Rems-Murr-Kreis

Mehr Sex - aber nur im Netz: Jugendliche und die Tücken des Internets

sexuelle Identität
Wegen Corona verbringen Jugendliche noch mehr Zeit im Internet. © Adobestock/Farknot Architect

Wie kann ein junger Mensch eine gesunde sexuelle Entwicklung durchlaufen angesichts grenzenlos verfügbarer Inhalte im Internet? Jugendliche verbringen wegen Corona mehr Zeit im Internet, und das bringt selbstredend Probleme mit sich. Die Sozial- und Sexualpädagogen Mirjam Seiz und Marc Rother von Pro Familia haben jetzt in einem offenen Elternabend Risiken aufgezeigt. Sie liefern Eltern auch online Material zum Schutz vor problematischen Inhalten.

„Jetzt geht’s app“ lautete der Titel des Vortrags, bei dem Eltern jede Menge Input zur sexuellen Aufklärung bekamen. Mirjam Seiz und Marc Rother machten mit den Zuhörern zuerst eine Umfrage, die zutage brachte, dass 14 Prozent der Eltern ihre Kinder nicht fragen, bevor sie Fotos von diesen posten.

Jede Frage beantworten, nichts tabuisieren

Wie helfe ich meinem Kind in der sexuellen Entwicklung, wenn es im Internet mit problematischen Inhalten konfrontiert wird? Begleitend, sagen die Experten. Eltern sollten jede Frage von Kindern und Jugendlichen beantworten, nichts tabuisieren und helfen, Inhalte richtig einzuordnen. Die Sozialpädagogen von Pro Familia räumten auch mit einem Vorurteil auf: Jugendliche haben nicht mehr, sondern weniger Sex als noch vor zehn Jahren. Das hat die aktuellste Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zutage gebracht.

Die Internetnutzung, so stellen Mirjam Seiz und Marc Rother fest, „hat im Coronajahr 2020 einen deutlichen Sprung nach oben gemacht“. Während Mädchen mehr Messengerdienste nutzten, neigten Jungs eher zum Spielen. Whats App, Tik Tok, Instagram, Youtube, Snapchat, Twitch, Knuddels und Facebook böten Kontaktmöglichkeiten zu Gleichaltrigen, allerdings auch zu erwachsenen Sexualstraftätern, die sich dort einschleichen.

"Das Jungfernhäutchen gibt es nicht"

„Selbstbefriedigung macht nicht blind und das Jungfernhäutchen gibt es nicht“, räumte Mirjam Seiz mit Mythen auf, die Kinder und Jugendliche an einer gesunden sexuellen Entwicklung hindern. Sich ausprobieren, sich zeigen und prickelnde Sachen anschauen, gehöre in der Pubertät nun mal dazu. Inhaltlich korrekte und richtige Aufklärungsvideos stellt Pro Familia deshalb Eltern zur Verfügung.

„Was darf ich ins Netz stellen?“ Dieses Thema sollten Eltern mit ihren Kindern unbedingt besprechen, sagen die Berater. Knapp ein Drittel aller Daten seien pornografischen Inhalts und landeten zuweilen über irgendwelche Gruppen ungewollt auf Handys. „Wenn ein Jugendlicher das nicht löscht, macht er sich strafbar“, warnt Mirjam Seiz. In solchen Fällen könne es sein, dass mal die Polizei im Wohnzimmer steht und das betreffende Handy haben will.

Nacktbilder verschicken: das kann schlimme Folgen haben

Thema Cybermobbing: Wenn der pubertierende Mitschüler ein Nacktbild seiner Freundin herumschickt, nur weil sie mit ihm Schluss gemacht hat, kann das Marc Rothers Erfahrungen nach zu Suizidversuchen führen. „Finger weg von Nacktbildern“, zeigte er hier den Weg. Als Beispiel für eine, die sich erfolgreich gegen „Hatespeech“ wehren konnte, nannte er Renate Künast von den Grünen, die bei den Hassrednern einfach an der Haustüre geklingelt hat. Zum Schutz vor Grooming (Pädokriminalität) rät er, sich nur an öffentlichen Orten zu treffen und auf jeden Fall jemanden mitzunehmen.

Stichwort Handyfasten: Ein Tag ohne Handy, geht das? Im Moment gerade schlecht, wenn der Impfpass im Handy ist. Familien sollten nach Meinung der Experten die Handys nachts in der Garage lassen – wie das Auto auch. Was Eltern nicht tun sollten, sei, den Umgang ihrer Kinder mit dem Internet einfach laufenzulassen.

Wie kann ein junger Mensch eine gesunde sexuelle Entwicklung durchlaufen angesichts grenzenlos verfügbarer Inhalte im Internet? Jugendliche verbringen wegen Corona mehr Zeit im Internet, und das bringt selbstredend Probleme mit sich. Die Sozial- und Sexualpädagogen Mirjam Seiz und Marc Rother von Pro Familia haben jetzt in einem offenen Elternabend Risiken aufgezeigt. Sie liefern Eltern auch online Material zum Schutz vor problematischen Inhalten.

„Jetzt geht’s app“ lautete der Titel

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