Rems-Murr-Kreis

Längere Ausbildung für Tageseltern

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Tagesmutter Melanie Muth. © ZVW/Gaby Schneider

Rems-Murr-Kreis.
Ohne Tagesmütter wären wir aufgeschmissen. Die Kindergärten der Kirchen und Kommunen bieten gar nicht genug Platz für alle Kinder. Ganz Kleine, die man noch wickeln muss, die noch nicht laufen können, sind bei einer Tagesmutter besonders gut aufgehoben: Diese Meinung hört man öfter unter Eltern.

Es passt ins Bild, dass die Arbeit von Tageseltern, meist sind das Frauen, jetzt aufgewertet wird. Im Geldbeutel wird sich das nicht bemerkbar machen. Im Ansehen schon. Angehende Tageseltern durchlaufen von diesem Jahr an ein sehr viel umfangreicheres Bildungsprogramm als bisher.

Gisela Stecher, die Vorsitzende des Tageselternvereins Waiblingen, ist voll des Lobes für die Fortbildungsoffensive: Tageseltern sollen – endlich – als Fachleute wahrgenommen werden, die einen qualifizierten Beruf ausüben, die wissen, worauf es in der frühkindlichen Bildung ankommt, die sich mit rechtlichen Fragen auskennen, sich mit Kinderschutz-Fragen auseinandergesetzt haben - und, und, und.

300 statt 160 Unterrichtsstunden

Fast doppelt so viele Unterrichtsstunden durchlaufen neue Tageseltern von diesem Jahr an: 300 statt bisher 160; die „Selbstlerneinheiten“ sind noch gar nicht eingerechnet. Dazu kommen 80 Praxisstunden. Die Hälfte davon verbringen Neueinsteiger bei bereits erfahrenen Tageseltern, die andere Hälfte in einem Kindergarten.

Das Bildungsprogramm müssen nur neue Tageseltern durchlaufen; alle anderen können sich aus eigenem Antrieb in die Zusatz-Qualifizierung einklinken, erklärt Jasmin Schlehner vom Verein Kinder- und Jugendhilfe Backnang, der sich ums Bildungsangebot kümmert. Wie man schon die ganz Kleinen bestmöglich fördern kann – darum geht’s im Wesentlichen. Sprachliche und motorische Fähigkeiten oder soziale Kompetenzen eignen sich Kinder von klein auf an. Je früher sie qualifizierte Förderung erhalten, desto besser.

Bildungsprogramm ist kostenlos

Geld erhalten Tagesmütter während ihrer Bildungszeiten nicht – aber zumindest können sie das Bildungsprogramm kostenfrei nutzen, betont Frank Schaible vom Jugendamt. Er hofft auf viele Anmeldungen für die neuen Kurse, zumal die Betreuungslücke von Jahr zu Jahr größer werde und Eltern ihre Kinder bestens gefördert wissen möchten. Ein Viertel der Kinder, die in Baden-Württemberg in den Kindergarten starten, „haben eine andere Herkunftssprache“, so Schaible, sprich: Frühe Sprachförderung ist die beste Basis. Am schnellsten lernt der Mensch in seinen allerersten Jahren: „Man kann ihnen bessere Chancen bieten, wenn man früher anfängt.“

„Die frühkindliche Bildung muss verbessert werden für alle, die Kinder betreuen“, dieses Fazit zieht Gisela Stecher. Neue Tageseltern erarbeiten gar ein Konzept, das ihre besonderen Stärken und Schwerpunkte umreißt, kündigt Lena Alerbon vom Jugendamt an. Das Konzept gilt als dickes Plus für Eltern, die auf diese Weise besser nachvollziehen können, was ihr Kind bei dieser Tagesmutter erwartet. Vielleicht hat sie besondere musische Talente, die sie in ihrer Arbeit gut einsetzen kann, oder sie legt viel Wert aufs Vorlesen, auf Bewegung – oder was auch immer.

