Rems-Murr-Kreis

Material-Not: Bauen wird teurer - Michael Kögel (Krämer Bau Winnenden) berichtet

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Baumaterialien und Baustoffe sind zurzeit Mangelware, die Preise explodieren. Archivfoto: Büttner © Benjamin Büttner

„Wir bekommen pro Woche zehn bis 20 Schreiben von Baustoffhändlern oder Lieferanten über Preiserhöhungen", sagt Michael Kögel, Geschäftsführer des Winnender Unternehmens Krämer Bau und Vize-Obermeister der Bau-Innung Stuttgart/Ludwigsburg/Rems-Murr. Noch stockt zwar kein begonnenes Bauprojekt in Baden-Württemberg oder musste gar gestoppt werden wegen der momentanen Lieferengpässe und Preissteigerungen aufgrund des Ukrainekriegs. Aber die Lage in der Bauwirtschaft wird immer kritischer.

Für alle bleibenden Preissteigerungen hat Michael Kögel kein Verständnis. „Eine gewisse Steigerung hat man natürlich immer und jedes Jahr. Momentan habe ich aber das Gefühl, da werden Dinge hochgespielt und da ist auch ein bisschen Panikmache dahinter. Da ist unsere produzierende Industrie immer mit vorne dabei. Klar, die spüren ja auch als Erste die Auswirkungen und behaupten dann, die und die Preise müssten aufgrund gestiegener Kosten erhöht werden.“

Höhere Palettenpreise: Nägel fehlen

Doch selbst wenn der Diesel-Preis wieder runtergeht, wie jüngst passiert ist, nähme das produzierende Gewerbe ihre höher angesetzten Logistikkosten nicht mehr zurück, sagt Kögel. Das sei eigentlich überall so, ob bei den Lebensmitteln oder anderswo, alle schreien „Transportkosten! Transportkosten!“, die Preise müssen hochgesetzt werden, da frage er sich schon manchmal „Wo kommt das alles her.“

Freitagmorgen (22.4.) wurde Krämer Bau zum Beispiel informiert, dass die Palettenpreise erhöht werden, weil die Nägel fehlen, um die Paletten zusammenzubauen. „Das sind eigentlich einfache Nägel, Abfallprodukte der Stahlindustrie, aber halt EU-genormt, es sind nur die erlaubt und die sind eben jetzt knapp. Da langt man sich schon an den Kopf und fragt, gingen nicht auch andere Nägel!?“ Aber ja, es stimme schon, es gebe im Moment tatsächlich Rohstoff- und Baumaterialien-Engpässe. Sand, Steine, Metall etwa.

Lieferprobleme bei Baustoffen

Rund 30 Prozent des Baustahls kamen bis unlängst aus Russland, der Ukraine und Weißrussland, teilt der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) mit. Hinzu kam „der hohe Anteil von Roheisen (40 Prozent aus diesen Ländern) und diverser weiterer Rohstoffe, die für die Stahllegierung notwendig sind (Nickel 25 Prozent und Titan 75 Prozent)“.

Besonders beim Stahl sei es teilweise dramatisch, bestätigt Michael Kögel. „Die Stahl-Lieferanten sagen uns, wir bestellen 1000 Tonnen und bekommen aber nur 200 geliefert. Es ist schon bei den Vorlieferanten knapp, und die liefern praktisch nur noch an ihre ‘Dauerkundschaft’. Also wenn jetzt ein kleinerer Kunde sagen würde, ich bräuchte Stahlbeton oder Baustahl für die Garage, der hat Schwierigkeiten gerade, überhaupt was zu kriegen.“

Globalisierte Lieferwege sind fragil

Die ganze Globalisierung habe zwar Vorteile, aber im Moment merke man, wie fragil die ganzen globalisierten Lieferwege seien, sagt Michael Kögel. „Wobei wir das auch schon mit Corona gemerkt haben.“ Eigentlich hatte die Baubranche ja die vergangenen Jahre geboomt, was vor allem an den niedrigen Kreditzinsen lag. „Wir hatten in unserem Jubiläumsjahr 2018 noch 50 Mitarbeiter, heute sind es 75. „Die Pandemie haben wir einigermaßen hinter uns gebracht. Aber Corona läuft ja weiter. Es fehlen uns ständig Leute, die kurz zwei, drei Tage krank sind, aber sieben oder zehn Tage in Quarantäne müssen. Im Grunde sind stets um die 10 Beschäftigte in Quarantäne. Und jetzt kam noch der Ukraine-Krieg“, sagt Kögel.

