Rems-Murr-Kreis

Mobile Impfteams in Alten- und Pflegeheimen: Die Impfbereitschaft bei den Bewohnern ist größer als bei den Mitarbeitern

Corona-Impfung Mitarbeiter 29.12.2020
Dr. Gryta Alscher zieht am Dienstag die Spritze für eine Coronaimpfung im Alten- und Pflegeheim Staigacker in Backnang auf. © Jörg Fiedler

Seit Sonntag sind die fünf mobilen Impfteams des Robert-Bosch-Krankenhauses im Rems-Murr-Kreis und in den Nachbarkreisen unterwegs. Am Dienstag machte ein Team um Dr. Gryta Alscher im Alten- und Pflegeheim Staigacker in Backnang und im Johannes-Brenz-Haus in Backnang Station. 30 Bewohnern sowie Mitarbeiter sind im Staigacker gegen Corona geimpft worden. „Eine Riesenerleichterung“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Sabine Laible. Die Sorge, dass jemand das Virus in das Seniorenheim einschleppt und Bewohner an Covid-19 sterben könnten, stecke bei jedem ihrer Mitarbeiter im Hinterkopf. „Ihnen sind die Bewohner ans Herz gewachsen“, sagt Sabine Laible. Die Angst, dass ein eingeschlepptes Virus auf ihrer Station wütet, ist groß.

Das Staigacker war nach dem Alexanderstift in Aspach das zweite Alten- und Pflegeheim im Kreis, in dem ein Teil der Bewohner und der Mitarbeiter gegen das Coronavirus geimpft wurden. Im Alexanderstift, einer Einrichtung der Diakonie Stetten, waren es 19 Bewohner im Alter von 73 bis 98 Jahren und zwölf Mitarbeiter, die gleich am Sonntag Besuch eines dreiköpfigen Impfteams erhielten. Der Aufwand ist groß. Pro Impfung muss das Team inklusive des Aufklärungsgespräches mit einer halben Stunde rechnen.

Wie hoch ist die Impfbereitschaft unter den Bewohnern?

Die Impfbereitschaft unter den Bewohnern sei hoch, sagt Sabine Laible. Zumindest bei denen, die selbst darüber entscheiden. Einverständniserklärungen für Bewohner, die unter Betreuung stehen, konnten auf die Schnelle nicht eingeholt werden. Mit den Angehörigen und den Betreuern werde das zwingend vorgeschriebene Aufklärungsgespräch telefonisch geführt, sagt Mark-Dominik Alscher, medizinischer Geschäftsführer des Robert-Bosch-Krankenhauses, unter dessen Regie die fünf mobilen Impfteams seit Sonntag in der Region unterwegs sind.

Was halten die Mitarbeiter von einer Corona-Impfung?

Etwas zurückhaltender als die Bewohner zeigen sich offenbar die Beschäftigten in den Alten- und Pflegeheimen, wenn es um den Pikser gegen das Coronavirus geht. Im Staigacker haben sich rund ein Drittel der Mitarbeiter für eine Impfung angemeldet. Einige der Kolleginnen und Kollegen zeigten sich total überzeugt, andere wiederum zögerten und wollten nicht zu den ersten Geimpften gehören, schätzt Sabine Laible die Stimmung ein. Diese Einschätzung teilt das Robert-Bosch-Krankenhaus nach den ersten beiden Impftagen. Es gebe Heime, deren Bewohner alle geimpft worden sind. Die Heimleitungen seien jedenfalls sehr froh, dass es mit den Impfungen nun losgeht.

Völlig anders sei die Aufgeschlossenheit gegenüber einer Impfung in den Krankenhäusern, sagt Mark-Dominik Alscher. Vor allem in Bereichen, in denen es Ärzte und Pflegekräfte Tag für Tag mit Covid-19-Patienten zu tun haben und deren Leid aus nächster Nähe erlebten, sei die Impfbereitschaft ausgesprochen hoch.

In wie viele Altenheime im Kreis kommt das mobile Impfteam?

Insgesamt werden 82 Alten- und Pflegeheime im Rems-Murr-Kreis durch das Impfzentum des Robert-Bosch-Krankenhauses betreut, ab Mitte Januar in Zusammenarbeit mit dem mobilen Impfteam des Kreisimpfzentrums. Das Bosch ist für die drei Kreise Ludwigsburg, Ostalb und Rems-Murr zuständig und damit für insgesamt 200 Altenheime, sagt Mark-Domenik Alscher.

Jedes Impfzentrum hat vom Sozialministerium eine Liste mit den Einrichtungen erhalten, in denen aufsuchende Impfungen stattfinden. Anhand dieser Liste nimmt die Koordinationsstelle der fünf mobilen Impfteams Kontakt mit den Heimen auf. Entscheidungskriterium für die ersten Impftage war unter anderem auch die Bereitschaft des Heimes, bereits an den ersten Tagen durch die mobilen Impfteams besucht zu werden. Denn es seien eben auch Vorbereitungen für die Impfungen in den Einrichtungen zu treffen. So müsse beispielsweise überprüft werden, ob den impfwilligen Bewohnern, die unter Betreuung stehen, die Aufklärungsmerkblätter und Einwilligungserklärungen vorliegen.

Wie viele Impfungen kann ein Team pro Tag vornehmen?

