Rems-Murr-Kreis

Landtagswahl: Das Ende der CDU-Vorherrschaft - Kampf um die drei Direktmandate

nicht aktuell, Wahlplakat-Ständer auf dem Welzheimer Kirchplatz, für Wahl-Nachlese lokal, 26. März 2006Bild: Stütz
2006 hatte die CDU ihre Direktmandate im Rems-Murr-Kreis noch sicher. © Stütz

Jahrzehntelang - und zwar seit den 1960er Jahren - waren die Wahlkreise Waiblingen, Schorndorf und Backnang eine sichere Bank für CDU-Kandidaten. Dafür sorgte das Direktmandat, das den Bewerbern mit den meisten Stimmen im Wahlkreis den Einzug in den Landtag sicherte. Seit 2016 müssen Christdemokraten zittern und auf ein Zweitmandat hoffen. Denn erstmals hatten zwei Grüne die Nasen vorn: Petra Häffner im Wahlkreis Schorndorf und Willi Halder in Waiblingen. Lediglich Wilfried Klenk konnte in Backnang das Direktmandat für die CDU verteidigen.

Ein Schock war das Wahlergebnis 2016 auch für die SPD: Sozialministerin Katrin Altpeter verlor ihr Zweitmandat im sicher geglaubten Wahlkreis Waiblingen. Gernot Gruber hingegen konnte dank eines überdurchschnittlichen Ergebnisses in Backnang den Sitz im Landtag sichern.

Vor fünf Jahren war die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Guido Wolf tief in der Wählergunst gefallen; die aktuellen Umfragen deuten nicht darauf hin, dass Susanne Eisenmann das Ruder noch herumreißen kann. Dennoch könnte der Kampf um die drei Direktmandate spannend werden. Denn in Waiblingen tritt nach dem Abschied von Stimmenkönig Willi Halder mit Swantje Sperling (Die Grünen) ein Neuling gegen den CDU-Landtagsabgeordneten Siegfried Lorek an. In Schorndorf wiederum muss CDU-Novize Christian Gehring versuchen, gegen Petra Häffner anzukommen, die seit zehn Jahren ein Mandat hat. Und in Backnang werden die Karten völlig neu gemischt. Sowohl die CDU wie auch die Grünen gehen mit neuen Gesichtern ins Rennen - und treten gegen Gernot Gruber an.

Als die Direktmandate für die CDU noch eine sichere Bank waren

Noch vor zehn Jahren hat die Frage des Direktmandates die Christdemokraten kaltgelassen. In den Landtag gewählt war der CDU-Kandidat - und nur ein einziges Mal eine Kandidatin -, der sich bei den parteiinternen Nominierungen durchgesetzt hatte. Um diese Nominierung mussten die Parteifreunde allerdings oft mit harten Bandagen kämpfen; die Wahl selbst war für sie dann ein g’mähtes Wiesle. Bei Wahlergebnissen für die CDU jenseits der 40 und manchmal 50 Prozent hatten die Gegenkandidaten keine Chance aufs Direktmandat.

In den 50er Jahren hatte es noch anderes ausgeschaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Remstal das berühmte „liberale Stammland“. Die bürgerlichen Parteien CDU und FDP/DVP nahmen sich gegenseitig Stimmen fürs Direktmandat ab, so dass ein SPD-Kandidat lachender Dritter sein konnte. Ein Ärgernis, wie die Anekdote aus dem Jahr 1960 zeigt, als CDU und FDP/DVP bei der Wahl tricksten. Die CDU verzichtete in Schorndorf auf einen Bewerber - und Reinhold Maier hat sein Direktmandat in der Tasche. Im Gegenzug blieb die FDP in Waiblingen der Wahl fern - und Landrat Werner Bertheau sollte für die CDU freei Bahn erhalten. Doch der Staatsgerichtshof durchkreuzte das falsche Spiel und ließ die Wahl wiederholen.

Das Kreuz der Parteien mit den Frauen im Landtag

Für die CDU war diese Episode nur ein Stolperstein zur absoluten Dominanz im 1973 gebildeten Rems-Murr-Kreis. Bis auf Rosely Schweizer (1992-2001) im Wahlkreis Backnang handelte es sich ausschließlich um Männer, die die Christdemokraten nominierten. Aber nicht, weil es keine Frauen gegeben hätte, die Ambitionen zeigten. Zuletzt zog in Backnang die Waiblinger Regionalrätin Christina Stumpp gegen den Murrhardter Gemeinderat und Ortsverbandsvorsitzenden Georg Devrikis den Kürzeren.

In Sachen Frauen haben sich aber auch die anderen Parteien nicht mit Ruhm bekleckert. Im Wahlkreis Waiblingen wurde immerhin Katrin Altpeter (2001-2016) dreimal für die SPD in den Landtag gewählt. Am 14. März wollen es gleich zwei Sozialdemokratinnen wissen: Sybille Mack in Waiblingen und Kathrin Breitenbücher in Schorndorf. Ihre Chancen auf ein Zweitmandat werden als gering eingeschätzt.

Höher sind die Chancen von Julia Goll, im Wahlkreis Waiblingen mit traditionell guten FDP-Ergebnissen ein Zweitmandat zu erringen. Die Waiblinger Gemeinde- und Kreisrätin will in die Fußstapfen ihres Mannes Ulrich Goll treten, der nicht wieder antritt. Auch in Backnang kandidiert eine Frau für die FDP: die Backnanger Gemeinde- und Kreisrätin Charlotte Klinghoffer. Ein Zweitmandat wäre eine Überraschung.

Die CDU war’s, die entgegen einer grün-schwarzen Koalitionsvereinbarung eine Wahlrechtsreform in Baden-Württemberg verhinderte. Sie sollte mehr Frauen in den Landtag hieven, der mit aktuell 23,7 Prozent den zweitgeringsten Frauenanteil eines Landtages aufweist. Dass es nicht noch weniger sind, dafür sorgen die Grünen. Außer Petra Häffner in Schorndorf hat im Wahlkreis Waiblingen Swantje Sperling am 14. März gute Chancen, das Direktmandat zu gewinnen und dafür zu sorgen, dass nicht wieder nur fast Männer den Rems-Murr-Kreis im Landtag vertreten.

Jahrzehntelang - und zwar seit den 1960er Jahren - waren die Wahlkreise Waiblingen, Schorndorf und Backnang eine sichere Bank für CDU-Kandidaten. Dafür sorgte das Direktmandat, das den Bewerbern mit den meisten Stimmen im Wahlkreis den Einzug in den Landtag sicherte. Seit 2016 müssen Christdemokraten zittern und auf ein Zweitmandat hoffen. Denn erstmals hatten zwei Grüne die Nasen vorn: Petra Häffner im Wahlkreis Schorndorf und Willi Halder in Waiblingen. Lediglich Wilfried Klenk konnte in

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