Rems-Murr-Kreis

Kreisräten ist klimafreundliches Biogas für die Immobilien des Rems-Murr-Kreises noch viel zu teuer

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Biogasanlage. Symbolfoto: Pixabay

Es ist eine alte, kommunalpolitische Erfahrung: Kleine Beträge sorgen für große Debatten. Die Sitzung des Verwaltungs-, Schul- und Kulturausschusses des Kreistages bestätigte die Weisheit. Die Corona-Krise konnte daran nicht rütteln. Kaum hatte der Ausschuss mehr als zwei Millionen Euro für die Fachplaner des Neubaus auf dem Parkdeck des Waiblinger Landratsamtes ohne Wortmeldungen durchgewunken, besannen sich die Kreisräte bei ein paar Zehntausend Euro ihrer Sparsamkeit.

Andreas Hesky (Freie Wähler) machte den Aufschlag. Er wisse das Engagement des Kreises für den Klimaschutz zu schätzen, sagte der Waiblinger Oberbürgermeister, aber müsse Biogas wirklich das Dreifache wie Erdgas kosten? CDU-Kreisrat Reinhold Sczuka schloss sich den Bedenken nahtlos an. „Wir sperren uns nicht, aber...“

Bei so viel Abers zog Landrat Richard Sigel seinen Antrag schließlich zurück und vertagte den Tagesordnungspunkt „Beschaffung von Biogas für die Wärmeerzeugung an den Liegenschaften des Rems-Murr-Kreises“. Der Kreis wollte vorbildlich sein und einen kleinen Schritt in Richtung Klimaschutz machen. Waren im ersten Klimaschutzkonzept die Ambitionen des Rems-Murr-Kreises noch ganz wachsweich formuliert gewesen: Bis 2050 solle der ganze Landkreis klimaneutral sein. So hat die Kreisverwaltung jedoch ihre Ziele inzwischen konkretisiert. Bis 2030 solle zumindest der Immobilienbestand CO2-neutral sein. Ein Schritt in die Richtung Klimaneutralität könnten die Gas-Ausschreibungen sein. Zum 1. Januar 2021 besteht die Chance, zumindest einen Teil der Gebäude künftig mit Bio- statt Erdgas zu versorgen. Dies hatte die Kreisbau vorgeschlagen, die den Immobilienbestand des Kreises managt.

CO2-Steuer verbilligt klimafreundliches Biogas gegenüber dem Erdgas

Grundlage für derartige Umstiegspläne ist die CO2- und Energiebilanz aller Gebäude inklusive eines Maßnahmenkataloges, wie viel Strom und Wärme verbraucht werden und welche Potenziale zur Verringerung ausgeschöpft werden können. Durch den Umstieg von Erd- auf zertifiziertes Biogas, das überwiegend regional und aus Abfällen gewonnen wird, ließen sich immerhin 40 Prozent CO2 sparen. Allerdings kostet Bio derzeit bis zum Dreifachen von Erdgas, für das derzeit 53 000 Euro im Jahr ausgegeben wird. Noch. In Zukunft wird sich dieser Preisunterschied verringern. Während Biogas nicht mit einer CO2-Steuer belegt wird, verteuert diese künftig Erdgas Jahr für Jahr.

Es gab im Ausschuss jedoch auch Fürsprecher für Biogas. „Klimaschutz kostet“, erklärte Anne Kowatsch (Grüne). „Und dafür muss man auch Geld in die Hand nehmen“, plädierte sie für ein Biogas, das aber den Namen Bio auch verdiene. Allerdings vermisste Anne Kowatsch eine Gesamtstrategie und regte an, beispielsweise die Kliniken miteinzubeziehen. Auch SPD-Kreisrat Klaus Harald Kelemen sprach sich für die Biogas-Ausschreibung aus. „Man muss jetzt die Weichen stellen.“ Zunächst aber stehen die Bio-Signale auf Rot.

Es ist eine alte, kommunalpolitische Erfahrung: Kleine Beträge sorgen für große Debatten. Die Sitzung des Verwaltungs-, Schul- und Kulturausschusses des Kreistages bestätigte die Weisheit. Die Corona-Krise konnte daran nicht rütteln. Kaum hatte der Ausschuss mehr als zwei Millionen Euro für die Fachplaner des Neubaus auf dem Parkdeck des Waiblinger Landratsamtes ohne Wortmeldungen durchgewunken, besannen sich die Kreisräte bei ein paar Zehntausend Euro ihrer Sparsamkeit.

Andreas Hesky

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