Rems-Murr-Kreis

Kreis-Impfzentrum Waiblingen mangels Impfstoff noch immer nicht voll ausgelastet

1/2
Kreisimpfzentrum
Gerd Holzwarth leitet das Kreisimpfzentrum in der Rundsporthalle in Waiblingen. © Gabriel Habermann
2/2
Kreisimpfzentrum
... und Robert Landendinger auch. © Gabriel Habermann

Viel mehr Menschen könnten im Kreisimpfzentrum geimpft werden. Der Impfstoff reicht aber nicht für alle. Deshalb wird das Impfzentrum auch im Juni nicht in den Volllast-Modus wechseln können, davon geht Gerd Holzwarth aus. Laut dem Leiter des Impfzentrums könnten pro Tag 1500 Personen in der Waiblinger Rundsporthalle ihren Piks abholen. Knapp 1200 Menschen schleusten die Beschäftigten im Zentrum am Dienstag durch die Halle, und das waren vergleichsweise viele für einen Tag: Das Impfzentrum kann nur so viele freie Termine ins Vergabesystem einstellen, wie Impfdosen zur Verfügung stehen. Eine Reihe von Personen kommt bereits zur Zweitimpfung, und solche Termine mangels Impfstoff abzusagen – das möchte Gerd Holzwarth unter allen Umständen vermeiden: Bisher sei noch kein einziger Zweitimpfungstermin storniert worden.

Unterdessen mühen sich ungezählte Menschen, einen Termin zu ergattern. Bald werden noch viel mehr Leute versuchen, sich übers Portal „Impfterminservice“ einen Vermittlungscode samt Termin zu sichern: „Nach derzeitigem Stand“, so ein Sprecher des Sozialministeriums, „halten wir daran fest, die Priorisierung in den Impfzentren zum 7. Juni aufzuheben.“ Das heißt: Niemand muss dann mehr nachweisen, einer bestimmten Personengruppe anzugehören und deshalb impfberechtigt zu sein.

Momentan gilt noch: Nur wer berechtigt ist, also Vorerkrankungen hat, Pflegeperson ist, bestimmten Berufsgruppen angehört oder andere Kriterien erfüllt, verlässt das Impfzentrum in gepikstem Zustand. Im Zuge der Online-Terminbuchung kann man – sofern man bis zur Buchung überhaupt vordringt – keck behaupten, impfberechtigt zu sein. Im Impfzentrum schlägt dann die Stunde der Wahrheit: Wer ohne Nachweis dort erscheint, muss unverrichteter Dinge wieder gehen.

Freundlich, aber bestimmt zum Ausgang geleiten

Nur hin und wieder hat es Michaela Huschka mit Leuten zu tun, die ohne Nachweis einer Impfberechtigung im Zentrum erscheinen. Freundlich, aber bestimmt geleitet die 51-Jährige die Betreffenden Richtung Ausgang: ohne Nachweis keine Impfung – ohne Ausnahme. „Wir lassen uns auf keine Diskussionen ein“, berichtet Michaela Huschka. Richtig krassen Ärger hat sie noch nie erlebt; fast immer sitzen ihr im Registrierungskabuff Nummer sieben freundliche Menschen gegenüber, die durchaus ein bisschen aufgeregt sind und sich manchmal vor der Impfung fürchten – aber praktisch ausnahmslos das Zentrum mit einem Lächeln auf den Lippen verlassen: geschafft.

Noch bis 15. August wird die 51-Jährige ihren Arbeitsplatz in der Rundsporthalle behalten können. Wie’s danach weitergeht, ob das Zentrum dann schließt oder doch noch bis Ende September Impfwillige durch die Kabinen schleust, ist offen, so Gerd Holzwarth: Noch hat er keine feste Zusage für eine Verlängerung des Betriebs über den 15. August hinaus.

"Man kann hier Gutes tun"

Michaela Huschka sieht’s gelassen: Sie hat vor der Pandemie in der Gastronomie gearbeitet, oft auf Sylt oder in Österreich, je nach Saison. In der Gastro-Branche wird sie nach Öffnung jederzeit wieder einen Job finden, und wer weiß, sagt sie, vielleicht ergibt sich auch eine berufliche Umorientierung. Ihre Arbeitszeit im Impfzentrum genießt sie derweil regelrecht: „Man kann hier Gutes tun.“