Unterricht an zwei Tagen in der Woche

Am 9. März beginnt in Backnang ein neuer Kurs für angehende Tageseltern. An zwei Tagen in der Woche folgen sie von 8.30 bis 14.30 Uhr dem Unterricht. Mitte Juli sind die ersten 160 Unterrichtseinheiten durch; danach können die neuen Tageseltern bereits Kinder aufnehmen, sofern die Pflegeerlaubnis erteilt ist. Der zweite Teil der Qualifizierung beginnt dann im November und endet im Juni 2021. Das dauert so lange, weil die Kurse dann nur noch zweiwöchentlich stattfinden, damit die neuen Tageseltern ihre Berufstätigkeit und die Qualifizierung gut verbinden können. Die Pflicht-Praktika sind bereits im ersten Halbjahr der Ausbildung zu absolvieren. Zu jeder Zeit dürfen die angehenden Tageseltern auf intensive Unterstützung der Tageselternvereine zählen, verspricht Gisela Stecher. Melanie Muth, von Haus aus Sozialpädagogin, hatte mit so viel Hilfe seitens des Tageselternvereins gar nicht gerechnet. Zusammen mit einer Kollegin bietet die zweifache Mutter Tagesbetreuung im Sonnenblumen-„Tiger“ in Waiblingen an. Mit „Tiger“ ist „Tagespflege in anderen geeigneten Räumen“ gemeint, das heißt, Melanie Muth betreut ihre Tageskinder nicht bei sich zu Hause. Sie hat zusammen mit einer anderen Tagesmutter einen Raum angemietet und betreibt dort eine Art kleinen, familiären Privat-Kindergarten. Ihre Tochter bringt sie mit, und wenn nach Mittag der „Tiger“ schließt, holt sie ihren Fünfjährigen ab, der früher auch bei einer Tagesmutter Zeit verbracht hat: Melanie Muth mochte diese Betreuungsform schon damals – und bietet sie jetzt selbst an. Die Sozialpädagogin schätzt das selbstbestimmte Arbeiten sehr; „man kann eigene Inhalte einbringen, und das macht einen auch stolz“. 6,50 Euro pro Kind und Stunde erhält eine Tagesmutter aktuell, und Melanie Muth wird weiter in diesem Beruf arbeiten, auch wenn ihre eigene Tochter bald einen Kindergarten besuchen wird: „Toll“ fühlt sich das an, sagt sie, „was Eigenes aufzubauen“.


Info-Veranstaltung

Eine Informationsveranstaltung zum neuen Bildungsprogramm für angehende Tageseltern findet am Mittwoch, 15. Januar, 19 Uhr, im „fam futur“ in der Theodor-Körner-Straße 1 in Backnang statt. Wer sich ernsthaft für den Beruf einer Tagesmutter / eines Tagesvaters interessiert, informiert sich am besten schon vorher unter der Telefonnummer 0 71 91/34 19-1 19. Denn die Anmeldungen für den neuen Kurs sind bald abzugeben, spätestens am 15. Januar.

Der Kurs beginnt dann am 9. März.

Bereits aktive Tageseltern können die neue Zusatzqualifikation absolvieren; verpflichtend ist es aber nicht. Infos dazu gibt es am Mittwoch, 29. Januar, 19 Uhr, ebenfalls im „fam futur“ in Backnang.

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Ohne Tagesmütter wären wir aufgeschmissen. Die Kindergärten der Kirchen und Kommunen bieten gar nicht genug Platz für alle Kinder. Ganz Kleine, die man noch wickeln muss, die noch nicht laufen können, sind bei einer Tagesmutter besonders gut aufgehoben: Diese Meinung hört man öfter unter Eltern.

Es passt ins Bild, dass die Arbeit von Tageseltern, meist sind das Frauen, jetzt aufgewertet wird. Im Geldbeutel wird sich das

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