Rems-Murr-Kreis

Kreisimpfzentrum Waiblingen: Die Abarbeitung der Wartelisten

Impfzentrum
Gerd Holzwarth, in der Vor-Corona-Zeit der Mann für Forst und Landwirtschaft, setzt sein Organisationstalent aktuell auch im Kreisimpfzentrum ein. © Gabriel Habermann

Sie wollen gern einen Corona-Impftermin? Sie gehen dafür regelmäßig ins Internet auf www.impfterminservice.de? Und Sie sind genauso regelmäßig vollkommen erfolglos? Sie sind damit nicht allein. Wieso? Das ist die Geschichte der langen Wartelisten . . .

Gerd Holzwarth, der Mann im Landratsamt, der das Kreisimpfzentrum organisiert, guckt wahrscheinlich am allerliebsten auf Warteliste Nummer drei. Die nämlich ist quasi erledigt. Nein, die 1200 Leute, die sich darauf tummeln, sind noch nicht geimpft. Aber sie haben ihren Impftermin: Diese Leute sind am 13., 14. und 15. April dran. Der Impfstoff ist da, es kann nichts mehr passieren. Wer auf dieser Warteliste steht, gehört nämlich zu denjenigen, die eigentlich am 16., 17. und 18. März geimpft werden sollten. Aber da war ja der Astrazeneca-Impfstopp und die Termine fielen aus. Das war die Woche, in der es auf www.impfterminservice.de hieß: Derzeit keine Onlinebuchung von Impfterminen.

In der Woche darauf jedoch – Astrazeneca wurde längst wieder verimpft – hieß es auf www.impfterminservice.de noch immer „Derzeit keine Onlinebuchung von Impfterminen“. An dieser Stelle kommen wir zu den Wartelisten Nummer eins und zwei.

Warteliste Nummer eins wird vom Landratsamt abtelefoniert

Warteliste Nummer eins, sagt Gerd Holzwarth, wurde am 8. Februar von jenen Menschen begonnen, die in dem Callcenter arbeiten, das unter der Telefonnummer 116 117 die Corona-Impftermine vergibt. Denn freie Impftermine gab's auf absehbare Zeit nicht, doch die Menschen aus der Prio-Gruppe 1 – hauptsächlich Menschen im Alter von 80 plus – sollten endlich sicher sein können, dass sie irgendwann drankommen.

Die Liste wurde bis einschließlich 4. März geführt und dann geschlossen. 4100 von all den unzähligen Menschen, die dort eingetragen waren, wollten im Kreisimpfzentrum in Waiblingen geimpft werden. Die Daten dieser Menschen hat das Landratsamt Waiblingen vom Sozialministerium bekommen. Seither wird telefoniert.

Für 1120 dieser 4100 Menschen gab es jetzt schon zwei Sonder-Impftermine: Am 15. und am 22. März konnte der tatsächlich vorhandene Extrakarton Biontec-Impfstoff an den Mann beziehungsweise die Frau gebracht werden.

Übrig blieben knapp 3000 Impfwillige. Das Landratsamt telefoniert weiter. Glücklicherweise hatten einige doch schon in einem anderen Impfzentrum oder im Impf-Truck, der die Gemeinden abfährt, ihren Schutz bekommen. Oder konnten inzwischen im Kreisimpfzentrum in Waiblingen unterkommen. 1300 Menschen sind bis jetzt noch nicht versorgt. Sie werden am 10., 17. und am 24. April ihre Impfung bekommen. Das Landratsamt telefoniert immer noch. Wenn die letzten 160 Menschen, die noch nicht erreicht worden sind, von den Landratsamtsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern auch noch eingebucht werden konnten, dann ist Gerd Holzwarth mit Warteliste Nummer eins „endlich durch“.