So sieht das auch Robert Landendinger, der aus privaten Gründen von Bayern nach Baden-Württemberg umgezogen ist. Zuvor hat der 29-Jährige studiert und als Verfahrensmechaniker gearbeitet. Jetzt nutzt er die Zeit bis zum beruflichen Neustart in der Wahlheimat, um im Impfzentrum einen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie zu leisten: „Jedes Unheil geht irgendwann vorüber.“

Auch jede Suche nach einem Impftermin endet irgendwann mit Erfolg. Zu welchen Zeiten das Waiblinger Impfzentrum neue freie Termine ins System einstellt, lässt sich allerdings nicht vorhersagen: Alles hängt davon ab, wie viele Impfstoffdosen wann geliefert werden, und das ändert sich von Woche zu Woche, erklärt Gerd Holzwarth. Freitags treffen die Lieferungen ein, mittwochs bespricht sich das Leitungsteam – und immer sind neue freie Termine binnen kürzester Zeit ausgebucht. Rems-Murr-Bürger sind nicht ans Waiblinger Impfzentrum gebunden; jeder kann auch woanders nach einem Termin suchen – weshalb sich in Waiblingen auch Leute aus anderen Landkreisen impfen lassen. Als am Wochenende vor Pfingsten ein paar Hundert Dosen des Impfstoffes von Johnson & Johnson zur Verfügung standen, zählte Gerd Holzwarth mehr als 100 Impfwillige aus Stuttgart, die sich in Waiblingen eingebucht hatten.

Minister Lucha richtet klare Worte an Jens Spahn

Momentan sind keine weiteren Johnson & Johnson-Lieferungen in Sicht. Drei Kisten Biontech sind diese Woche eingetroffen, und was die Lieferungen von Astrazeneca unter anderem für die Zweitimpfungen angeht, zeigt sich Gerd Holzwarth optimistisch. Das Sozialministerium hat am Pfingstwochenende gar erlaubt, dass man Astrazeneca-Impfdosen aus Offenburg nach Waiblingen holen konnte.

Deutliche Worte hat unterdessen der baden-württembergische Sozialminister Manne Lucha via Pressemitteilung an Jens Spahn gerichtet: „Wir erwarten vom Bund jetzt klare Antworten über die Impfstoffverteilung ab 7. Juni, wenn die Betriebsärzte flächendeckend in die Impfungen einsteigen sollen.“ Lucha verweist auf einen Beschluss, wonach diese Mengen zusätzlich an die Länder verteilt werden sollten. Doch „Hinweise aus dem Bundesgesundheitsministerium geben leider Anlass zur Sorge, dass Herr Spahn diese zusätzlichen Impfstoffmengen nicht organisieren konnte, sondern dass sie von den ohnehin knappen wöchentlichen Lieferungen abgezwackt werden müssen.“ Nichts geworden sei ferner aus dem Berliner Versprechen, schimpft Lucha, wonach im April schon in den meisten Bundesländern mehr Impfdosen zur Verfügung stehen sollten, als die Beschäftigten in den Impfzentren in Oberarme platzieren könnten.

Claus-Peter König, ehemals Sanitätssoldat bei der Bundeswehr, platziert derweil in der Waiblinger Rundsporthalle geimpfte Menschen im Beobachtungsraum: Dort bleibt jeder nach dem Piks noch eine Weile sitzen. Hin und wieder kämpft jemand mit Kreislaufproblemen, berichtet Claus-Peter König – und hin und wieder wird schnell klar, warum. Ohne Frühstück im Bauch und ohne was getrunken zu haben, kommt der Mensch mit der Spritze weniger gut klar.

Probleme dieser Art bekommen Claus-Peter König und seine Kolleg/-innen schnell in den Griff, zumal freundliche Zuwendung und ein nettes Gespräch von Mensch zu Mensch viel Gutes bewirken. König wird jedenfalls dem Impfzentrum treu bleiben bis zum letzten Tag: „Das ist eine wertvolle Erfahrung hier. Man kann für die Allgemeinheit was tun.“

Viel mehr Menschen könnten im Kreisimpfzentrum geimpft werden. Der Impfstoff reicht aber nicht für alle. Deshalb wird das Impfzentrum auch im Juni nicht in den Volllast-Modus wechseln können, davon geht Gerd Holzwarth aus. Laut dem Leiter des Impfzentrums könnten pro Tag 1500 Personen in der Waiblinger Rundsporthalle ihren Piks abholen. Knapp 1200 Menschen schleusten die Beschäftigten im Zentrum am Dienstag durch die Halle, und das waren vergleichsweise viele für einen Tag: Das Impfzentrum

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper