Rems-Murr-Kreis

Marode Schienen, Personalnot: Wird Fahrplan der Rems- und Murrbahn ausgedünnt?

S-Bahn Feature für Online
Kaum eine Woche, in der es keine Unannehmlichkeiten im Bahnverkehr im Rems-Murr-Kreis gibt. © Gabriel Habermann

„Schlechte Gleislage“ lautete die Begründung für die zeitweise Streckensperrung der S 3 bis Backnang am Montagabend (15. 8.) per Lautsprecherdurchsage am Bahnsteig Neustadt-Hohenacker. „Wegen der Hitze hatten sich die Schienen verzogen. Die S-Bahnen konnten bis zur Instandhaltung rund eine Stunde lang bis gegen 18.30 Uhr nicht bis Backnang durchfahren“, sagte ein Bahnsprecher in Stuttgart am Dienstag (16.8.) dieser Zeitung. Dass die Bahn jedoch ein grundsätzliches Problem mit marodem Schienennetz und maroder Gleistechnik hat, belegt die aktuelle Sperrung einer weiteren Strecke, der für die S 4 zwischen Kirchberg an der Murr und Backnang seit Montagmorgen (15.8.) aufgrund „einer Störung an der Fahrbahn“ (laut VVS).  Es war ein Schienenersatz-Busverkehr eingerichtet. Reparatur-Prognose hier: „Voraussichtlich mit Betriebsbeginn am Mittwochmorgen (17. 8.) kann die S 4 wieder normal fahren“, sagte der Bahnsprecher.

Wegen einer Stellwerkstörung sollte es auch noch den Dienstag (16.8.) über zu Teilausfällen und Verspätungen bei der Wieslauftalbahn zwischen Schorndorf und Oberndorf kommen. Und, und, und. Folgt nun auch noch die angekündigte Fahrplanausdünnung auf den Rems- und Murrbahntrassen aufgrund von Personalnot?

Weitere Bahngleis-Teilsperrung zwischen Schorndorf und Grunbach ab Oktober

Dass die Gleisinfrastruktur in Deutschland veraltet und wartungs- und reparaturanfällig ist, sei kein Geheimnis, so ein Bahnsprecher in Stuttgart. Das habe Bundesverkehrsminister Volker Wissing ja jüngst öffentlich zugegeben und einen hohen Investitionsaufwand bekundet. „Und wir machen ja immer wieder Schienen-Erneuerungsmaßnahmen, so zum Beispiel auf der Remsbahn zwischen Grunbach und Schorndorf“ – wodurch dieser Streckenabschnitt jüngst mehrere Wochen lang nur eingleisig befahren werden konnte.

„Die Infrastrukturstörung zwischen Grunbach und Schorndorf ist vorübergehend beseitigt, so dass hier wieder der Regelfahrplan erbracht wird“, sagt Edgar Neumann, Leiter der Pressestelle des Landesverkehrsministeriums. Doch leider fügt er an: „Im Oktober wird es dort zu einer erneuten Teilsperrung kommen, Abstimmungen dazu finden derzeit statt.“

Der Bahnsprecher in Stuttgart bestätigt: „Für den Herbst sind weitere Instandhaltungsmaßnahmen und eine abschnittsweise Erneuerung der Gleise auf der Remsbahn geplant.“

Fahrplanausdünnung auf der Remsbahn aktuell nicht vorgesehen

Zumindest seien auf der Remsbahn krankheitsbedingte Fahrplanausdünnungen aktuell nicht vorgesehen, „eine kurzfristige Änderung der Situation“ sei nicht auszuschließen. In einer Pressemitteilung vom 3. August hatte das Landes-Verkehrministerium angekündigt (wir berichteten), dass mit den Verkehrsunternehmen Maßnahmen erarbeitet würden, um die Engpässe und Störungen im Bahnverkehr in Baden-Württemberg in den Griff zu bekommen. Zwecks dessen werde „auf Linien mit hohem Krankenstand der Fahrplan gezielt für zunächst maximal einen Zwei-Wochen-Zeitraum ausgedünnt“. So stabilisiere man den Fahrplan und wirke den unkontrollierten Ausfällen entgegen. Aufgelistet in der Pressemitteilung waren auch die Rems- und die Murrbahn.

Ministeriumssprecher Edgar Neumann dazu: „Die Ersatzfahrpläne werden zwischen den Verkehrsunternehmen und der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) anhand eines festgelegten Verfahrens abgestimmt und im besten Fall eine Woche vor Beginn der Ausfälle entsprechend an die Kunden kommuniziert.“

Kurzum: Eine Ausdünnung des Fahrplans auf der Remsbahntrasse ist demnach aktuell zwar nicht vorgesehen, aber noch nicht ganz vom Tisch und könnte mit einer Vorab-Mitteilungsfrist von einer Woche noch kommen im August oder September.

Und die Lage auf der Murrbahn?

Auch auf der Murrbahn seien „krankheitsbedingte Fahrplanausdünnungen“ aktuell nicht vorgesehen, sagt Edgar Neumann. Die Murrbahn sei aber insbesondere aufgrund infrastruktureller Begebenheiten weiter von Störungen und Ausfällen betroffen (wir berichteten).

Warum die Personalnot bei den Bahnbetreibern?

„In erster Linie fehlen Triebfahrzeugführer“, erläutert Edgar Neumann. Der grundsätzliche Fachkräftemangel mache natürlich vor dem Schienenverkehr nicht halt. „Gerade an kleineren, eher ländlicheren Einsatzstellen ist die geringere Dichte an Fachpersonal immer stärker zu spüren. Das ist kein Effekt, der erst seit Corona zu beobachten ist, sondern ein Thema, das die Branche schon seit Jahren beschäftigt“, so der Bahnsprecher.

Das 9-Euro-Ticket führte mitunter zu einer höheren kurzfristigen Belastung des Zugpersonals, da bei volleren Zügen auch der Anteil an „schwierigen“ Fahrgästen tendenziell zunimmt, sagt Neumann. „Dieser Effekt zusammen mit der Belastung aus der Corona-Situation (beispielsweise die Durchsetzung der Maskenpflicht) hat zu einem spürbaren höheren Krankenstand zumindest im Bereich der Kundenbetreuung geführt.“

Zusätzlich hätten die Verkehrsunternehmen in den letzten Wochen einen höheren Krankenstand als sonst im Sommer zu verzeichnen. Das betreffe aber diverse Bereiche des öffentlichen Lebens. „Inwieweit bis zum Herbst der Personalbestand spürbar erhöht werden kann, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös abschätzen“, sagt Neumann.

„Schlechte Gleislage“ lautete die Begründung für die zeitweise Streckensperrung der S 3 bis Backnang am Montagabend (15. 8.) per Lautsprecherdurchsage am Bahnsteig Neustadt-Hohenacker. „Wegen der Hitze hatten sich die Schienen verzogen. Die S-Bahnen konnten bis zur Instandhaltung rund eine Stunde lang bis gegen 18.30 Uhr nicht bis Backnang durchfahren“, sagte ein Bahnsprecher in Stuttgart am Dienstag (16.8.) dieser Zeitung. Dass die Bahn jedoch ein grundsätzliches Problem mit marodem

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper