Rems-Murr-Kreis

Motorradlärm: Endlich tut sich was!

Tuev Seite  F828  e.t. 30. april 2013
Aus diesen chromfunkelnden Auspuffrohren kann ein infernalischer Krach dröhnen. Foto: bildidee.net © Klaus Eppele

An diesem sonnigen Wochenende haben vielen Anwohnern an den beliebten Raserstrecken zwischen Rems und Murr wieder die Ohren geklingelt. Aus zahllosen Auspuffrohren von Motorrädern dröhnte der Lärm, wenn die Biker den Gasgriff aufdrehten – lauter als nötig und erlaubt. Seit zehn Jahren dringt der Arbeitskreis Motorradlärm beim BUND Rems-Murr auf gesetzliche Änderungen. Am Freitag hat der Bundesrat auf Initiative des Landes Baden-Württemberg für weniger Lärm aus Auspuffrohren gestimmt. „Ein schöner Erfolg“, sagt Holger Siegel, einer der Gründer des Arbeitskreises Motorradlärm im Rems-Murr-Kreis. Dieser Arbeitskreis war Vorreiter für viele Bürgerinitiativen im Land, die mittlerweile gegen Motorradlärm kämpfen. Der Bundesratsbeschluss greift viele der Forderungen auf, die der AK schon vor Jahren erhoben hat.

Für den zunehmenden Krach aus den Auspuffrohren sind nicht nur rücksichtslose Biker verantwortlich, sagt Holger Siegel. Er ist selbst Motorradfahrer, aber auch als Anwohner der beliebten Sulzbacher Steige Betroffener des Lärms. Die Motorradhersteller nutzen eine Lücke im Gesetz weidlich aus, die eine punktuelle Lärmmessung ermöglicht. Jenseits dieser Messung werden auch flüsternde Motorräder zu wahren Krawallmachern. Völlig legal, versteht sich. Aber legitim?

Siegel vergleicht die Tricksereien mit dem Dieselbetrug, bei dem die Hersteller sich ebenfalls auf gesetzgeberische Spielräume berufen, wie das „Thermofenster“. Es ermöglicht ihnen eine sehr großzügige Abschaltung der Abgasreinigung. Siegel verweist auf Frankreich, wo inzwischen von arglistiger Täuschung die Rede ist, „der kleinen Schwester des Betrugs“, wie er anmerkt.

Ältere Motorräder waren entweder laut oder leise. Für moderne Motorräder gibt es technische Möglichkeiten, wie zum Beispiel Klappen im Auspuff, mal leise dahinzusurren und dann infernalisch laut aufzubrüllen. Auf Initiative von Baden-Württemberg hat der Bundesrat nun beschlossen, die sogenannten „Sound-Designs“ zu verbieten.

Motorräder sind jedoch überwiegend langlebige Hobbyfahrzeuge, weiß Holger Siegel, in dessen Garage solche Oldtimer stehen. Bis nur noch wirklich leise Motorräder unterwegs wären, würde es Jahrzehnte dauern. Jahrzehnte, in denen Anwohner weiter unter dem Lärm leiden. Siegels Hoffnung ist, dass auch sounddesignte Krawallmacher nachgerüstet werden müssen, um die geplagten Anwohner zu entlasten.

Für Siegel ist das Land Baden-Württemberg ein Vorreiter beim Kampf gegen den Lärm. Hier haben sich eine Reihe von Städten und Gemeinden zu einer Initiative zusammengeschlossen, darunter Waiblingen. Initiiert durch den Lärmschutzbeauftragten der Landesregierung Thomas Marwein und Sonja Schuchter, Bürgermeisterin von Sasbachwalden, hatte sich im Juli 2019 die „Initiative Motorradlärm“ gegründet. Lärmschutzbeauftragter Marwein: „Gestartet sind wir mit 29 Mitgliedern, mittlerweile ist die Zahl auf 98 angestiegen. Die Mitglieder - Städte, Gemeinden und Landkreise - repräsentieren über ein Viertel der elf Millionen Bürgerinnen und Bürger von Baden-Württemberg. Ich kenne keine erfolgreichere Initiative zum Thema Motorradlärm.“

Verkehrsminister Winfried Hermann zeigte sich in einer Pressemitteilung mit dem Ergebnis, die der Bundesrat beschloss, zufrieden und erläuterte: „Mit der Entschließung des Bundesrats haben wir eine wichtige Etappe beim Schutz vor Motorradlärm erreicht. Aber wir sind noch nicht am Ziel angelangt.“ Motorräder müssten leiser werden und Motorräder müssten leiser gefahren werden. „Rücksichtsloses Fahren muss deutlichere Folgen haben.“

„Verbot von Sound-Designs“

Und dies hat der Bundesrat beschlossen:

Genehmigungs- und Zulassungsregeln der EU müssen überarbeitet werden,

  • Hersteller und Händler sollen leisere Motorräder herstellen und anbieten (Verbot des sogenannten Sound-Designs),
  • Umstieg auf nachhaltige und lärmarme Mobilität,
  • Motorradfahrer werden aufgefordert, rücksichtsvoll und leise zu fahren,
  • stärkere Verkehrsüberwachung und Ausweitung von Kontrollmöglichkeiten,
  • Beschränkungen und Verbote müssen in besonderen Fällen möglich sein,
  • vorsätzlich lärmerzeugende Fahrweisen müssen stärker geahndet werden.

An diesem sonnigen Wochenende haben vielen Anwohnern an den beliebten Raserstrecken zwischen Rems und Murr wieder die Ohren geklingelt. Aus zahllosen Auspuffrohren von Motorrädern dröhnte der Lärm, wenn die Biker den Gasgriff aufdrehten – lauter als nötig und erlaubt. Seit zehn Jahren dringt der Arbeitskreis Motorradlärm beim BUND Rems-Murr auf gesetzliche Änderungen. Am Freitag hat der Bundesrat auf Initiative des Landes Baden-Württemberg für weniger Lärm aus Auspuffrohren gestimmt. „Ein

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