Rems-Murr-Kreis

Musikschule, Sportverein, Schwimmunterricht zu teuer? Kinderstiftung Funke hilft

Familie Quarantäne
Was tun, wenn das Geld nicht für den Sportverein, das Schullandheim, den Schwimmunterricht oder die Musikschule ausreicht? © Adobestock/ Julia Raneva

Immer mehr Familien brauchen finanzielle Unterstützung. Bereits die Corona-Krise hatte ihnen viel abverlangt, mental und teilweise auch finanziell, etwa durch Kurzarbeit oder Jobverlust. Durch den Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen explodierenden Energiepreise sowie die hohe Inflation hat sich die Situation „radikal verändert“, sagt Hendrik Rook, Leiter der Region bei der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz. In allen Diensten verzeichne die Caritas einen erhöhten Beratungsbedarf. Und es sei davon auszugehen, dass in den kommenden Wochen noch mehr Menschen in finanzielle Schwierigkeiten geraten, wenn Anfang des Jahres die Jahresabrechnungen ins Haus flattern.

Die „multiplen Krisen“ träfen vor allem diejenigen, die ohnehin ein höheres Armutsrisiko haben. Dazu zählen kinderreiche Familien sowie Alleinerziehende. Zunehmend brauchten aber auch immer mehr Familien Rat und finanzielle Unterstützung, die bisher noch über die Runden kamen. „Menschen bis zur unteren Mittelschicht und die 40 Prozent der Bevölkerung, die keine Rücklagen haben, sondern mit dem auskommen müssen, was sie verdienen, kommen an ihre Grenzen, wenn etwas in der Wohnung kaputtgeht oder eine andere außergewöhnliche Ausgabe ansteht.“

Zu solchen außergewöhnlichen Ausgaben zählen oft auch besondere Ereignisse für die Kinder, die mit Kosten verbunden sind, wie beispielsweise ein Schullandheimaufenthalt, ein Pfadfinder- oder Zeltlager. Und auch regelmäßiger Sport- oder Musikunterricht für die Kleinen wird in manchen Familien gestrichen oder kann nicht aufgenommen werden, weil sonst das Geld für den Wocheneinkauf fehlt.

Das Engagement der Kinderstiftung Funke

An dieser Stelle setzt die Kinderstiftung Funke an. Sie wurde 2018 von Caritas, katholischen Kirchengemeinden und katholischem Dekanat gegründet, um benachteiligten Kindern Teilhabe zu ermöglichen und ihnen die Chance zu bieten, Talente zu entdecken und zu fördern. Die Stiftung unterstützt Projekte anderer Institutionen finanziell, hat eigene Projekte und wird in Einzelfällen aktiv, wenn beispielsweise eine Einrichtung finanzielle Mittel für Sportschuhe oder ein Musikinstrument bei der Stiftung anfragt. „Seit der Gründung haben wir viele Projekte und Einzelanfragen mit 113.000 Euro unterstützt und so mehr als 2500 Kinder erreicht“, sagt Rook, der auch Vorsitzender des Stiftungskuratoriums ist.

Der Renner unter den Anfragen sei der Schwimmunterricht, sagt Julia Fopp, Geschäftsführerin der Kinderstiftung Funke. Da dieser in vielen Schulen nicht mehr angeboten werde, sei die Nachfrage hoch. Die Kinderstiftung unterstütze sowohl einzelne Kinder finanziell, damit diese einen Schwimmkurs besuchen können. Sie habe in Kooperation mit dem Murrhardter Verein Kubus aber auch schon einen Schwimmkurs angeboten.

„Die meisten Kinder erreichen wir über Projekte, häufig im Klassenverband“, sagt Fopp. Die Kinderstiftung Funke informiert Schulen in Gemeinden und Stadtteilen, in denen besonders viele Eltern Transferleistungen beziehen, über mögliche Projekte in den Bereichen Kunst, Sport oder Musik. Beispielsweise gibt es ein Projekt, bei dem die Kinder selbst das Holzschlaginstrument Cajon oder eine Ukulele bauen und danach Musikunterricht erhalten.

Einzelfallförderung und finanzielle Unterstützung

„Wichtig ist uns die Nachhaltigkeit. Wenn ein Kind dabei besonderes Interesse und Talent zeigt, schließt sich oft über eine Einzelfallförderung eine weitere finanzielle Unterstützung für Musikunterricht an.“ Wichtig sei dabei vor allem auch, dass die Kinder an den Angeboten der Vereine vor Ort überhaupt teilnehmen können und dazugehören. Langfristig profitiere auch die Gesellschaft, weil durch frühe Förderung unter Umständen verhindert werden könne, dass Kinder aus benachteiligten Familien selbst wieder von Transferleistungen lebten.

Das Spektrum der geförderten Projekte ist breit, reicht vom Schulmusical über Reittherapie bis zu Gewalt- und Suchtpräventionsprojekten. Gemeinsam haben alle geförderten Projekte und Einzelfälle, dass die Kinderstiftung dort ansetzt, wo die staatlichen Hilfen enden. „Inhaber einer Bildungskarte bekommen beispielsweise 15 Euro pro Monat und Kind für Vereinsbeiträge, Musikschule oder Ähnliches“, nennt Fopp ein Beispiel. Häufig reiche das aber nicht aus und in diesen Fällen könne die Kinderstiftung Funke im Rahmen der Einzelfallhilfen mit bis zu 300 Euro pro Jahr und Kind einspringen.

„Unser Ziel ist es, dass sich Familien nicht zwischen Wocheneinkauf und Sportunterricht entscheiden müssen“, sagt Rook. Er rechnet zukünftig mit mehr Anfragen und die Kinderstiftung Funke wolle auch diese bedienen, soweit es möglich ist. Ein Flyer der Kinderstiftung liegt der heutigen Ausgabe der Zeitung bei.

Immer mehr Familien brauchen finanzielle Unterstützung. Bereits die Corona-Krise hatte ihnen viel abverlangt, mental und teilweise auch finanziell, etwa durch Kurzarbeit oder Jobverlust. Durch den Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen explodierenden Energiepreise sowie die hohe Inflation hat sich die Situation „radikal verändert“, sagt Hendrik Rook, Leiter der Region bei der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz. In allen Diensten verzeichne die Caritas einen erhöhten Beratungsbedarf.

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