Rems-Murr-Kreis

Motorradlärm: Zwei Strecken im Rems-Murr-Kreis sind Hotspots

Motorrad - Motorradlärm - Freizeit Strassenverkehr - Motorradfahrer - Foto GAby Schneider Karfreitag 15.4.2022 - hier in Remshalden
An Wochenenden und Feiertagen sind besonders viele Motorradfahrer unterwegs. © Gaby Schneider

Motorradfahren spaltet. Für die einen ist es Entspannung und Spaß pur. Die anderen können sich wegen des Gestanks und Lärms gerade nicht entspannen. Letzterer ist nicht von der Hand zu weisen, wie die Ergebnisse einer Untersuchung im Auftrag des Verkehrsministeriums zeigen. Etwa jedes dritte Motorrad ist bei der Vorbeifahrt lauter als 90 Dezibel und damit so laut wie ein Presslufthammer oder eine Kreissäge. Solche Pegel erreichen gerade einmal vier Prozent der Autos. Dagegen sind nur 13 Prozent der Motorräder leiser als 80 Dezibel, bei Autos sind dies 32 Prozent.

An rund 100 Strecken in Baden-Württemberg wurden für einen Zeitraum von jeweils circa 14 Tagen von Juni bis Oktober 2020 und von Mai bis September 2021 insgesamt 3,3 Millionen Fahrzeuge erfasst, darunter 2,94 Millionen Autos und 206.000 Motorräder. Gemessen wurden die gefahrene Geschwindigkeit und der maximale Lärmpegel bei der Vorbeifahrt. Elke Zimmer, Landtagsabgeordnete und Staatssekretärin im Verkehrsministerium, sagte anlässlich der Veröffentlichung der Daten: „An vielen Strecken ist die Lärmbelastung durch Motorräder enorm. Gerade an Wochenenden bei schönem Wetter werden Anwohnerinnen und Anwohner von vielen Motorrädern beschallt. Das führt zwangsläufig zu Konflikten.“

Viele Motorräder sind auf der Straße lauter als auf dem Prüfstand

Der Fokus der Untersuchung lag auf Strecken mit hohem Motorradaufkommen. Zu den Motorradlärm-Hotspots zählen auch zwei Strecken im Rems-Murr-Kreis, und zwar die L 1066 zwischen Sulzbach an der Murr und Spiegelberg sowie die L 1150 südlich von Welzheim. Zwischen Sulzbach und Spiegelberg sind demnach durchschnittlich 289 Motorräder an einem Wochenendtag unterwegs, südlich von Welzheim 318.

Mit diesem Motorradaufkommen an freien Tagen sind die Strecken im Rems-Murr-Kreis im oberen Drittel der untersuchten Strecken angesiedelt. Werktags sind dort durchschnittlich 94 bzw. 120 Motorräder unterwegs, feiertags und an Wochenenden sind es also rund dreimal mehr, das ist mehr als im Schnitt: An den untersuchten Strecken sind an Samstagen und Sonntagen gegenüber einem Wochentag durchschnittlich doppelt so viele Motorräder unterwegs wie unter der Woche.

Das Problem ist jedoch weniger die bloße Zahl der Motorräder, sondern vor allem der von ihnen verursachte Lärm. Staatssekretärin Zimmer erinnert an die vom Bundesrat am 15. Mai 2020 verabschiedeten Forderungen an EU, Bund und Hersteller, gegen unnötigen Motorradlärm vorzugehen – und sieht Parallelen zum Abgasskandal bei Diesel-Pkw: „Die vorgegebenen Grenzwerte werden zwar am Prüfstand eingehalten. Im Normalbetrieb auf der Straße sind Motorräder jedoch häufig lauter, und zwar zum Teil erheblich. Motorräder müssen leiser werden, unabhängig davon, wer sie wo fährt.“ Sie appelliert an die Motorradfahrenden: „Eine rücksichtsvolle und leise Fahrweise ist im Interesse aller. Ich habe kein Verständnis, wenn Motorräder bewusst auf laut getrimmt werden. Lautes Fahren und unnötiges Hin- und Herfahren geht immer zulasten anderer.“

Fahrzeug und Fahrweise beeinflussen den Lärmpegel

„Es geht leiser und dann hätte auch niemand etwas dagegen“, sagt Holger Siegel. Er wohnt in Sulzbach und ist in mehrfacher Hinsicht betroffen: Einerseits ist er lärmgeplagter Anwohner, andererseits selbst Motorradfahrer und Vorsitzender der vereinigten Arbeitskreise gegen Motorradlärm und aktiv im Vorstand des Bundesverbands gegen Motorradlärm. Er sieht einerseits die Motorradfahrer in der Pflicht: „Die Fahrweise spielt eine Rolle, man muss nicht jeden Gang ausfahren.“ Andererseits sei der Lärm natürlich auch vom Fahrzeug abhängig, und die Maschinen seien in den vergangenen Jahren immer lauter gemacht worden, weil dieser Sound bei vielen Bikern gut ankomme, ja als charakteristisch dazugehöre. „Im Fahrzeugbrief stehen dann 77 Dezibel. Auf der Straße sind es aber oft zehn mehr, was die Ohren als Verdopplung empfinden“, verdeutlicht Siegel.

Er ist froh über die neuen Untersuchungsergebnisse. „Motorradlärm ist ein dickes Brett, in das nun ein Pflock gerammt wurde.“ Die Ergebnisse zeigten, dass es sich bei den zu lauten Maschinen nicht um einzelne Ausreißer handele. Entscheidend sei nun, was künftig konkret gegen den Lärm getan werde.

Bisher kontrolliert die Polizei immer wieder schwerpunktmäßig Motorräder, sowohl deren Geschwindigkeit als auch im Hinblick auf technische Manipulationen, die mehr Lärm verursachen. Lärmbelästigungen durch Motorräder stellten grundsätzlich ein großes Problem dar, auch im Rems-Murr-Kreis, sagt ein Polizeisprecher. „Bei den Kommunen und der Polizei gehen immer wieder von Anwohnern entsprechende Beschwerden ein. Wir nehmen diese sehr ernst.“

Motorradfahren spaltet. Für die einen ist es Entspannung und Spaß pur. Die anderen können sich wegen des Gestanks und Lärms gerade nicht entspannen. Letzterer ist nicht von der Hand zu weisen, wie die Ergebnisse einer Untersuchung im Auftrag des Verkehrsministeriums zeigen. Etwa jedes dritte Motorrad ist bei der Vorbeifahrt lauter als 90 Dezibel und damit so laut wie ein Presslufthammer oder eine Kreissäge. Solche Pegel erreichen gerade einmal vier Prozent der Autos. Dagegen sind nur 13

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