Rems-Murr-Kreis

Morde in Mexiko - Journalisten in Gefahr: Pedro Matías berichtet

Palmpreis
Bei der Palm-Preisverleihung 2010: Pedro Matías (Mexiko) mit Mahboubeh Abbasgholizadeh (Iran). © Thomas Schlegel

Es war die Woche der Meinungsfreiheit. Doch eine Woche ist viel zu kurz, um an Menschen zu erinnern, die unter Einsatz ihres Lebens für dieses Menschenrecht eintreten. Deshalb lassen wir jetzt noch Pedro Matías aus Mexiko zu Wort kommen. Matías war selbst schon Opfer von Folter. Er hat den Johann-Friedrich-Palm-Preis im Jahr 2010 erhalten: Er hat sich als Journalist gegen Korruption und Gewaltverbrechen in seiner Heimat gewendet. Zurzeit arbeitet er als Korrespondent für Revista Proceso und als Reporter für das Portal Pagina3.mx. 

Irving López Vásquez trauert um seinen Bruder Heber, der am 10. Februar von Kugel durchsiebt wurde

Der Kampf muss weitergehen. Wir erheben die Stimme, weil wir eine Bestimmung haben, der wir folgen müssen, und wir lassen uns nicht aufhalten,“ bemerkt der Journalist Irving López Vásquez, bevor er an dem Marsch teilnimmt, der Gerechtigkeit für seinen Bruder Heber fordert, der am 10. Februar 2022 ermordet wurde. Heber war Gründer einer Nachrichtenwebseite „Noticias Web“ in Salina Cruz.

Heber López Vásquez ist einer von acht mexikanischen Journalisten, die in den ersten drei Monaten dieses Jahres ermordet wurden. Das beweist, dass Journalismus in Mexiko ein höchst gefährlicher Beruf ist.

Irving erzählt, dass sein Bruder Heber 20 Jahre als Journalist tätig war, er selber ist seit 14 Jahren dabei. Er kümmerte sich vorwiegend um Produktion und Fotografie, Heber war als Reporter unterwegs. Irving sagt auch, dass er weiter in diesem Beruf arbeiten werde, auch, wenn es gefährlich ist.

In dem Telefoninterview sagt er: „Es haben sich immer Gegenstimmen erhoben, sobald man eine Notiz geschrieben hat, sobald man eine Anklage erhoben hat, aber so etwas Hartes ist mir noch nie begegnet. Ich habe mich auch nie in der Protestbewegung gesehen. Aber das ist zu erschütternd. Man fühlt sich total machtlos und ohnmächtig, weil man nichts tun kann.“

Auf den Hinweis, dass in Oaxaca bisher 15 Journalisten ermordet wurden und keiner dieser Morde aufgeklärt worden ist, sagt er: „Ich weiß nicht, ich kann meine Gefühle nicht beschreiben. Wie gern würde man kämpfen, wie sehr würden wir uns wünschen, nicht in dieser Situation leben zu müssen oder uns in dieser Lage zu befinden, um unsere Stimme lauter erheben zu können.“ „Allerdings, betont er, achte ich die Gesetze und die Instanzen. Ich vertraue ihnen, dass sie ihre Arbeit machen und dass mit Hilfe der Justiz Hebers Tod nicht ungestraft bleibt.

Seit dessen Tod haben sich Journalisten aus allen Regionen von Oaxaca zu Schweigemärschen versammelt, auf denen sie zum Zeichen der Trauer einen Sarg und Opfergaben mit dem Foto des getöteten Journalisten tragen. Sie haben Fotoapparate, Videokameras, Notizbücher und Mikrofone niedergelegt, als Zeichen des Protestes gegen die Versuche, die Meinungsfreiheit zum Schweigen zu bringen.

15 Morde an Journalisten in 22 Jahren

Mit dem Mord an Heber López Vásquez sind seit dem Jahr 2000 in Oaxaca 15 Journalisten ermordet worden. Drei dieser Verbrechen wurden in der Amtszeit von Präsident Andrés Manuel López Obrador und dem Gouverneur von Oaxaca, Alejandro Murat Hinojosa begangen.

Laut den Berichten der Defensoría de los Derechos Humanos del Pueblo de Oaxaca (des Büros des Ombudsmanns für Menschenrechte in Oaxaca) sind unter der jetzigen Regierung drei Journalisten ermordet worden, 163 wurden tätlich angegriffen, und man darf auch nicht vergessen, dass seit dem 21. Januar 2018 Agustín Silva Vázquez verschwunden ist, Polizeireporter der Zeitung Sol del Istmo.

Seit Januar 2015 und bis zum 17. Februar 2022 hat die Ombudsstelle 293 Untersuchungen aufgrund von Beschwerden oder Hintergrundberichten über Verletzungen der Rechte von Journalisten bei Behörden eingeleitet. Die am häufigsten genannten Behörden sind kommunale Polizeibehörden, die Staatsanwaltschaft, das Ministerium für öffentliche Sicherheit, das Parlament und das Institut für öffentliche Bildung des Bundesstaates Oaxaca.

