Rems-Murr-Kreis

Kommt ein Chefarzt für Naturheilkunde an die Krankenhäuser in Schorndorf und Winnenden?

resonanzraum
Kunst- und Musiktherapie in der Fachklinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin in Winnende: Im Atelier Resonanz-Raum wird auch naturheilkundlich gearbeitet, um in der Krebsbehandlung Kraft zu tanken und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. „Im Zentrum steht die Freude am Experimentieren, das Ausprobieren von neuen Materialien und das Einnehmen von ressourcenorientierten Perspektiven.“ Foto: © Fotostudio M42

Ein Chefarzt mit einer Station für Naturheilkunde könnte ein Gewinn für die Rems-Murr-Kliniken sein und auf das System Krankenhaus heilend wirken. Der Heilpraktiker und ÖDP-Kreisrat Thomas Bezler wirbt für eine ganzheitliche und naturheilkundliche Behandlung auch in den Krankenhäuern in Schorndorf und Winnenden. Dies diene nicht nur der Gesundheit und Zufriedenheit von Patienten und dem Personal. „Außerdem trägt der naturheilkundliche Ansatz dazu bei, die Umweltverschmutzung durch chemische und radiologische Behandlungsverfahren als auch bei der Medikation deutlich zu verringern.“

Bei den Kliniken stößt die Idee freilich auf keine Begeisterung. Kein Platz, nicht lukrativ – und: Wir tun doch schon was! So lauten die wesentlichen Gegenargumente der Rems-Murr-Kliniken zum Antrag von ÖDP-Kreisrat Thomas Bezler, der am Montag im Verwaltungs-, Schul- und Kulturausschuss behandelt wird. Eins kann man Kliniken und Landratsamt nicht vorwerfen: dass sie sich keine Mühe gegeben hätten, ihre grundsätzliche Abneigung ausführlich zu begründen. Sogar externer Rat wurde eingeholt.

Trotz der ausführlichen vierseitigen Vorlage für die Kreisräte schimmert für Thomas Bezler eine Linie durch: Es dreht sich nicht zuletzt ums Geld. Er spricht von einem „kranken System“ und weist beispielsweise auf den von der Gruppe ÖDP/Die Linke eingebrachten Antrag zu Bio-Lebensmitteln in den Kliniken hin. Abgelehnt. Mit einem Euro pro Tag für Biokost wäre viel erreicht. Mehr als 3,86 Euro pro Tag würden von den Krankenkassen aber nicht erstattet. Entsprechend dürftig ist aus seiner Sicht die Krankenhauskost.

Ernährung ist nur einer der Kernpunkte einer naturheilkundlichen Behandlung. Weitere sind ein gesundheitsfördernder Lebensstil, Pflanzenheilkunde, physikalische und Bewegungstherapien sowie ergänzend Therapien wie Schröpfen, Aroma- oder Reflexzonentherapie am Fuß.

Für die Krankenhäuser sind dies keine Fremdwörter. Doch stehe bei ihnen der akutmedizinisch stationäre Versorgungsauftrag im Vordergrund, heißt es in der Vorlage für die Ausschusssitzung. Gleichwohl flössen doch einige Elemente der Naturheilkunde bereits heute in die Behandlungen ein, weist das Landratsamt auf Bewegungstherapie hin, die Ernährungsberatung durch Diätassistenten oder das Schröpfen, wie es in der Krebsstation gehandhabt werde. „Es werden zusätzlich zu den verschiedensten Krankheitsbildern unterschiedliche Komplexbehandlungen angeboten, die ein ganzheitliches Therapiekonzept beinhalten.“

Komplementärmedizinische Therapieverfahren

Bereits etablierte schulmedizinische Therapien würden mit alternativen Behandlungsverfahren ergänzt. In der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin am Rems-Murr-Klinikum Winnenden werden auch unterstützende Therapiemaßnahmen wie die Blutersatztherapie oder auch die Schmerztherapie angewandt. „Die Patienten werden individuell betreut und das Angebot schließt das komplementärmedizinische Therapieverfahren mit ein.“

Dank einer privaten Spende eröffnete das Klinikum in Winnenden vor zwei Jahren das Atelier Resonanz-Raum. „Ziel des Angebotes ist es, über das Gestalten mit künstlerischen Materialien – wie verschiedenen Farben, Ton, Collagen oder Fotografien – Kraft zu tanken und durch den nonverbalen Materialdialog seine Krankheitsverarbeitung positiv zu beeinflussen.“

Als weiteres Beispiel für naturheilkundliche Ansätze wird die Klinik in Schorndorf aufgeführt, wo spezielle Schmerztherapien angeboten würden, darunter auch ergänzende alternative Behandlungsverfahren wie die Akupunktur oder das Schröpfen. „Insofern sind Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Naturheilkunde eine bereits fest etablierte und unbedingte Bereicherung des Therapieangebotes der Rems-Murr-Kliniken.“

Anhaltend hohe Belegung und Kapazitätsengpässe

Die Kliniken sehen die Naturheilkunde eher im ambulanten Sektor und dem Sektor der Rehabilitation gut aufgehoben. Nicht aber in den Krankenhäusern mit kurzen Verweildauern, im Durchschnitt aktuell von 5,7 Tagen Aufenthalt. Zudem gebe es sowieso keinen Platz in den beiden Kliniken. Sie platzen aus allen Nähten. „Die Erweiterung um eine Abteilung der Naturheilkunde unter einem eigenen Chefarzt kann aufgrund der anhaltend hohen Belegung und der damit verbundenen Kapazitätsengpässe aktuell nicht realisiert werden. Derzeit besteht die Herausforderung für die Kliniken, die Grund-, Regel- und Schwerpunktversorgung mit den vorhandenen Kapazitäten zu stemmen.“

Und lohnen täte sich Naturheilkunde auch nicht, lautet ein Fazit nach Rücksprache mit dem Experten eines auf Naturheilkunde spezialisierten Krankenhauses. Bei den Abrechnungen kommt es ständig zu Scherereien mit dem Medizinischen Dienst und den Krankenkassen, die nicht die vollen Behandlungskosten übernehmen. „Zwar werde laut Auskunft des Referenzkrankenhauses gerne mit der Übernahme der Kosten für naturheilkundliche Verfahren seitens der Krankenkassen geworben, faktisch wird aber nur ein Bruchteil der tatsächlichen abgerechneten Fälle und Kosten für das Krankenhaus erstattet.“



Die Rems-Murr-Kliniken raten von der Etablierung einer stationären Naturheilkunde ab, lautet das Fazit. Sie lohne sich schlicht bei kleineren Naturheilkundeabteilungen nicht. Für Thomas Bezler ist der abschlägige Bescheid, die dem Verwaltungs-, Schul- und Kulturausschuss am Montag ohne Abstimmung nur zur Kenntnis gegeben wird, keine Überraschung. Seine Hoffnung und seine Initiativen gebe er nicht auf, dass seine Gedanken als Heilpraktiker verstärkt in die stationäre Gesundheitsversorgung des Kreises einfließen.

Ein Chefarzt mit einer Station für Naturheilkunde könnte ein Gewinn für die Rems-Murr-Kliniken sein und auf das System Krankenhaus heilend wirken. Der Heilpraktiker und ÖDP-Kreisrat Thomas Bezler wirbt für eine ganzheitliche und naturheilkundliche Behandlung auch in den Krankenhäuern in Schorndorf und Winnenden. Dies diene nicht nur der Gesundheit und Zufriedenheit von Patienten und dem Personal. „Außerdem trägt der naturheilkundliche Ansatz dazu bei, die Umweltverschmutzung durch chemische

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