Aber da ist ja auch noch Warteliste Nummer zwei. Denn die Nachfrage nach Impfterminen hat ja mit dem 4. März nicht aufgehört, sondern ging gerade so weiter. Seit dem 5. März schreibt das 116 117-Callcenter also die nächsten Namen, Adressen und Telefonnummern auf. Wie viele Menschen dort inzwischen fürs Waiblinger Kreisimpfzentrum gelistet sind, weiß Gerd Holzwarth nicht. Diese Liste „arbeitet das Callcenter selber ab“. Das heißt: Die Leute vom Callcenter rufen bei den Menschen wieder an und buchen sie dann auf einen freien Termin im Waiblinger Kreisimpfzentrum.

Bei Warteliste zwei produziert das Callcenter skurrile Geschichten

Zumindest ein Anteil der Termine, die im Kreisimpfzentrum zur Verfügung stehen, kommt also gar nicht auf den freien Markt. Ob das Callcenter ein Vorgriffsrecht hat, weiß Gerd Holzwarth auch nicht. Sicher ist nur: Wer zurzeit online sein Impftermin-Glück versucht, bekommt mit größter Wahrscheinlichkeit zu lesen: „Es wurden keine freien Termine in Ihrer Region gefunden. Bitte probieren Sie es später erneut.“

Es gibt aber auch andere Geschichten. Gerd Holzwarth traf im Kreisimpfzentrum auf einen Mann, der's online versucht hatte, sich durch alle Klicks arbeiten konnte und tatsächlich am nächsten Tag noch einen freien Termin angeboten bekam. „Das System funktioniert also“, sagt Gerd Holzwarth. Doch längst dürfen sich ja auch die Menschen ab 70 um einen Termin bemühen. Und so versuchen viel zu viele Menschen auf viel zu wenige Termine zuzugreifen – der Frust ist vorprogrammiert.

Es gibt aber auch so skurrile Geschichten wie die von Georg Daiss aus Schorndorf-Schlichten. Der 80-Jährige hat sich Mitte März fürs Waiblinger Kreisimpfzentrum listen lassen. Daiss ist dem Datum nach also auf Nummer zwei gelandet, die das Callcenter abarbeitet. Jüngst bekam er einen Anruf: Er stehe auf der Warteliste, ob er schon geimpft sei? Ob er schon einen Termin habe? Nein und nein, antwortete Georg Daiss. Die Anruferin sagte, sie würde mal nachgucken. Und dann? Gab's die Aussage, dass es leider keinen Termin gebe. „Warum“, fragt Georg Daiss, „ruft sie mich denn dann an? Das ist doch völlig sinnlos!“ Er hofft jetzt, dass er nicht – weil angerufen – von der Warteliste runterfliegt. Nach dem Motto: zwar erfolglos, aber Haken dran.

Das Wartelisten-Drama geht weiter

Und das Wartelisten-Drama geht weiter: Bis Ende der Kalenderwoche 15, also bis zum 16. April, bekommt das Kreisimpfzentrum noch die bislang übliche Menge an Astrazeneca-Impfstoff für gebuchte Erst- und Zweitimpfungen. Ab Kalenderwoche 16, also ab dem 19. April, gibt's nur noch die Mengen, die für die dort schon gebuchten Zweitimpfungen benötigt werden. Der Rest Astrazeneca geht in die Hausarztpraxen. Drei Fläschchen à sechs oder höchsten sieben Impfdosen pro Woche pro Arzt. Das heißt: Im Rems-Murr-Kreis wird es demnächst so viele Wartelisten geben, wie es niedergelassene Hausärzte gibt.

Sie wollen gern einen Corona-Impftermin? Sie gehen dafür regelmäßig ins Internet auf www.impfterminservice.de? Und Sie sind genauso regelmäßig vollkommen erfolglos? Sie sind damit nicht allein. Wieso? Das ist die Geschichte der langen Wartelisten . . .

Gerd Holzwarth, der Mann im Landratsamt, der das Kreisimpfzentrum organisiert, guckt wahrscheinlich am allerliebsten auf Warteliste Nummer drei. Die nämlich ist quasi erledigt. Nein, die 1200 Leute, die sich darauf tummeln, sind noch

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