Aktuell werden je nach Heim zwischen 20 bis 40 Impfungen täglich vorgenommen; ein Impfteam schafft bis zu 50 Impfungen täglich – sofern genügend Impfstoff verfügbar ist. Die Anzahl an Impfungen sei aber auch von der Fahrtzeit abhängig, also der Entfernung des Heims. Personalprobleme gibt es im Robert-Bosch-Krankenhaus keine. Dem Aufruf, sich freiwillig für den Impfeinsatz zu melden, seien viele Ärzte und medizinisches Fachpersonal gefolgt, darunter auch eine Reihe von pensionierten Chefärzten, sagt Alscher. Diese Erfahrung deckt sich mit der des Landratsamtes Rems-Murr, das seine Personalkampagne „Sind Sie bereit, uns im Kreisimpfzentrum zu helfen?“ als einen vollen Erfolg wertet.

War der Aufruf „Sind Sie bereit, uns im Kreisimpfzentrum zu helfen?“ ein Erfolg?

Nach Weihnachten waren mehr als 500 Bewerbungen eingegangen. Nachdem das Land überraschend angekündigt hat, Ärzte und medizinisches Personal zu stellen, konzentrieren sich die Personaler im Landratsamt auf die Stellen im Bereich Verwaltung und Service. Hier konnte zwischen Weihnachten und Neujahr bereits ein vorläufiger Personal-Pool gebildet werden: 68 Personen sind in der engeren Auswahl: davon rund je ein Drittel in Vollzeit, in Teilzeit und in Mini-Jobs.

Dabei handele es sich um Bürgerinnen und Bürger mit ganz unterschiedlicher Qualifikation sowie um Mitarbeitende der Städte und Gemeinden, die wegen der Corona-Pandemie in ihrem eigentlichen Job gerade freie Kapazitäten haben. Da das Kreisimpfzentrum montags bis sonntags von 7 bis 21 Uhr geöffnet haben soll, wird eine Vielzahl an Mitarbeitenden in unterschiedlichen Bereichen gebraucht.

„Die Resonanz auf unsere Personalkampagne hat uns alle begeistert“, wird Landrat Dr. Richard Sigel in einer Pressemitteilung zitiert. „Es ist schön zu sehen, wie viele Menschen aktiv dabei helfen wollen, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Wir spüren eine große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung, aber auch in den Rathäusern und bei den Kliniken - dort möchten wir die medizinische Leitung verorten. Diese Einsatzbereitschaft und Solidarität im Landkreis macht mich zuversichtlich, dass wir Corona gemeinsam einen Riegel vorschieben können. Auch wenn es angesichts der noch viel zu geringen Zahl an Impfdosen kein Sprint, sondern ein Marathon werden wird.“

Wann nimmt das Kreisimpfzentrum in Waiblingen seinen Betrieb auf und wie kann ich mich anmelden?

Die Impfkampagne läuft seit Weihnachten auf zwei Schienen. Auf der einen Schiene sind mobile Impfteams in den Alten- und Pflegeheimen unterwegs. Auf der zweiten Schiene ist die Eigeninitiative der Bürger gefordert. Nachdem neun Impfzentren im Land bereits am zweiten Weihnachtstag ihren Betrieb aufgenommen haben, folgt der Start der Kreisimpfzentren am 15. Januar. Das Kreisimpfzentrum in Waiblingen ist baulich so weit eingerichtet, teilt das Landratsamt mit. In der ersten Januarwoche soll die EDV-Ausstattung vom Land kommen. Erst danach können die ersten Termine für die oberste Prioritätsstufe (Menschen über 80 Jahren und entsprechend benannte Berufsgruppen) vergeben werden. Die Vergabe der Termine läuft dann zentral über die Rufnummer 116 117 und die Plattform https://www.impfterminservice.de.

Wird der Impfstoff für alle reichen?

Wohl nicht. Zumindest in den ersten Wochen wird nicht ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehen. Der Landkreis befürchtet, dass zunächst nur wenige Termine vergeben werden können. Die Kapazität liegt bei 750 Impfungen pro Tag.

Die Rems-Murr-Kliniken wollen möglichst bald ihre Mitarbeiter selbst impfen, erklärte ein Sprecher der Kliniken auf Anfrage. Bisher sei allerdings noch kein Impfstoff geliefert worden. Das heiße, „wir können intern beginnen, sobald uns Impfstoff zur Verfügung steht“. Daher seien die Klinik-Mitarbeiter momentan auf die Landesimpfzentren angewiesen und werden von den Kliniken aktiv aufgefordert, sich dort Termine geben zu lassen. Anhand der Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums gehören rund 800 Beschäftigte in die Prio-1-Personengruppe, die derzeit zu Impfungen berechtigt sind.

Seit Sonntag sind die fünf mobilen Impfteams des Robert-Bosch-Krankenhauses im Rems-Murr-Kreis und in den Nachbarkreisen unterwegs. Am Dienstag machte ein Team um Dr. Gryta Alscher im Alten- und Pflegeheim Staigacker in Backnang und im Johannes-Brenz-Haus in Backnang Station. 30 Bewohnern sowie Mitarbeiter sind im Staigacker gegen Corona geimpft worden. „Eine Riesenerleichterung“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Sabine Laible. Die Sorge, dass jemand das Virus in das Seniorenheim

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