Rems-Murr-Kreis

Millionen-Problem: Das hat das tödliche Zugunglück von Garmisch mit der Remsbahn zu zun

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Symbolfoto. © Gaby Schneider

Was hat das tödliche Zugunglück von Garmisch mit der Remsbahn zwischen Grunbach und Schorndorf zu tun? Womöglich mehr, als wir uns bisher auszumalen gewagt haben ... Warum S2-Nutzer auch im Oktober mit Ärger rechnen müssen. Warum es gute Nachrichten wenigstens in Sachen S3 gibt. Und wohin Stuttgart 21 führt.

Betonschwellen wechseln: Kosten in dreistelliger Millionenhöhe

Im Juni entgleiste in Burgrain bei Garmisch ein Regionalzug, fünf Menschen starben. Noch läuft die Ursachenforschung, nichts ist gesichert. Aber Hinweise mehren sich, dass schadhafte Betonschwellen eine Rolle gespielt haben könnten. Die Schwellen, quer unterm Gleis liegend, sorgen dafür, dass der Schienenstrang stabil bleibt und sich die Spurweite nicht verzieht. Wenn solche Schwellen aber Risse bekommen, kann Wasser eindringen – mit potenziell fatalen Folgen. Fachbegriff: „Betonkrebs“.

Nach dem Unglück von Garmisch ist die DB Netz AG, die für die Schienen-Infrastruktur zuständig ist, offenbar in hektische Betriebsamkeit verfallen. Es gab Bestandsaufnahmen im großen Stil, wohl nach dem Motto: Hoppla, haben wir Betonkrebs noch anderswo? Offenbar ja: Jedenfalls wurden quer durch Deutschland Strecken gesperrt, Langsamfahrstellen eingerichtet, Baumaßnahmen eingeleitet.

Bis Ende des Jahres sollen die meisten heiklen Passagen ausgebessert sein, die Bahn geht von Kosten in„dreistelliger“ Millionenhöhe aus, also einer Summe irgendwo zwischen 100 und 999 Millionen.

„Schwellen vergleichbarer Bauart“ bei der Remsbahn

Und hier kommt die Remsbahn ins Spiel. In einer Sitzungsvorlage zum Verkehrsausschuss der Regionalversammlung in Stuttgart, der am Mittwoch tagte, heißt es: „Als Folge des Zugunglücks von Garmisch-Partenkirchen“ rückte ins Blickfeld, dass zwischen Grunbach und Schorndorf „Schwellen vergleichbarer Bauart“ liegen, die erneuert werden „müssen“. Das betroffene Gleis – die Linie verläuft hier zweigleisig – wurde im Juli zunächst „gesperrt“ und dann im Sommer „behelfsmäßig“ repariert.

Damit ist die Malaise aber immer noch nicht behoben. Weitere „Instandsetzungsmaßnahmen“ stehen nun an: ab dem 4. Oktober und dann, mit Unterbrechungen, immer wieder bis zum 7. November.

Damit wird es erneut zu „betrieblichen Unregelmäßigkeiten“ kommen, wie es neuerdings so schön auf der Anzeigetafel am Waiblinger Bahnhof heißt. Ab Anfang Oktober wird die S2 öfter nur im 30-Minuten-Takt verkehren. Obendrein ist wieder mit Verspätungen zu rechnen, weil statt zweien nur ein Gleis befahrbar ist; das sich S-Bahn, Regional- und Fernzüge teilen müssen. Jeder unpünktliche Zug bremst auch die nachfolgenden aus. (Zu Verspätungen kommt es aber nicht nur deshalb - siehe hier.)

Gute und schlechte Nachrichten: Die S3 und Stuttgart 21

Man hat sich schon so sehr an immer neue Hiobsbotschaften gewöhnt, dass die folgende Nachricht einen fast sprachlos macht: good news! Zumindest, was die S3 (Murrbahn) betrifft.

Die ist derzeit nur im 30-Minuten-Takt unterwegs, weil viele Züge in der Werkstatt sind (wegen abgefahrener Räder – wir berichteten) und krankheitsbedingten Personalausfällen. Diese Probleme sind zwar allesamt noch nicht behoben, aber nun dünnt die Deutsche Bahn ihr Angebot auf diversen weniger intensiv nachgefragten Strecken wie der Teckbahn aus und schichtet Kapazitäten auf die vielgenutzte Murrbahn um. Effekt: Ab Montag, 26. September, kehrt die S3 zum 15-Minuten-Takt zurück.

Zum Abschluss ein Ausblick in weitere Ferne – im Verkehrsausschuss der Region wurde bekannt: Wenn Stuttgart 21 dereinst mal eröffnet sein sollte, wird die S2 nicht mehr von Schorndorf bis zum Flughafen und nach Filderstadt fahren, sondern bereits in Vaihingen enden; anders lässt sich der Fahrplan in der schönen neuen Schienenwelt offenbar nicht stricken.

Und auch die im Zuge von Stuttgart 21 neu hinzukommende Haltestelle Mittnachtstraße zwischen Cannstatt und Hauptbahnhof wird zu diversen Verwerfungen im System führen. Eine der Folgen: Die S2 und die S3 werden dann für den Weg von Waiblingen nach Cannstatt nicht mehr zehn Minuten brauchen, sondern bis zu drei Minuten länger.

Was hat das tödliche Zugunglück von Garmisch mit der Remsbahn zwischen Grunbach und Schorndorf zu tun? Womöglich mehr, als wir uns bisher auszumalen gewagt haben ... Warum S2-Nutzer auch im Oktober mit Ärger rechnen müssen. Warum es gute Nachrichten wenigstens in Sachen S3 gibt. Und wohin Stuttgart 21 führt.

Betonschwellen wechseln: Kosten in dreistelliger Millionenhöhe

Im Juni entgleiste in Burgrain bei Garmisch ein Regionalzug, fünf Menschen starben. Noch läuft die

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