Rems-Murr-Kreis

Luft-Reiniger gegen Corona: Paal wirbt dafür, Stihl testet welche, Kroll und Kärcher stellen ihre Geräte vor

1/3
20200923MST_0079
Kärcher-Bereichsleiter Ulrich Engenhardt mit einem Af100. Ein Luftreinigungsgerät, dass ab Januar auch mit HP14-Filter "breit zur Verfügung" stehen soll. © Martin Stollberg/Kärcher
2/3
Kroll_Lochmann_Luftreiniger-1
Die Kroll Energy GmbH aus Kirchberg an der Murr (rechts: Geschäftsführer Alexander Ramm) und die Lochmann Berufskleidung GmbH aus Backnang (rechts Geschäftsführer Michél Lochmann) kooperieren in Sachen Luftreiniger. Ihr Gerät hat einen stufenlosen Regler und kann extra mit einem Schalldämpfer ausgestattet werden. © Sellmaier/Firma Kroll
3/3
Paal
Claus Paal, Landtagsabgeordneter und Präsident der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr, rührt seit Monaten die Werbetrommel für Luftreiniger. Mit unterschiedlichem Erfolg. © Benjamin Büttner

Luft-Reinigungsgeräte gegen potenziell virenbelastete Aerosole in der Raumluft: Claus Paal wirbt seit Monaten für ihren Einsatz und hat selber welche aufstellen lassen. Kritiker mahnen jedoch, die Geräte seien zu laut und zu teuer? Wie sieht das Stihl als Anwendungstester? Was sagen die lokalen Hersteller Kärcher und Kroll über ihre Geräte?

„Ich halte das Handy direkt davor. Hören Sie irgendwas?“, fragt Claus Paal am anderen Ende der Mobilfunkverbindung. „Nein?“ . . . „Dann stelle ich es jetzt mal auf volle Leistung.“ Ein Summen ist zu vernehmen. „Und selbst das ist nicht lauter als eine Unterhaltung“, sagt Paal.

„Aber ich kann nur jedem raten, der ein Luftreinigungsgerät einsetzt, einfach auf halbe Leistung zu stellen. Dann hört man praktisch nichts.“ Solange der Volumenstrom, die Durchflussmenge der zu reinigenden Luft, so ausgelegt ist, dass stündlich das sechsfache Volumen des Raumes bewältigt wird, sei das gemäß wissenschaftlicher Studien ausreichend zur Aerosol-Reinigung, so Paal. Es gebe Geräte, die schafften auch bei halber Leistung diese Durchflussmenge. „Wenn’s kleinere Geräte sind, könnte man ja zum Beispiel zwei aufstellen, um bei je 50 Prozent das sechsfache Volumen stündlich zu filtern“, sagt Paal.

Der Landtagsabgeordnete und Präsident der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr rührt seit Monaten die Werbetrommel für Luftreiniger. Mit unterschiedlichem Erfolg.

Schulträger sind skeptisch, doch Lüften bei Minusgraden schwierig

Die Schulträger, auch jene im Rems-Murr-Kreis, sind größtenteils zurückhaltend, trotz der Fördermöglichkeiten durch das Land (40 Millionen Euro) und den Bund (500 Millionen Euro) für „raumlufthygienische Maßnahmen“.

„Ich hatte anfangs gar nicht die Schulen im Blick, sondern die Wirtschaft. Aber auch für die 50.000 Klassenzimmer Baden-Württembergs könnten Luftfiltergeräte doch erwägenswert sein.“ Natürlich sei auch ihm klar, dass solche Technologien immer nur eine Ergänzung sein können.

„Im speziellen Fall von Schulklassenzimmern betont das Umweltbundesamt zurecht, dass Luftreinigungsgeräte kein Ersatz, sondern allenfalls eine Ergänzung zum aktiven Lüften und zu organisatorischen Maßnahmen wie einer Verringerung der Personenanzahl oder größeren Abständen sind“, so Paal. Wenn es allerdings nun Minusgrade draußen hat, werde das mit dem Lüften immer schwieriger.

Anwendungsbeispiele Stihl und Schetter: Eine süffisante Geschichte

„Denkbar ist der Einsatz in Büros, Produktionsbereichen, Kantinen, Läden, Arztpraxen, der Gastronomie, Veranstaltungsräumen, Wartebereichen, Fitnessstudios, Arztpraxen, in Wohnräumen, in allen geschlossenen Räumen, wo Menschen zusammenkommen.“ Zum Beispiel wisse er vom Waiblinger Weltunternehmen Stihl, sagt Paal, dass es Luftreinigungsgeräte „erfolgreich im Einsatz“ habe. Stimmt das?

