Rems-Murr-Kreis

Mehr Quadratmeter pro Person: Wohn-Ansprüche steigen auch im Rems-Murr-Kreis

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Symbolbild. © Benjamin Büttner

Statistik hat immer ihre Tücken, doch diesen Trend zeigt sie ganz eindeutig: Baden-Württemberger/-innen sind viel anspruchsvoller geworden, was die Größe ihrer Wohnungen angeht. Heute beansprucht eine Person in Baden-Württemberg im Schnitt fast 30 Prozent mehr Wohnraum für sich als im Jahr 1990.

Es handelt sich natürlich um Durchschnittswerte: Eine Reihe von Personen leben auf weitaus mehr als knapp 50 Quadratmetern Wohnfläche, während andere zu zweit oder zu viert mit 35 Quadratmetern vorliebnehmen müssen. Klar ist dennoch: Die allseits beklagte Wohnungsnot, die im Ballungsraum Stuttgart sehr viele Menschen tatsächlich in Nöte bringt, hat auch mit höheren Ansprüchen zu tun.

Angesichts der anhaltend steigenden Preise wird der Markt für jene, die mit schmalem Einkommen zurechtkommen müssen, noch enger. Der Landkreis hat deshalb bereits im Jahr 2017 ein eigenes Investitionsprogramm auf den Weg gebracht. Im Zuge dessen entstehen im Rems-Murr-Kreis 500 zusätzliche öffentlich geförderte Wohnungen, die der Förderung wegen als „bezahlbar“ eingestuft sind.

218 Mietwohnungen sind bereits fertig, teilt das Landratsamt in einer Antwort auf eine Anfrage dieser Zeitung mit. Weitere 30 Wohnungen kommen bis zum Jahresende hinzu.

Bis 2024 sollen rund 90 Prozent der 500 Wohneinheiten fertig sein, teilt das Landratsamt weiter mit. Sofern alles planmäßig läuft, werden die letzten der 500 Wohnungen in den Jahren 2026/2027 den jeweiligen Mieter/-innen übergeben. Konkret sind das rund 40 öffentlich geförderte Wohnungen, die auf der Hangweide gebaut werden. Das ist das Areal zwischen Rommelshausen und Stetten, auf welchem früher die Diakonie Stetten eine Reihe von Einrichtungen betrieben hatte.

Noch ist das Bauprogramm des Landkreises offenbar nicht von Problemen betroffen, welche die Bauwirtschaft momentan beklagt: Materialmangel, stark gestiegene Kosten für Bauteile, Lieferengpässe und ein Fachkräftemangel, der mittlerweile den Bausektor merklich ausbremst. „Aktuell gibt es noch keine Verzögerungen“, so eine Sprecherin des Landratsamts mit Blick auf die im Zuge des Investitionsprogramms laufenden Bauvorhaben. Doch „die weitere Entwicklung, insbesondere die Baukosten- und Energiepreissteigerungen“, sei „schwer einzuschätzen“.

Zum aktuellen Wohnungsbestand der Kreisbaugruppe zählen freilich nicht nur die Objekte aus dem Investitionsprogramm. In der „Objektliste Mietverwaltung“ der Kreisbaugesellschaft sind in Summe 965 Wohnungen aufgelistet, darunter allein 200 in Waiblingen, 189 in Winnenden, 130 in Schorndorf und 120 in Kernen.

Schwindlig wird einem unterdessen, wenn man „Neubauprojekte Rems-Murr-Kreis“ ganz allgemein googelt und auf die Preise schaut: Eine laut Anzeige „schöne Neubauwohnung“, 90 Quadratmeter groß, wird beispielsweise in Schorndorf für 600 000 Euro angeboten. „Die perfekte Wohlfühloase“ mit 170 Quadratmetern Wohnfläche in Rudersberg ist für 768 000 Euro zu haben. In Fellbach gibt’s eine Zweieinhalbzimmer-Wohnung mit 54 Quadratmetern für 439 800 Euro – „provisionsfrei für Kaufende“.

Statistik hat immer ihre Tücken, doch diesen Trend zeigt sie ganz eindeutig: Baden-Württemberger/-innen sind viel anspruchsvoller geworden, was die Größe ihrer Wohnungen angeht. Heute beansprucht eine Person in Baden-Württemberg im Schnitt fast 30 Prozent mehr Wohnraum für sich als im Jahr 1990.

Es handelt sich natürlich um Durchschnittswerte: Eine Reihe von Personen leben auf weitaus mehr als knapp 50 Quadratmetern Wohnfläche, während andere zu zweit oder zu viert mit 35

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