Die Generalstaatsanwaltschaft: Offenbar stark verstrickt in die Gewalttaten

Und nun, im Jahr 2022 ist die Generalstaatsanwaltschaft mit 75 Prozent der Beschwerden die am meisten betroffene Behörde. Auf die Gemeinden entfallen die restlichen 25 Prozent.

Zwischen 2012 und 2019 hat das Büro des Ombudsmanns drei Empfehlungen im Zusammenhang mit der Ausübung des Journalistenberufs abgegeben und an sechs Schlichtungsverfahren mitgewirkt.

Am 27. Oktober 2006 wurde Bradley Roland Will von Indymedia ermordet, am 8. Dezember 2006 Raúl Marcial Pérez von El Gráfico. Am 7. April 2008 wurden Felicitas Martínez Sánchez und Teresa Bautista Merino von Radio Copala ermordet. Am 17. Juni 2013 wurde der auf die Themen Unfälle, Katastrophen und Gewalt spezialisierte Reporter der Zeitung El Imparcial, Alberto López Bello ermordet.

Am 14. April 2014 wurde Abel Bautista Raymundo von Transmitiendo Sentimientos umgebracht, am 11. August 2014 wurden Belege für das Tötungsdelikt, dessen Opfer Octavio Rojas von El Buen Tono war, vorgelegt. Am 2. Januar 2015 wurde Filadelfo Sánchez ermordet, als er den Sender nach seiner Nachrichtensendung La Favorita auf 103.3 FM verließ, und am 21. Januar 2016 wurde Marcos Hernández Bautista, Korrespondent von Noticias Voz und Imagen en la Costa exekutiert.

Am 19. Juni 2016 wurde Elidio Ramos von El Sur umgebracht, am 26. Juni 2016 folgte Salvador Olmos García vom Radiosender Radio Tu'un Ñuu Savi und am 13. September des gleichen Jahres starb der Rundfunkjournalist des lokalen Senders Radio Tu'un Ñuu, Agustín Pavia Savir, nachdem er angegriffen worden war.

Am 2. Mai 2019 wurde Telésforo Santiago Enríquez vom Sender Estéreo El Cafetal ermordet, am 17. Juni 2021 wurde der Reporter des digitalen Mediums Oaxaca Istmo, Gustavo Sánchez in Morro Mazatán in der Gemeinde Santo Domingo Tehuantepec ermordet, und am 10. Februar 2022 wurde Heber López Vázquez von Noticias Web in Salina Cruz vor seinem Bürogebäude von Kugeln durchsiebt.

1539 Menschen müssen in einem Schutzprogramm sein

An dieser Stelle sei erwähnt, dass der Unterstaatssekretär für Menschenrechte im Innenministerium am 15. und 16. Februar in Oaxaca das zweite Regionalforum zur Förderung einer allgemeinen Gesetzesinitiative zur Vorbeugung und zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern und Journalisten veranstaltet hat. Auf diesem Forum musste er zugeben, dass sich bei Amtsantritt der derzeitigen Regierung 798 Personen im Schutzprogramm befanden. Seitdem wurden 741 weitere Personen in das Schutzprogramm aufgenommen. Das entspricht einer Steigerung von 93 Prozent.

Der Unterstaatssekretär erklärte, dass sich derzeit 1.539 Personen im Schutzprogramm befinden. Davon sind 507 Journalisten sowie 1.032 Rechtsanwälte.

Aufgeschlüsselt nach Bundesstaaten, liegt Mexiko-Stadt mit 199 Personen, die sich im Schutzprogramm befinden, an der Spitze, gefolgt von Oaxaca mit 117, Guerrero mit 111, Chiapas mit 106 und Michoacán mit 106 Personen.

Oaxaca nimmt mit 126 den ersten Platz bei den Rechtsanwälten ein, die sich im Schutzprogramm befinden, und mit 21 Journalisten im Schutzprogramm steht der Bundesstaat an siebter Stelle hinter Mexiko-Stadt, Guerrero, Tamaulipas, Quintana Roo, Veracruz und Sonora.

Es war die Woche der Meinungsfreiheit. Doch eine Woche ist viel zu kurz, um an Menschen zu erinnern, die unter Einsatz ihres Lebens für dieses Menschenrecht eintreten. Deshalb lassen wir jetzt noch Pedro Matías aus Mexiko zu Wort kommen. Matías war selbst schon Opfer von Folter. Er hat den Johann-Friedrich-Palm-Preis im Jahr 2010 erhalten: Er hat sich als Journalist gegen Korruption und Gewaltverbrechen in seiner Heimat gewendet. Zurzeit arbeitet er als Korrespondent für Revista Proceso und

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