Rems-Murr-Kreis

Lieblingsplatz in Waiblingen: Das Remswehr und die ganze Talaue

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Die Bänke am Wehr laden zu einer Verschnaufpause ein. © Gaby Schneider

Wann immer ich auf dem Weg zu einem Termin am Remswehr und der Hahnschen Mühle vorbeikomme, muss ich wenigstens für ein paar Minuten innehalten, mich auf eine Bank setzen oder, besser noch, am Geländer stehen und nach unten gucken. Nicht umsonst zählte diese Kulisse zwischen Michaelskirche und Altstadt und Talaue zu den beliebtesten Motiven in der großen Zeit der Postkarten im 20. Jahrhundert. Beispiele dafür gab’s in der Ausstellung „Partie an der Rems“ im Haus der Stadtgeschichte während der Remstal-Gartenschau. Die Postkarten als Whatsapp-Nachricht der alten Zeit standen dabei im Mittelpunkt.

Wasservögel staksen über das steile Wehr und verlieren trotz des rutschigen Algen-Untergrunds nicht den Halt. Im aufgewühlten, rauschenden Wasser suchen sie nach Nahrung. Hier und da treiben grüne Teppiche träge über den Fluss. Hier duftet die Rems besonders intensiv, man könnte auch sagen, sie riecht. Das ist der Rems-Geruch, den ich seit meiner Kindheit kenne, als ich mit Freunden den Fluss erforschte. Zwischen Farnen und Fuchsien stehen ein paar Bänke – ja, sie sind meistens besetzt. Im Glaskasten der Hahnschen Mühle – früher Bürgermühle genannt, daher der nahe Bürgermühlenweg – stampft das historische Mühlrad. Die Stadtwerke Waiblingen erzeugen hier elektrischen Strom, vor allem aber dient das kleine Wasserkraftwerk zu Schauzwecken. Und tatsächlich blicken recht oft Passanten ins Innere und studieren die Infos am Aushang. Die Hahnsche Mühle gilt als eine der ältesten Waiblingens und wurde 1268 erstmals urkundlich erwähnt.

Daneben: die Remise. Unter dem Holzdach haben Waiblinger Vereine während der Gartenschau ein Wochenend-Café betrieben, die Künstlergruppe Art U Zehn ließ sich parallel beim Malen über die Schulter schauen. Eine tolle Idee. Das Café Remise hätte zum Remstal-Sommer wieder geöffnet – wäre die Corona-Pandemie nicht dazwischengekommen. Man kann es bedauern, aber es gibt auch gute Gründe dafür, warum Waiblingen 2019 auf allzu viele Gartenschau-Events und einen Bezahlbereich verzichtet hat. Einer davon: Mit dem Landschaftspark Talaue als Pfund hat Waiblingen eine sozusagen immerwährende Remstal-Gartenschau. Ganz ohne Eintritt. Manche Stadt flussaufwärts hatte sicherlich mehr Nachholbedarf dabei, den Fluss „erlebbar“ zu machen.

Ideal auch für Familien

Besonders in den dreißiger Jahren wurde die verschlungene Rems in ein kanalartiges Bett gezwungen. Die Wiesen an den Ufern wurden über Jahrhunderte landwirtschaftlich genutzt. Doch seit den Siebzigern erwarb die Stadt nach und nach alle Grundstücke einschließlich der Erleninseln und gestaltete einen weitläufigen Park mit Auwiesen, Feuchtbiotopen, dem Talauesee und kleinen Waldstückchen. Von fern betrachtet schmiegt sich das Bürgerzentrum in diese Umgebung ein, als wäre es selbst aus ihr erwachsen. Inwiefern das geliebte Naherholungsgebiet überhaupt verändert werden darf, darüber entbrannte in der Vorbereitung der Gartenschau ein Streit mit der Kunstlichtung als Zankapfel, bei dem sich die Gegner nicht durchsetzen konnten. Die Debatte machte Interessenkonflikte deutlich, die es in der Talaue schon lange gab, zwischen denen, die Ruhe suchen, und jenen, die im Grünen etwas unternehmen wollen. Es wird nie leicht sein, beide Wünsche auszutarieren.

Die Kulisse der Altstadt 

Wer sich vom Remswehr abwendet und nach hinten blickt, sieht eine unglaublich dichte Waiblinger Altstadt-Kulisse. Die Stadtmauer mit dem einzigartigen Mauergang, die seit einigen Jahren griechisch-orthodoxe Nikolauskirche, das Rathaus mit seinem spröden Charme der Fünfziger und dazwischen die kühne, denkmalgeschützte Architektur des Marktdreiecks. All das wirkt, als stehe es ganz eng beieinander.

Vom Postplatz-Forum aus ist das Remswehr der Eingang zum stadtnahen Abschnitt der Talaue, in der Familien locker einen ganzen Nachmittag verbringen können. Drüben bei der Brühlwiese befindet sich der wahrscheinlich attraktivste Spielplatz der Stadt mit dem Piratenschiff. Auf der Erleninsel treffen sich kleine Gruppen zum Sport im Freien. Auf den Rems-Terrassen sitzen Pärchen beim mitgebrachten Picknick und schauen zu, wie ihr Hund baden geht. Was könnte ein logischer Schlusspunkt sein nach einer kleinen Shopping-Tour in der Innenstadt, einem mehrstündigen Zwischenstopp auf dem besagten Spielplatz, einem Spaziergang durch besagten Mauergang oder einer Stippvisite bei den Schottischen Hochlandrindern, die beim Hallenbad grasen? Klar, einer der beiden Biergärten - entweder auf der Schwaneninsel oder bei der Spielgolf-Anlage zwischen Hallenbad und Alvarium.

Wann immer ich auf dem Weg zu einem Termin am Remswehr und der Hahnschen Mühle vorbeikomme, muss ich wenigstens für ein paar Minuten innehalten, mich auf eine Bank setzen oder, besser noch, am Geländer stehen und nach unten gucken. Nicht umsonst zählte diese Kulisse zwischen Michaelskirche und Altstadt und Talaue zu den beliebtesten Motiven in der großen Zeit der Postkarten im 20. Jahrhundert. Beispiele dafür gab’s in der Ausstellung „Partie an der Rems“ im Haus der Stadtgeschichte während

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