Rems-Murr-Kreis

Krebs: „Die Krankheit annehmen“

Klein Krebs
Gudrun Klein aus Murrhardt berichtet, wie sie ihre Krebserkrankung und die Therapie im Stauferklinikum erlebt. © A.Franzmann

Gudrun Klein war ihr Leben lang aktiv. Beruflich war die gelernte OP-Fachschwester aus Murrhardt unter anderem am Robert-Bosch-Krankenhaus und an der Lungenklinik in Löwenstein tätig. Außerdem später in der Medizintechnik. Dass sie selbst einmal Patientin sein könnte, hatte sie zu keinem Zeitpunkt in Betracht gezogen. Als im Herbst 2010 zum ersten Mal bei ihr Brustkrebs diagnostiziert wurde, änderte sich für Gudrun Klein alles.

Doch der Reihe nach: Ihre berufliche Karriere begann Gudrun Klein am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart. Von 1984 baute sie dort zusammen mit ihrem damaligen Chef Prof. Klaus-Dieter Hellberg und zwei weiteren OP-Fachkräften die erste Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie auf. Ähnliches geschah wenige Jahre später an der Lungenklinik in Löwenstein. Auch dort war sie als Leitende OP-Schwester über mehrere Jahre beteiligt, die sich damals im Aufbau befindliche Gefäß-und Thoraxchirurgie auszubauen.

Kurz danach kam ihre Tochter zur Welt, Gudrun Klein kümmerte sich fortan um die Erziehung und arbeitete gleichzeitig im Betrieb ihres Mannes mit. Dieser hatte sich zu der Zeit einen medizintechnischen Vertrieb aufgebaut. Vor allem Schienen und Nahtmaterial wurden von Murrhardt aus vertrieben.

Die Ehe scheiterte wenige Jahre später. Gudrun Klein stand mit ihrer Tochter alleine da. Sie arbeitete dennoch weiter im Betrieb und baute sich ein eigenes selbstständiges Vertriebsnetz in der Medizintechnik auf. „Wieder einmal habe ich etwas aufgebaut und Stück für Stück in Gang gesetzt“, berichtet die heute 68-Jährige.

Dies hat gut funktioniert. So gut, dass ein Konzern sie bat, eine Niederlassung in Deutschland aufzubauen, und sie einstellte. Dadurch hatte sie wieder ein gesichertes Einkommen. In der Medizintechnik entwickelte sie sich zu einem Spezialisten für kleine Fingergelenke und den prothetischen Ersatz von Handgelenken, später auch bei Sprunggelenken. „Auch das war neu und musste erst aufgebaut werden, aber im Aufbau neuer Bereiche hatte ich mittlerweile ja Übung und die Arbeit hat viel Spaß gemacht“, lacht Gudrun Klein.

Erste Krebsdiagnose im Herbst 2010

Im Herbst 2010 dann plötzlich die Diagnose: Brustkrebs. „Zunächst wollte ich es gar nicht wahrhaben. Nach den ersten Anzeichen haben meine Tochter und ich noch eine Rundreise durch Kanada gemacht. Das war im Nachhinein betrachtet auch die richtige Entscheidung“, so Gudrun Klein.

Denn dann ging es schnell, es folgten eine Operation und Chemotherapien. „Ich hatte damals große Angst, alles wieder zu verlieren, hatte Sorge, dass man mich im Job ersetzt. Während der Chemotherapie habe ich komplett durchgearbeitet.“ Die Arbeit habe ihr damals auch sehr über die Zeit hinweggeholfen. „Man kann als Patient sehr viel selbst tun,“, betont Gudrun Klein. Auch Vertrauen in die behandelnden Ärzte sei wichtig. Zu diesem Zeitpunkt war sie in der Gynäkologie des Stauferklinikums in Behandlung „Zu Chefarzt Dr. Schlicht habe ich großes Vertrauen, auch von den anderen Ärzten und vor allem dem Pflegepersonal am Stauferklinikum habe ich mich hervorragend betreut gefühlt.“ Die Prognose sah nach der OP und der Chemotherapie wieder sehr gut aus. Gudrun Klein konnte im Job wieder voll einsteigen. Zunächst noch ohne die bisherigen größeren Auslandsreisen, danach auch wieder im weltweiten Vertrieb. Über zehn Jahre nach der Operation war alles gut, bei den regelmäßigen Kontrollen war alles unauffällig.

Erneute Rückschlage 2018 und 2020

Bis im Frühjahr 2018 bei einer Kontrolle auf einmal ein sogenannter „Tumormarker“ wieder anstieg. Es wurde umgehend eine Computertomografie veranlasst. „Es war alles in Ordnung bis auf zwei kleine Teile auf der Leber, die nach Metastasen aussahen“, berichtet Gudrun Klein. Nach einigen Untersuchungen wurde die Leber am Stauferklinikum vom Leitenden Arzt der Gastroenterologie Dr. Dirk Ewald punktiert. Die erneute Diagnose: Krebs. Wieder musste in der Klinik behandelt werden.

