Rems-Murr-Kreis

Lage in den Kliniken Baden-Württembergs spitzt sich zu: Wird die Alarmstufe ausreichen?

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Spätestens Ende November 2021 könnten die meisten Krankenhäuser nicht mehr in der Lage sein, alle Intensivpatienten zu versorgen. © Adobestock/Pirke

Die landesweite Alarmstufe tritt definitiv am Mittwoch (17.11.) in Kraft. Es ist allerdings fraglich, ob die damit einhergehenden Einschränkungen für Ungeimpfte ausreichen, um die Versorgung aller Intensivpatienten in Baden-Württemberg aufrechtzuerhalten, sagte Prof. Dr. Mark Dominik Alscher, Vorstandsvorsitzender des Robert-Bosch-Krankenhauses am Dienstagvormittag (16.11). „In zwei Wochen werden wir an einem Punkt angelangt sein, wo sich die Anzahl der Covid-Intensivpatienten verdoppelt haben wird. Dann sind wir am absoluten Limit angelangt.“  Die Inzidenzen hätten sich ja auch mindestens verdoppelt, und die Krankenhausbelegung mit Covid-Patienten folge der Inzidenzentwicklung im zeitlichen Verzug von anderthalb bis zwei Wochen. „Dann werden die Warnungen von Gesundheitsminister Manne Lucha wahr werden, dass Covid-Patienten in andere Bundesländer verlegt werden müssen“, sagt Prof. Alscher. „Die vierte Welle müsste jetzt gebrochen werden. Ein Lockdown würde dem Gesundheitssystem helfen. Er wird aber aus mehreren Gründen wohl nicht kommen.“ Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat derweil einen neuen Lockdown nicht mehr ausgeschlossen. 

Die Anzahl der Corona-Intensivpatienten in den baden-württembergischen Krankenhäusern ist auch an diesem Dienstag (16.11.), und damit den zweiten Tag in Folge, größer als der Grenzwert 390. Laut Divi-Intensivregister waren

  • mit Stand 10.15 Uhr 420 Covid-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, 191 davon am Beatmungsgerät;
  • mit Stand 13.15 Uhr 424 Covid-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, 193 davon am Beatmungsgerät.

Allerdings beträgt der Anteil der Covid-Patienten an den gesamten Intensivpatienten in Baden-Württemberg weiterhin „nur“ 18,73 Prozent. Gesundheitsminister Manne Lucha hatte am Montag die Krankenhäuser pauschal kritisiert, weil diese nicht bereit seien, „an die Grenze zu gehen und bis zu 40 Prozent ihrer Intensivkapazitäten für die Corona-Versorgung zur Verfügung zu stellen“. Wenn sich das nicht ändere, sehe er sich gezwungen, „über Allgemeinverfügungen rechtlich einzugreifen“.

Hintergrund: Alarmsignale sind laut Sozialministerium aus Krankenhäusern im Raum Karlsruhe, Ulm und Stuttgart/Ludwigsburg zu hören. Noch könnten Intensivpatienten zwar nach Freiburg und Tübingen verlegt werden, aber leider seien sämtliche Standorte in Baden-Württemberg mittlerweile „sehr stark belastet“.

„Bei einer weiteren Zuspitzung der Situation wird eine Verlegung in andere Kliniken, die ihrerseits voll sind, nur noch schwer möglich sein“, sagt Alexander Tsongas, Sprecher der RKH-Kliniken mit Standorten unter anderem in Ludwigsburg und Bietigheim. „Auch deshalb ist von allen Krankenhäusern einzufordern, dass sie sich solidarisch zeigen und entsprechende Ressourcen für Covid-Patienten zur Verfügung stellen. Hier ist aber auch von der Bundesregierung zu fordern, dass die Kliniken entsprechende finanzielle Ausgleiche erhalten. Das Virus hält sich nicht an Wahlen oder Regierungsbildungen. Die Kliniken aber auch die Länder werden alleine gelassen.“

Es sollten sich alle Krankenhäuser in Baden-Württemberg angesprochen fühlen, wenn der Sozialminister so deutliche Worte findet, findet auch Prof. Dr. Jan Steffen Jürgensen, Vorstandsvorsitzender des Klinikums Stuttgart. „Wir haben in den vergangenen Wochen immer wieder Patienten aus anderen Krankenhäusern aufgenommen. Unsere OP-Kapazität passen wir der aktuellen Situation an. Wir gehen aktuell unter 80 Prozent OP-Auslastung mit absehbar weiteren Einschränkungen und haben am Montag weiter Erweiterungen der Covid-Bereiche in unserem Stufenplan beschlossen, die zu Lasten der Regelversorgung gehen.“

Derzeit werden 65 Corona-Patienten im Klinikum Stuttgart versorgt, so Jürgensen. „Einen ähnlich hohen Stand gab es zuletzt zu Beginn des Jahres 2021. 16 dieser Patienten mit Covid werden intensivmedizinisch versorgt (Beatmung, ECMO, Nierenersatztherapie etc.), die übrigen auf Intermediate Care Stationen (IMC) mit Monitorüberwachung, Sauerstoff über Sonden etc. in Isolationsbereichen.“

Der prozentuale Anteil der Covid-Patienten an den Intensivbetten-Belegungen im Großraum Stuttgart laut Divi-Intensivregister:

  • Stadtkreis Stuttgart: 21,12 Prozent von 212 belegten ITS-Betten. ITS-Betten frei: 20.
  • Landkreis Ludwigsburg: 14,63 Prozent von 82 belegten ITS-Betten. ITS-Betten frei: 0.
  • Landkreis Heilbronn: 3,85 Prozent von 47 belegten ITS-Betten. ITS-Betten frei: 5.
  • Stadtkreis Heilbronn: 40 Prozent von 40 belegten ITS-Betten. ITS-Betten frei: 0.
  • Landkreis Schwäbisch Hall: 13,64 Prozent von 42 belegten ITS-Betten. ITS-Betten frei: 2.
  • Ostalbkreis: 13,46 Prozent von 46 belegten ITS-Betten. ITS-Betten frei: 6.
  • Landkreis Göppingen: 23,53 Prozent von 31 belegten ITS-Betten. ITS-Betten frei: 3.
  • Landkreis Esslingen: 37,5 Prozent von 63 belegten ITS-Betten. ITS-Betten frei: 1.
  • Landkreis Böblingen: 39,39 Prozent von 33 belegten ITS-Betten. ITS-Betten frei: 0.

Die Rems-Murr-Kliniken behandeln gerade 54 Covid-19-Patienten, davon elf Patienten auf der Intensivstation, zehn müssen beatmet werden. Die Covid-Patienten belegen 23,53 Prozent der angebotenen Intensivbetten. Also ebenfalls weniger, als von Lucha gefordert.

Die landesweite Alarmstufe tritt definitiv am Mittwoch (17.11.) in Kraft. Es ist allerdings fraglich, ob die damit einhergehenden Einschränkungen für Ungeimpfte ausreichen, um die Versorgung aller Intensivpatienten in Baden-Württemberg aufrechtzuerhalten, sagte Prof. Dr. Mark Dominik Alscher, Vorstandsvorsitzender des Robert-Bosch-Krankenhauses am Dienstagvormittag (16.11). „In zwei Wochen werden wir an einem Punkt angelangt sein, wo sich die Anzahl der

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