Rems-Murr-Kreis

"Meine Zeit ist vorbei": Geschäftsführer Marc Nickel zu seinem Aus bei den Rems-Murr-Kliniken

Rems Murr Kliniken PK
Marc Nickel und Richard Sigel. © Benjamin Büttner

Die Ära Marc Nickel geht bei den Rems-Murr-Kliniken zu Ende. Ob der scheidende Geschäftsführer nun bisweilen zu schroff im Umgang und in seinen Forderungen war oder ob er schlicht den Chefärzten einmal zu oft unangenehme Wahrheiten zugemutet hat – das wird sich wohl nie ganz klären lassen. Je nach dem, wen man fragt: Es wird mal diese, mal jene Antwort geben.

Nickels Verdienst: Umsatzsteigerung und 400 neue Arbeitsplätze

Eins allerdings ist sicher: Die Bilanz von Marc Nickel als Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken wäre, wenn nicht zuletzt die Coronakrise so vieles über den Haufen geworfen und zu neuen wirtschaftlichen Nöten geführt hätte, glorreich.

Umsatzsteigerung gegenüber 2014: 100 Millionen Euro pro Jahr. Ergebnissteigerung um 20 Millionen. Und: 400 Arbeitsplätze mehr als damals! All die Zahlen belegen: Die Rems-Murr-Kliniken werden von den Menschen angenommen und als sehr guter Gesundheitsversorger geschätzt.

Dann kam Corona. Die Pflegekräfte wurden erst gefeiert, dann „auf den Arm genommen“, indem der Bund ihnen den so gut wie versprochenen Coronabonus doch wieder vorenthalten wollte; und die Ärzte bekamen für ihren Einsatz einen „feuchten Handschlag“. Corona „hat die Leute ausgelaugt“ und demotiviert.

Ausgerechnet in dieser Lage habe er als Geschäftsführer sagen müssen: „Wirtschaftlich schaut’s nicht gut aus, vielleicht sollten wir jetzt auch noch sparen“, und liebe Chefärzte, ihr müsst euch um die Bilanzzahlen eurer Abteilungen kümmern. „Das ist für jeden Chefarzt unangenehm.“ Er habe als „Blitzableiter die Breitseite dieser Stimmungslage komplett abbekommen“.

Länger geblieben, als anfangs gedacht: "Meine Zeit ist vorbei"

Er habe schon einmal einen „Riesenkonflikt“ mit den Chefärzten durchgestanden. 2016 war das, als die Winnender Topmediziner anregten, Schorndorf mehr oder weniger aufzugeben oder jedenfalls brachial abzuspecken zu einem Mini-Krankenhaus. Nickel setzte sich damals durch – zum Glück, wie heute klar zu sehen ist.

Diesmal aber habe er sich irgendwann im Laufe der Mediation gefragt: „Will ich in das gesamte Konfliktfeld wieder hinein? Will ich mich nochmal durchbeißen“? Und dann habe ein Gedanke zum anderen geführt: Er sei sowieso schon „wesentlich länger geblieben“, als er anfangs dachte; er habe in der Geschäftsführung „ein Team aufgebaut, die Mannschaft steht“, sein – vorerst provisorischer, vielleicht aber auch dauerhafter – Nachfolger Andre Mertel sei hochkompetent, „die stemmen das“; Nickels Frau und die kleine Tochter leben in München, er hat sie lange nur wochenends gesehen; und er sei als Kliniksanierer auch „so professionell, um sagen zu können: Meine Zeit ist vorbei.“

Deshalb habe er, obwohl er bei Landrat Richard Sigel weiterhin Rückhalt gespürt habe, beschlossen: „Ich möchte Teil der Lösung sein und mache den Weg frei.“

Die Ära Marc Nickel geht bei den Rems-Murr-Kliniken zu Ende. Ob der scheidende Geschäftsführer nun bisweilen zu schroff im Umgang und in seinen Forderungen war oder ob er schlicht den Chefärzten einmal zu oft unangenehme Wahrheiten zugemutet hat – das wird sich wohl nie ganz klären lassen. Je nach dem, wen man fragt: Es wird mal diese, mal jene Antwort geben.

Nickels Verdienst: Umsatzsteigerung und 400 neue Arbeitsplätze

Eins allerdings ist sicher: Die Bilanz von Marc Nickel

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