Krämer-Bau ist bei vielen Projekten im Rems-Murr-Kreis engagiert. Michael Kögel nennt einige Beispiele: „In Winnenden werden wir für Projektbau Pfleiderer im Gerberviertel bauen, der hat ja in der Schwaikheimer Straße auch 35 Wohnungen projektiert. Dann bauen wir gerade auch eigene Objekte. So zum Beispiel 30 Wohnungen in Auenwald. In Schorndorf bauen wir für die Stadtbau viel, das heißt: Kitas und Wohnungen darüber. In Rettersburg bauen wir für die Kreisbau auch eine Kita mit 20 Mietwohnungen drüber. Dann sind wir in den Flüchtlingsunterbringungen engagiert, wo wir Fundamente und Erschließungen für die Hygieneanlagen machen. In Winnenden in der Albertviller Straße bauen wir gerade auch diese Anschlussunterbringung – wieder zwei Häuser noch –, da sind wir kurz vor der Fertigstellung. In Höfen in der Ortsdurchfahrt machen wir auch gerade 18 Sozialwohnungen.“

Noch stockt nichts. „Aber wir machen dieses Jahr viel schlüsselfertig. Und da kam jüngst die Ankündigung von unseren Bodenlegern, dass sie keine Drahtgitter mehr bekommen. Auch die Fliesenleger melden, dass die Fliesen knapp sind, weil die Sande und andere Rohstoffe für Fliesen teilweise auch aus der Ukraine gekommen sind. Fliesenproduzenten stellen die Herstellung ein oder haben zugemacht.“

Zum Jahresende könnte es eng werden

Es laufe alles noch, könnte aber zum Jahresende eng werden, wenn es so weitergeht, sagt Kögel. „Wichtig ist, dass man frühzeitig bestellt. Heute Mittag bestellen und morgen bekommen kannst du vergessen. Man muss also gerade sehr langfristig vorausplanen. Was Fertigteile angeht, da haben wir momentan sechs bis acht Wochen Lieferzeiten, wo man früher innerhalb von zwei Wochen geliefert bekommen hat.“

Die finanziellen Belastungen drücken. „Wir von Krämer-Bau können immer noch bauen und machen manche Sachen auch auf eigene Rechnung, was natürlich die Schwierigkeit mit sich bringt, dass wir die gestiegenen Preise so überhaupt nicht weiter an die Kunden geben können“, sagt Kögel. Für den Privatkunden seien die Preise bei Baumaßnahmen ja vertraglich festgelegt.

„Zum Beispiel ein Bauprojekt, über das im September des Vorjahres Verträge geschlossen wurden, dann haben sie fünf, sechs, acht Monate Planungszeit oder auch Genehmigungszeit, was ja auch ein großes Thema ist. Dann verschieben sich die ganzen Termine und unterwegs explodieren die Preise und sie können nicht gegensteuern. Da wird sicherlich noch ein größeres Problem deshalb auf die Bauwirtschaft zukommen“, sagt Kögel.

Als Bauherr sinvoll: Schon im Vorfeld verhandeln

Für öffentliche Bauaufträge könnten Preisgleitklauseln vereinbart werden, um steigende Preise an den Bauherren weitergeben zu können. „Sie sind angetan, das zu tun, macht aber noch nicht jeder natürlich. Und dann ist es auch schwierig, immer belegen zu können, wann genau wurde wie kalkuliert, und wann ist welcher Preis um wie viel gestiegen. Da prognostiziere ich noch viele Auseinandersetzungen.“

Nur beim Stahl sei es momentan ganz einfach: „Den haben Sie Anfang des Jahres noch für 1000 Euro die Tonne bekommen und jetzt sind sie bei 1500 oder 1600 Euro.“ Und der Stahlpreis ändere sich täglich. „Wenn Sie da eine Anfrage starten, dann kommt zurück, wann willst du mir denn Ja sagen, morgen oder übermorgen? Lieber übermorgen? Na, übermorgen gilt dieser Preis natürlich nicht mehr!“, erläutert Kögel

Als Bauunternehmer sei es derzeit sinnvoll, schon im Vorfeld mit dem Bauherren zu verhandeln, nach dem Motto „Ich mache als Grundkalkulation diesen einen Stahlpreis, aber wenn es zur Bauausführung kommt, musst du dann eben den dann aktuellen Preis bezahlen". Das gehen die Auftraggeber eigentlich auch mit.“

„Wir bekommen pro Woche zehn bis 20 Schreiben von Baustoffhändlern oder Lieferanten über Preiserhöhungen", sagt Michael Kögel, Geschäftsführer des Winnender Unternehmens Krämer Bau und Vize-Obermeister der Bau-Innung Stuttgart/Ludwigsburg/Rems-Murr. Noch stockt zwar kein begonnenes Bauprojekt in Baden-Württemberg oder musste gar gestoppt werden wegen der momentanen Lieferengpässe und Preissteigerungen aufgrund des Ukrainekriegs. Aber die Lage in der Bauwirtschaft wird immer

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