Rems-Murr-Kreis

Mehr Geld - oder Streik: Beschäftigte demonstrieren in Waiblingen

Bus Streik
Die Tarifrunde beginnt erst Ende Januar, doch gehen jetzt schon viele davon aus: Ohne Streik wird diese Runde nicht zu Ende gehen. © ALEXANDRA PALMIZI

Die Preise schießen durch die Decke – und was bleibt gleich? „Unser Lohn.“ Eine „Frechheit“ ist das, sagt Vincent Leuze am Donnerstagabend auf dem Alten Postplatz in Waiblingen. Ein paar Dutzend Menschen sind dort zusammenkommen, um der Verdi-Forderung sichtbar und lautstark Nachdruck zu verleihen: Beschäftigte im öffentlichen Dienst wollen jetzt mehr Geld – und zwar spürbar mehr.

Diesmal will’s Verdi in der Tat wissen: 10,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt will die Gewerkschaft herausschlagen. Wer bei einem Plus in dieser Höhe nicht auf 500 Euro mehr im Monat kommt, soll genau diesen Betrag im Monat zusätzlich erhalten: 500 Euro. Mit dieser Mindestforderung startet Verdi Ende Januar in die Tarifrunde.

„Wir wollen keine Altersarmut“

Sabine Diener, Betriebsrätin am Rems-Murr-Klinikum Schorndorf, will „Druck machen“, deshalb ist sie hier. Sie gehört der Streikleitung an, erzählt sie. Sollte es zum Arbeitskampf kommen, und davon scheinen die meisten auszugehen, wird sie sich darum kümmern, dass ein streikbedingter Klinik-Notversorgungsbetrieb möglichst reibungslos läuft.

Antje Grün arbeitet als Physiotherapeutin im Winnender Klinikum. Sie trägt bei der Verdi-Kundgebung in Waiblingen ein Schild um den Hals mit der Aufschrift: „Wir wollen keine Altersarmut.“ Davor hat sie, obgleich sehr weit entfernt vom Renteneintrittsalter, richtig Angst, sagt Antje Grün: Dass das Geld später vorn und hinten nicht reicht. Jetzt ist es doch schon so, dass die Arbeit immer anstrengender wird, vom Gehalt immer weniger übrig bleibt, weil alles teurer wird: So kann es doch nicht immer weitergehen.

"Viele können ihre Mieten oder Heizkosten nicht mehr zahlen"

Weshalb man mit der 10,5-Prozent-Forderung in die Tarifrunde geht, begründet Moritz Enssle, Vorsitzender des Verdi-Ortsvereins Rems-Murr, im Vorfeld der Waiblinger Kundgebung schriftlich: „In Zeiten, in denen die Inflationsentwicklung, die Lebensmittel-, Energie- und Benzinpreise tiefe Löcher in die Haushaltskassen der Beschäftigten reißen und viele ihre Mieten oder Heizkosten nicht mehr zahlen können, in diesen Zeiten ist eine Sicherung der Einkommen notwendiger denn je.“

Speziell Auszubildende nimmt Moritz Enssle in den Blick, und das aus zwei Gründen: Der Fachkräftemangel setzt dem öffentlichen Dienst schon lange zu. Dennoch können sich Auszubildende nicht auf eine Übernahme verlassen, sehen einer ungewissen Zukunft entgegen und wenden vielleicht entnervt dem öffentlichen Dienst den Rücken. Verdis Lösungsvorschlag: eine Übernahmegarantie und 200 Euro mehr im Monat für angehende Fachkräfte. Beides zusammen sollte eigentlich „das Minimum der Anerkennung“ sein, findet Moritz Enssle.

Arbeitgeberseite bringt sich ebenfalls in Stellung

Nur ein Jahr soll der neue Tarifvertrag gelten, fordert Verdi. Als die Gewerkschaft im Oktober 2022 angekündigt hatte, mit welchen Forderungen sie in die nun anstehende Tarifrunde starten möchte, reagierte die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) prompt: „Die Umsetzung der Gewerkschaftsforderungen sind in dieser Form schlicht nicht leistbar“, wird Karin Welge, Präsidentin und Verhandlungsführerin der VKA, in einer Mitteilung zitiert: „Wir müssen dafür sorgen, dass Kommunen und kommunale Unternehmen handlungsfähig bleiben, auch und gerade in der Krise. Mit der Erfüllung der Gewerkschaftsforderungen wäre dies nicht mehr gegeben.“ Auf die kommunalen Arbeitgeber würden Mehrkosten von 15,4 Milliarden Euro zukommen, würde die Verdi-Forderung realisiert, rechnet der VKA vor.

"Was wir brauchen, ist eine kämpferische Tarifrunde"

Vincent Leuze, selbst noch in Ausbildung, lässt sich davon nicht beirren. In vielen Bereichen im öffentlichen Dienst herrschen „miserable Arbeitsbedingungen“, sagt er am Alten Postplatz ins Mikrofon: „Was wir brauchen, ist eine kämpferische Tarifrunde.“

Nach ihm tritt eine Erzieherin ans Mikrofon, die nur ihren Vornamen nennen möchte – Vanessa. Mit einem Inflationsausgleich dürfe man sich nicht zufrieden geben, fordert die junge Frau und betont: „Ohne uns würde alles zusammenbrechen. Wir sind wichtig. Und dafür wollen wir auch fair entlohnt werden.“

Die Preise schießen durch die Decke – und was bleibt gleich? „Unser Lohn.“ Eine „Frechheit“ ist das, sagt Vincent Leuze am Donnerstagabend auf dem Alten Postplatz in Waiblingen. Ein paar Dutzend Menschen sind dort zusammenkommen, um der Verdi-Forderung sichtbar und lautstark Nachdruck zu verleihen: Beschäftigte im öffentlichen Dienst wollen jetzt mehr Geld – und zwar spürbar mehr.

Diesmal will’s Verdi in der Tat wissen: 10,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt will die Gewerkschaft

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