Rems-Murr-Kreis

Korber geben am meisten aus - aber nicht in Korb

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Symbolbild. © Laura Edenberger

Korb/Schorndorf. In Korb leben die kaufkräftigsten Bürger zwischen Rems und Murr. 8423 Euro im Jahr kann jeder Einwohner auf den Kopf hauen. Die Korber zeigen ihrem ansässigen Handel jedoch die kalte Schulter. Was unterscheidet eine kleine Gemeinde wie Korb von einem Einkaufsmagneten wie Schorndorf?

Nicht einmal jeder dritte Euro bleibt am Ort. Die Korber kaufen lieber anderswo ein. Zum Beispiel in Stuttgart, Backnang, Waiblingen – oder Schorndorf. Die Daimlerstadt mit ihrem regen Einzelhandel ist ein Einkaufsmagnet. Die IHK Region Stuttgart hat Kaufkraft, Umsatz und Zentralität in den Städten und Gemeinden untersucht. Diese Region zählt zu den kaufkräftigsten Gegenden in ganz Deutschland – Platz 4. Beim Umsatz des stationären Einzelhandels landet die Region sogar auf dem dritten Platz. Mit einer Kaufkraft von 8423 Euro pro Einwohner und Jahr sind die Korber nicht nur im Rems-Murr-Kreis an der Spitze, sondern zählen auch in der Region zu den konsumfreudigsten. Übertroffen werden die Korber nur von den Gerlingern (9303 Euro) und Schwieberdingern (8679 Euro) im Landkreis Ludwigsburg oder den Bürgern in Leinfelden-Echterdingen (8395 Euro).

Wo fließt das viele Geld der Korber Konsumenten eigentlich hin?

Doch eine hohe Kaufkraft in einer Stadt oder Gemeinde sagt nichts darüber aus, ob der Einzelhandel floriert, wie das Beispiel Korb zeigt. Die Einwohner geben nur 2555 Euro am Ort aus. Die Korber Händler teilen das Schicksal mit ihren Kollegen in Remshalden, wo die Bürger mit einer Kaufkraft von 7982 Euro zwar gut betucht sind, aber in deren Ladenkassen nur 2649 Euro landen. Auch aus Kernen fließt viel von der Kaufkraft (7839 Euro) ab (Einzelhandelsumsatz pro Kopf: 2735 Euro). Der Korber Bürgermeister Jochen Müller kennt die Gründe, wieso seine Gemeinde mit ihren knapp über 10 000 Einwohnern in Sachen Kaufkraftbindung so schlecht abschneidet.

  • In der Untersuchung werden nur Kommunen mit mehr als 10 000 Einwohnern betrachtet. Aber Korb könne sich nicht mit Mittelstädten wie Waiblingen oder Weinstadt vergleichen. Der Maßstab sei eher Schwaikheim, das unter der 10 000-Einwohner-Marke liegt, oder eben Kernen und Remshalden mit einer ähnlich geringen Kaufkraftbindung.
     
  • Die Korber fahren zum Shoppen lieber nach Weinstadt, Waiblingen oder Backnang. „Es gibt bei uns ein paar Dinge nicht zu kaufen“, weiß Bürgermeister Müller. In Sachen des alltäglichen Bedarfs sei seine Gemeinde jedoch gut versorgt, weist er auf die beiden Supermärkte hin. Die Umgestaltung des Seeplatzes mit einer Freiluftgastronomie habe die Ortsmitte richtig aufgewertet, freut sich Müller, wie gut der Seeplatz bei schönem Wetter frequentiert wird.

Was drückt die Zentralitätskennziffer aus?

Das Verhältnis zwischen Kaufkraft und Einzelhandelsumsatz pro Kopf drückt sich in der sogenannten Zentralitätskennziffer aus. In alle Kommunen mit einer Kennziffer über 100 fließt Kaufkraft hin. Dazu zählen außer Fellbach (128,2) und Backnang (162) auch Schorndorf (116,3). Schorndorf weist nicht nur eine hübsche Altstadt auf, sondern scheint ein attraktiver Ort zum Einkaufen zu sein, auch ohne große Möbelhäuser oder Einkaufszentren auf der Grünen Wiese*.

Was macht Schorndorf so attraktiv?

Für Gabriele Koch, die Schorndorfer Wirtschaftsförderin und Vorstandsmitglied im Verein „Schorndorf Centro“, sind das Besondere an der Schorndorfer Innenstadt die kurzen Wege, die geschlossene, kompakte Situation und „vor allem der Mix zwischen noch etlichen inhabergeführten, individuellen Geschäften und den gängigen Filialisten“. Wichtig für die Attraktivität der Innenstadt seien die Atmosphäre, eine gute Gestaltung des öffentlichen Raums mit Aufenthaltsqualität und eine gute Erreichbarkeit. „Wir arbeiten seit zwei Jahren an vielen Stellschrauben“, weist Gabriele Koch auf neue und zusätzliche Sitzbänke hin, auf ein neues Fußgänger- und Parkleitsystem sowie auf Pflanzgefäße auf dem Marktplatz und in den Seitenstraßen.

Wie kann eine Stadt leerstehende Läden vermeiden?

Die Stadt Schorndorf unterstützen Neugründungen im Einzelhandel in der Innenstadt durch einen Mietzuschuss. So soll die individuelle Seite des Handels gestärkt und sollen auch die kleinen Flächen belebt werden. Auch die Leerstände, die es immer wieder gibt, gehe die Stadt aktiv mit den Eigentümern an. „Wir unterstützen sie mit unserem Immobilienportal und der aktiven Mieterinformation und –suche.“


*Bei dem Begriff Grüne Wiese handelt sich um einen Ausdruck von Stadtplanern und Stadtentwicklern. Als Grüne Wiese wird ein unbebautes Gebiet bezeichnet, auf dem Wirtschaftsunternehmen angesiedelt werden können.


Korb/Schorndorf. In Korb leben die kaufkräftigsten Bürger zwischen Rems und Murr. 8423 Euro im Jahr kann jeder Einwohner auf den Kopf hauen. Die Korber zeigen ihrem ansässigen Handel jedoch die kalte Schulter. Was unterscheidet eine kleine Gemeinde wie Korb von einem Einkaufsmagneten wie Schorndorf?

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