Rems-Murr-Kreis

Müssen die Schulen im Rems-Murr-Kreis wieder schließen?

Schulklasse
Symbolfoto. © ZVW/Gaby Schneider

Was ist jetzt mit den Schulen? Machen sie wieder die Pforten dicht? Zum neuen Schuljahr sollten sie Geschichte sein, die Schulschließungen. Doch in mancher Schule bereiten offenbar Lehrerinnen und Lehrer ihre Klassen ganz vorsichtig wieder auf eine solche vor. Nach dem Motto: Eigentlich will man’s nicht und es sei auch nicht geplant, aber uneigentlich könnte es schon passieren.

Die Anzahl der Corona-Infektionen schnellt in die Höhe. Die Inzidenz ist exorbitant weit über dem, was im letzten Schuljahr das Aus für den Unterricht vor Ort bedeutet hatte. Über Wochen waren die Kinder und Jugendlichen zu Hause an die Computer und in die Lern-Isolation getrieben worden. Mit teilweise gravierenden Folgen für die Psyche und den Lernerfolg. Die überarbeitete Corona-Verordnung Schule schloss das ab Beginn des neuen Schuljahrs aus. Mit Stand 3. September veröffentlichte das Kultusministerium in seinen FAQ zum Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen: „Inzidenzen spielen in der neuen Corona-Verordnung Schule keine Rolle mehr. Daher gilt auch die Regel nicht mehr, nach der beim Überschreiten eines bestimmten Inzidenzwertes in den Wechsel- oder Fernunterricht überzugehen ist.“ Damit ist auch wieder die Präsenzpflicht eingeführt: „Im Schuljahr 2021/2022 besteht an den Schulen grundsätzlich wieder Präsenzpflicht.“ Schülerinnen und Schüler können nur in ärztlich begründeten Ausnahmen davon befreit werden. Etwa wenn für sie selbst oder jemandem aus dem eigenen Haushalt das Risiko eines besonders schweren Verlaufs bei einer Corona-Infektion besteht.

Die Möglichkeit eines nächsten Fernunterrichts - wie ein Menetekel in die Klassenzimmer geflüstert

Warum dann dieses Munkeln in manchen Schulen? Warum wird die Möglichkeit eines nächsten Fernunterrichts wie ein Menetekel in die Klassenzimmer geflüstert? Und ist die böse Vorahnung so an den Haaren herbeigezogen?

Am Dienstag erklärte das Kultusministerium noch, man verfolge bei den Schulen „zwei Kernanliegen“: die Sicherung der Gesundheit und den Präsenzunterricht. Über den Aspekt Gesundheit müsse man nicht reden. Der Präsenzunterricht sei für „einen chancengerechten und erfolgreichen Bildungsweg der Kinder und Jugendlichen essenziell“. Deshalb hätten alle Kultusminister mehrfach betont, „wie wichtig es für die Kinder und Jugendlichen ist, dass die Schulen offen bleiben“.

Keine Schule im Rems-Murr-Kreis ist bis jetzt wegen Corona geschlossen

Auch die Backnanger Schulamtsleiterin Sabine Hagenmüller-Gehring erklärte am Dienstag: „Eine Schule wird nur dann geschlossen, wenn sie von einem relevanten Ausbruchsgeschehen betroffen ist.“ Das heißt: Wenn in vielen verschiedenen Klassen viele Corona-Infektionen auftreten, wenn in der Folge mehrere Klassen geschlossen werden müssen und das ganze Infektionsgeschehen nicht mehr nachvollziehbar ist, dann bleiben die Schultüren zu. Das sei im Rems-Murr-Kreis bislang an keiner Schule der Fall.

Klassen, erklärt Sabine Hagenmüller-Gehring, werden geschlossen, wenn mindestens fünf Infektionsfälle auftreten. Bei Klassen, die weniger als 25 Schülerinnen und Schüler umfassen, müssen mindestens 20 Prozent der Schüler erkrankt sein. Am Donnerstag bestätigte Sabine Hagenmüller-Gehring diesen Stand der Dinge nochmals: „Uns ist überhaupt nicht bekannt, dass Schulschließungen geplant wären.“

Ministerpräsident Kretschmann allerdings wollte am Mittwochabend weder einen allgemeinen Lockdown noch erneute Schulschließungen ausschließen. Und bei der Lektüre der Antwort aus dem Kultusministerium fällt ein Konjunktiv auf: Schulschließungen „sollten“ keine Option mehr sein. Es sei „das oberste Ziel“, so viel Präsenzunterricht anzubieten wie möglich – „und dabei den Gesundheitsschutz an den Schulen an das Infektionsgeschehen anzupassen“.

Das Kultusministerium hält sich sicherheitshalber ein Hintertürchen auf

Diese Aussage hält das Hintertürchen schon auf. Da bringt es auch nicht mehr Sicherheit, dass die sich noch formierende Ampel-Koalition im neuen Corona-Fahrplan, der mit Auslaufen der epidemischen Lage gesetzlich greifen soll, die Kinder an erste Stelle setzen will. Katrin Göring-Eckardt, die Fraktionschefin der Grünen, erklärte: „Wir wollen, dass die Schulen offen bleiben, auch das ist Teil dieses Gesetzes.“ Doch der Kanzler in spe Olaf Scholz hat den unionsgeführten Bundesländern schon zugesagt, die beschlossenen Maßnahmen im Dezember einer Prüfung zu unterziehen. Eine Katastrophe für die Schulen, weil sie dann womöglich doch wieder schließen müssen? Oder kommt die Schließung gar viel zu spät?

Bislang sehen die Zahlen für Baden-Württemberg so aus:

  • Stand Donnerstag, 18. November, 12 Uhr, sind insgesamt 1717 Schulen von Corona-Infektionen betroffenen.
  • An 78 dieser Schulen sind insgesamt 88 Klassen vorübergehend aus dem Präsenzbetrieb herausgenommen.
  • In den übrigen betroffenen Schulen sind lediglich einzelne Schülerinnen und Schüler beziehungsweise Lehrkräfte infiziert oder in Quarantäne.
  • Keine einzige Schule ist vollständig geschlossen.
  • In Baden-Württemberg gibt es insgesamt ungefähr 67 500 Klassen und etwa 4500 Schulen.

Das sieht noch nicht so schlimm aus. Doch mit steigenden Inzidenzen steigt auch die Gefahr, dass sich die anstecken, die nicht geimpft sind. Und für Kinder unter zwölf ist die Impfung nach wie vor nicht zugelassen.

Was ist jetzt mit den Schulen? Machen sie wieder die Pforten dicht? Zum neuen Schuljahr sollten sie Geschichte sein, die Schulschließungen. Doch in mancher Schule bereiten offenbar Lehrerinnen und Lehrer ihre Klassen ganz vorsichtig wieder auf eine solche vor. Nach dem Motto: Eigentlich will man’s nicht und es sei auch nicht geplant, aber uneigentlich könnte es schon passieren.

Die Anzahl der Corona-Infektionen schnellt in die Höhe. Die Inzidenz ist exorbitant weit über dem, was im

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