Der Motorsägenhersteller hat sich vor Monaten schon von der Kernener Wilhelm Schetter Gmbh mit neuer Raumlufttechnik ausstatten lassen. Auch Luftreinigungsgeräte mit Hepa-14-Filter kommen seither testweise zum Einsatz, etwa in Konferenzräumen. Man bekommt für die folgende Anekdote zwar keine offizielle Bestätigung, aber Stihl soll dem Vernehmen nach jedoch gerade bezüglich einiger Geräte an Schetter zurückgemeldet haben: „Was habt Ihr uns denn da für einen Sch... geliefert. Die sind ja viel zu laut.“

Bestätigt hat das Unternehmen diese Darstellung nicht. Stihl-Sprecherin Hien Nguyen stellt lediglich klar: „Derzeit testen wir den Einsatz von Luftreinigungsgeräten mit HP14-Filtern in ausgewählten Räumen, die keine technische Lüftungstechnik besitzen. Diese Geräte sind ein zusätzliches Mittel, das unterstützend zur Fensterlüftung das Risiko einer Ansteckung über Aerosole verringern kann. Aus unserer Sicht können Luftreinigungsgeräte mit HP14-Filter das notwendige Lüften jedoch nicht ersetzen.“

Gleichwohl soll Schetter unter anderem eine negative Rückmeldung von Stihl zum Anlass genommen haben, das Institut für Luft- und Kältetechnik in Dresden (ILK) mit einer Untersuchung von rund einem Dutzend mobiler Luftfilteranlagen zu beauftragen. Das Ergebnis stellte der ILK-Professor Dr. Ing. Uwe Franzke am 21. Oktober im Bürgerhaus Kernen vor. Sein Fazit: Laute Geräte wälzen oft nicht mehr Luft um als die leisen; schrankgroße Luftreiniger sind nicht besser als kleine. Luftreiniger im Büro und Besprechungsräumen würden oft ab- oder gar nicht erst angeschaltet, weil ihr Geräusch schlicht störe. Und komme noch Zugluft dazu, dann sei die Akzeptanz vollends dahin.

Kroll hat Schalldämpfer entwickelt: Gerät nicht lauter als ein Gespräch?

Dem Hersteller Kroll in Kirchberg an der Murr, der erst Anfang Oktober 2020 einen neuen mobilen Luftreiniger mit HP14-Filter auf dem Markt gebracht hat und von der Lochmann Berufskleidung GmbH in Backnang vertreiben lässt, ist das Thema Lärmbelastung durchaus bewusst. Laut Kroll-Geschäftsführer Alexander Ramm wurden für die Geräte extra zusätzlich Schalldämpfer entwickelt. „Wir denken, dass die Geräte deshalb auch geeignet wären für den Einsatz in Schulen.“ Die Kunden kämen bislang aber vor allem aus den Kommunen, der Gastronomie, der Sport- und Fitnessbranche und dem Mittel- und Großhandel.

Das HP14-Gerät von Kroll verfüge über einen stufenlosen Regler. Bei Maximaleinstellung (100%) des Volumenstroms auf 1900 Kubikmeter pro Stunde belaufe sich der Schalldruckpegel in Dezibel auf 64 ohne und 59 mit Schalldämpfer. Bei 50% (850 m³/h) auf 51 dB und 46 dB, und bei 25% (400 m³/h) auf 46 dB und 41 dB.

Zum Vergleich: Blätterrascheln verursacht einen ungefähren Lärmpegel von 35 dB, ein Wohnviertel ohne Straßenverkehr 45 dB, eine Unterhaltung als Einzelgespräch 60 dB und ein Großraumbüro 70 dB.

Der Listenpreis der Kroll-Geräte beträgt 4870 Euro. Die elektrische Anschlussleistung liege maximal bei 0,48 kW und könne stufenlos auf circa 0,07 kW runtergeregelt werden. Die Laufzeit der Geräte liege bei normalen Gebrauch bei zwölf bis 15 Jahren. Die Standzeit des Filters sei individuell, je nach Partikelbelastung in der Luft: „In Büroräumen geben wir circa 400 Betriebsstunden bei voller Leistung an“, so Ramm.

Kärcher: „Geringe Betriebslautstärke ist ein wesentlicher Vorteil“

Kärcher beliefert seit November 2020 HP13- und HP14-Filter-Luftreinigungsgeräte des Typs AF 100 an ausgewählte Kunden, sagt Unternehmenssprecher David Wickel-Bajak. Ein HP-13-Filter sei übrigens für viele Anwendungsfälle ausreichend. Ab Mitte Januar stehe aber auch das HP14-Filter-Gerät „breit zur Verfügung.“

Die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) für das Grundgerät inklusive Universalfilter betrage rund 730 Euro. Die UVP für den HP13-Filtersatz beläuft sich auf 250 Euro, für den HP14-Filtersatz liege sie bei rund 500 Euro, so Wickel-Bajak. „Bei normaler Nutzung und Luftbelastung können die Filter für zwölf Monate eingesetzt werden.“ Vor allem die geringe Betriebslautstärke erweise sich als wesentlicher Vorteil, das Gerät eigne sich deshalb auch für Schulen, sagt Wickel-Bajak. Der minimale Schalldruckpegel betrage 30 dB, der maximale 48 dB. Der Stromverbrauch: im Schlafmodus 5 W, auf Stufe eins 10 W, auf Stufe zwei 25 W, auf Stufe drei 80 W. Der maximale Luftdurchsatz liege bei bis zu 780 m³/h (abhängig vom eingesetzten Filter).

Luft-Reinigungsgeräte gegen potenziell virenbelastete Aerosole in der Raumluft: Claus Paal wirbt seit Monaten für ihren Einsatz und hat selber welche aufstellen lassen. Kritiker mahnen jedoch, die Geräte seien zu laut und zu teuer? Wie sieht das Stihl als Anwendungstester? Was sagen die lokalen Hersteller Kärcher und Kroll über ihre Geräte?

„Ich halte das Handy direkt davor. Hören Sie irgendwas?“, fragt Claus Paal am anderen Ende der Mobilfunkverbindung. „Nein?“ . . . „Dann stelle ich

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper