall vom Remstäler Himmel her – hat der Rumms etwas mit einer militärischen Übung auf dem Schönbühl zu tun? Oder handelt es sich um ein rein zufälliges zeitliches Zusammentreffen zweier Ereignisse, die unabhängig voneinander zu deuten sind?

Ein dumpfes Donnern ließ am Donnerstag, 24. Juni, um 9.47 Uhr in weiten Teilen des Remstals, von Gmünd bis mindestens Schorndorf, die Luft zittern, Scheiben beben und die Vögel für einige Sekunden erschrocken

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