Rems-Murr-Kreis

Mehr Elektroautos: So verändert Corona die Mobilität im Rems-Murr-Kreis

Autohaus
Die Nachfrage nach Autos ist während der Pandemie im Autohaus Zeisler konstant, sagt Jürgen Kohler (links). © Alexandra Palmizi

Mehr Home-Office, weniger Freizeitmöglichkeiten: Corona verändert die Mobilität. Die meisten Menschen sind seit Beginn der Pandemie mehr zu Hause als zuvor. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Umfrage des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC). Im Oktober 2021 hatte der Verkehrsclub zum dritten Mal während der Corona-Krise eine Umfrage zur individuellen Mobilität gemacht und dafür 2000 Personen online interviewt. 30 Prozent der Befragten gaben an, sie würden während der Pandemie weniger Kilometer pro Woche zurücklegen als zuvor, bei 57 Prozent blieb diese Zahl unverändert.

Verändert hat sich nicht nur die Zahl der zurückgelegten Kilometer, sondern auch die Wahl des Verkehrsmittels, mit dem diese zurückgelegt werden. Je 33 Prozent der Befragten fahren laut ADAC-Umfrage weniger oder nicht mehr mit Bus und Straßenbahn oder der Bahn. 29 Prozent gaben dies für S-Bahn und U-Bahn an. 21 Prozent der Befragten hatten bei der Befragung im Oktober vergangenen Jahres noch ein Abo für den öffentlichen Nahverkehr. Das sind weniger als zuvor: Fünf Prozent der Befragten haben ihr Monats- oder Jahresticket in der Pandemie schon gekündigt, weitere drei Prozent planten dies zum Zeitpunkt der Umfrage. Drei Prozent der Befragten wollten demnach aber auch ihr Abo reaktivieren.

Weniger öffentliche, mehr individuelle Verkehrsmittel

Während die öffentlichen Verkehrsmittel weniger genutzt werden, steigt in der Pandemie die Bedeutung individueller Fortbewegungsmittel. 22 Prozent der vom ADAC Befragten nutzen das Fahrrad häufiger als vor Beginn der Corona-Pandemie. Dieser Wert ist von März 2020 (acht Prozent) über November 2020 (13 Prozent) kontinuierlich gestiegen. 54 Prozent aller Interviewten gaben an, sie würden ihr Auto gegenüber der Zeit vor Corona unverändert oft nutzen, 20 Prozent häufiger.

Die Ergebnisse verwundern nicht. In öffentlichen Verkehrsmitteln treffen viele Menschen auf engem Raum aufeinander, was viele Menschen lieber vermeiden, um das Risiko zu senken, sich mit dem Coronavirus anzustecken.

Haben sich mehr Leute ein Auto zugelegt?

Zumindest der Gesamtbestand aller im Rems-Murr-Kreis zugelassenen Fahrzeuge lässt das zunächst vermuten. Von 362.184 im Vor-Corona-Jahr 2019 stieg diese Zahl laut der Zulassungsbehörde des Landratsamts 2020 auf 367.662 und 2021 sogar auf 371.557. Unter den Gesamtbestand fallen allerdings nicht nur Pkw, sondern auch Lastwagen und Motorräder. Betrachtet man nur die Autos, ergibt sich nämlich ein anderes Bild. Die Zahl der im Rems-Murr-Kreis neu zugelassenen Pkw sank von 20.622 im Jahr 2019 auf 15.927 im Jahr 2020 und 13.569 im Jahr 2021.

Woran liegt das? Kaufen die Leute weniger Autos?

Nein, sagt Jürgen Kohler, zumindest nicht im Autohaus Zeisler in Waiblingen, wo er Leiter des Verkaufs neuer Automobile ist. Natürlich habe es wegen der Lockdowns starke monatliche Schwankungen gegeben, grundsätzlich seien die Verkaufszahlen in den Jahren 2019, 2020 und 2021 aber relativ konstant geblieben. Das könnte auch daran liegen, dass BMW sowie der britische BMW-Ableger Mini weniger stark von Lieferengpässen betroffen sind als andere Autohersteller. So warten Kunden durchschnittlich laut Kohler aktuell vier bis maximal sechs Monate auf ihren Neuwagen, zwei bis drei Monate Lieferzeit musste man auch früher schon einplanen, selbst wenn alles optimal lief.

Lange Wartezeiten für Neuwagen, hohe Nachfrage nach Gebrauchten

Ganz anders sieht es aus, möchte man einen Mercedes kaufen. Der Stuttgarter Autobauer leidet unter extremen Lieferengpässen, was vor allem an einem Mangel an Halbleitern liegt. Halbleiter sind der Hauptbestandteil von Mikrochips, die zum Beispiel in Steuergeräten den Antrieb sowie das Fahr- oder Bremsverhalten regeln. „Bei allen Mercedes-Modellen außer der S-Klasse liegt die Wartezeit für einen Neuwagen zurzeit bei über einem Jahr“, sagt Maximilian Lorinser vom Autohaus Lorinser in Waiblingen. Wer jetzt eine neue C-Klasse ordere, erhalte sie voraussichtlich erst im zweiten Quartal 2023.

Grundsätzlich sei die Nachfrage nach Autos auch bei Lorinser konstant. Dennoch verkaufe das Autohaus zurzeit weniger Neuwagen, weil sich die Kunden wegen der langen Lieferzeiten für andere Marken entschieden oder gezielt junge Gebrauchtwagen nachfragten. Entsprechend verkaufe das Autohaus in diesem Bereich etwas mehr Wagen und die Preise für gebrauchte Fahrzeuge steigen.

Immer mehr Elektroautos werden neu zugelassen

Gefragt sind nicht nur Gebrauchtwagen, sondern auch Elektroautos, das beobachten Maximilian Lorinser und Jürgen Kohler gleichermaßen. Die Nachfrage steigt, es kommen immer mehr Modelle auf den Markt. Auch in den Zulassungszahlen schlägt sich dieser Trend nieder. 2019 wurden im Rems-Murr-Kreis 366 Elektro-Pkw neu zugelassen, 2020 waren es 1156 und 2021 sogar 2354. Auch bei den Hybrid-Pkw stieg die Zahl der Neuzulassungen von 1314 im Jahr 2019 auf 2741 im Jahr 2020 und 3973 im Jahr 2021. Für viele Kunden sei Nachhaltigkeit ein Thema, aber auch die finanziellen Prämien seien ein großer Anreiz, sich für diese Art des Antriebs zu entscheiden. Ob sich der Trend zu E- und Hybridfahrzeugen fortsetzt, wenn die Subventionen wegfallen, bleibe abzuwarten, sagt Jürgen Kohler.

Mehr Home-Office, weniger Freizeitmöglichkeiten: Corona verändert die Mobilität. Die meisten Menschen sind seit Beginn der Pandemie mehr zu Hause als zuvor. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Umfrage des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC). Im Oktober 2021 hatte der Verkehrsclub zum dritten Mal während der Corona-Krise eine Umfrage zur individuellen Mobilität gemacht und dafür 2000 Personen online interviewt. 30 Prozent der Befragten gaben an, sie würden während der Pandemie weniger

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