Auf Empfehlung von Chefarzt Dr. Schlicht kam eine besondere Therapie zum Einsatz, bei der ein Krebsmedikament direkt an die betroffene Stelle der Leber eingebracht wurde. Diese sogenannte „transarterielle Chemoembolisation“ wurde mehrere Male am Stauferklinikum durch Dr. Gerhard Rupp-Heim, den Leitenden Arzt der Interventionellen Radiologie, durchgeführt. „Danach ging es mir wieder richtig gut“, erzählt Gudrun Klein. „Ich musste weiterhin Medikamente nehmen, aber meine Lebensqualität war wieder da.“

Der Rückschlag dann im Dezember 2020: Bei einer erneuten Kontrolle wird festgestellt, dass die Krebszellen mutiert sind. Wieder ist eine Chemotherapie notwendig. „Das lief anfangs ganz gut,“, so Gudrun Klein. Kurz darauf hat sich jedoch die Leber entzündet, die Prognose daraufhin extrem verschlechtert. „Es sieht leider nicht gut aus. Nach Rücksprache mit den Ärzten muss ich mit dem Schlimmsten rechnen“, berichtet Gudrun Klein völlig gefasst. „Klar, mir ging es damit - gelinde gesagt - überhaupt nicht gut. Das Schlimmste war zu diesem Zeitpunkt, meiner Tochter sagen zu müssen: „Wir müssen sprechen“. So merkwürdig dies klingt: Nach dem Gespräch ging es uns allen wieder besser.“

Notwendige Formalien wie der Gang zum Notar oder das erneute Verfassen einer mittlerweile abgelaufenen Patientenverfügung kosten Gudrun Klein unglaublich viel Kraft. Mittlerweile kommt hinzu: Vor kurzem wurde bei Gudrun Klein Diabetes festgestellt. Seitdem bekommt sie außer Cortison für die Leber zusätzlich Insulin wegen der Zuckererkrankung.

„Schlechte Gedanken schränken nur ein“

Trotz alledem will Gudrun Klein ihre Geschichte nicht für sich behalten, will anderen Betroffenen Mut machen. Gelassenheit bringe unglaublich viel bei einer Krebserkrankung. Sie rät dazu, sehr auf seinen Körper zu achten. Es bringe viel, sich Zeit für sich zu nehmen und täglich eine halbe Stunde in sich hineinzuhören. „Schlechte Gedanken schränken nur ein und verbessern die Prognose nicht. Es hilft nicht, mit aller Macht gegen den Krebs anzukämpfen.“

Vielmehr solle man die Erkrankung annehmen und lernen, mit ihr umzugehen. Es sei gut, aktiv zu werden. Zum Beispiel könne man Blutwerte selbst checken und behandelnde Ärzte aktiv ansprechen. „Man muss Ärzten auch die Gelegenheit geben, zu reagieren, wenn man selbst Veränderungen feststellt. Im Bestfall entsteht bei der Behandlung ein Miteinander“.

Ein weiterer Tipp von ihr an Patienten: „Schreiben Sie vor einer OP auf, ob und welche OPs Sie bereits hatten, wann der letzte Eingriff war, ob Allergien vorliegen und Medikamente eingenommen werden müssen. Das verkürzt nicht nur die Anamnese in der Klinik, sondern macht einem die Vorgeschichte selbst nochmals bewusst.“

Ihren Humor hat Gudrun Klein auch durch die Erkrankung nicht verloren. Als „Insulianerin“ bezeichnet sie sich, da sie bereits viele Inseln wie Bali, Sri Lanka oder Madagaskar besucht hat und heute Insulin spritzen muss. Bilder der damaligen Reisen schickt sie nun an Freude, die auch Insulin spritzen müssen und sich an den Erinnerungen an zurückliegende Reisen mit erfreuen.

Für Gudrun Klein hat sich alles verändert. Vor einem Jahr ist sie mit 67,5 Jahren in Rente gegangen. Das Leben ist dennoch intensiver geworden. Ihre 29-jährige Tochter wollte im April heiraten. Die Hochzeit wurde verschoben, dafür gab es eine Verlobung. Die Tochter studierte Anglistik und Geschichte, auch für eine kurze Zeit in Kanada, und arbeitet jetzt an der Uni Stuttgart interimsmäßig als Alumni Manager. Im Mai kann sie sich auf diese Stelle bewerben.

„Damals, als wir alleine dastanden, meine Tochter war gerade 11 Jahre jung, da hatten wir ein Gespräch und ich sagte ihr, das könne funktionieren, wenn jeder seinen Teil erfüllt. Ich verdiene das Geld und du erfüllst den Part in der Schule - das muss passen, sonst geht es nicht. Sie hat mir immer Freude bereitet und dadurch viel Antrieb verschafft.“

Wenn man sie fragt, woher sie ihre Kraft nimmt, sagt Gudrun Klein: „Von ganz innen“. Sie hört auf ihren Körper, lässt sich nicht von anderen Meinungen beeinflussen. Das verunsichere nur und mache schwach. Für sie liegt die Freude im Erfolg. Diese Lebensfreude treibe sie an und mache glücklich.

„Es ist ganz wichtig, niemals den Optimismus zu verlieren“

Ihre Botschaft möchte Gudrun Klein auch anderen weitergeben: „Es ist ganz wichtig, niemals den Optimismus zu verlieren!“

Gudrun Klein war ihr Leben lang aktiv. Beruflich war die gelernte OP-Fachschwester aus Murrhardt unter anderem am Robert-Bosch-Krankenhaus und an der Lungenklinik in Löwenstein tätig. Außerdem später in der Medizintechnik. Dass sie selbst einmal Patientin sein könnte, hatte sie zu keinem Zeitpunkt in Betracht gezogen. Als im Herbst 2010 zum ersten Mal bei ihr Brustkrebs diagnostiziert wurde, änderte sich für Gudrun Klein alles.

Doch der Reihe nach: Ihre berufliche Karriere begann

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