Rems-Murr-Kreis

Mysteriös: War das Kommando Spezialkräfte (KSK) im Remstal? Und wann?

Luftbild Drohne: Jugendheim Schoenbuehl, Weinstadt, 22.08.2017.
Das Schönbühl-Gelände: Abwechslungsreich, hügelig, attraktiv nicht nur für Spaziergänger, sondern auch für die Bundeswehr. © Benjamin Beytekin

Das konnte nicht verborgen bleiben: Truppentraining auf dem Schönbühl-Gelände im Remstal oberhalb von Beutelsbach. Absperrband, ein Mann springt aus dem Gebüsch, Tarnfarben, ein Abzeichen mit einem Fallschirm drauf, Fahrzeuge – was, fragte sich ein Schönbühl-Besucher, passierte da?

Das Bundeswehr-Landeskommando Baden Württemberg, Sitz in Stuttgart, bestätigt: Ja, am Mittwoch war eine Übung im Gelände. Tätig war das KSK, das Kommando Spezialkräfte, jene militärische Einheit, die – seit Jahren immer wieder wegen Rechtsextremismusvorwürfen unter Druck – zuständig ist für Sondereinsätze und Kommandokriegsführung, Aufklärung, Terrorismusbekämpfung, Rettung, Evakuierung und Bergung. Die Einheit, die ihren Sitz in Calw hat und die in Krisenregionen dieser Welt zum Einsatz kommt, beispielsweise am Horn von Afrika oder in Afghanistan, wo die Mitglieder nach dem 11. September 2001 an der Seite der Amerikaner kämpften. Bekannt ist auch, dass die Soldaten Ende der 90er auf dem Balkan mutmaßliche Kriegsverbrecher festgenommen haben. Ansonsten hält man sich beim KSK sehr bedeckt: Fotos dürfen die Identität der KSK-Mitglieder nicht preisgeben. Die Nennung von Namen ist ebenfalls tabu. Sogenannte „operative Details“, also Erklärungen zum Vorgehen bei Übungen oder im Ernstfall, bleiben geheim.

Was will das KSK im friedlichen Remstal?

Was hat diese Truppe im friedlichen Remstal zu suchen? Der Schönbühl, ein wunderbares Stückchen Land auf dem Berg über Beutelsbach, abwechslungsreich mit Feldern, Wald und einigen Gebäuden, mit weiter Sicht und freiem Himmel, ist offenbar für Übungen solcher Art gut geeignet. Die Polizei trainiert dort auch manchmal. Gerne mit Hundestaffel. Und schon im April 2014 war dort, zum ersten Mal, das KSK zugange. Damals wurde eine Geiselbefreiung trainiert. 60 Mitglieder der Eliteeinheit waren im Einsatz und simulierten die Erstürmung eines Gebäudes des ehemaligen Jugendheims. Samt Einsatz eines Hundes, der sogar Fallschirmspringen kann. Auch die Erstversorgung eines Verwundeten stand auf dem Programm. Damals durfte sogar ein Reporter vor Ort mit dabei sein.

Zur jüngsten Übung allerdings ist schwer was rauszukriegen. Das Bundeswehr-Landeskommando Baden Württemberg verweist zunächst auf die naturgemäß besser informierten, weil direkt betroffenen KSKler aus Calw. Von dort wird die Übung zwar auch bestätigt, ansonsten aber heißt es: Wir dürfen nichts sagen. Eine Auskunft, die dann auch aus Stuttgart kommt: Leider könne man zu diesem Übungsvorhaben keine Auskünfte geben. Und beide Stellen weisen nach Berlin. Höchste Ebene. Das Bundesverteidigungsministerium kommt ins Spiel.

Was für ein Kommunikationswirrwarr!

Themen rund ums KSK sind – wegen der genannten Wirrungen – politisch gerade sehr sensibel. In diesem Fall aber geht's nicht um verfassungsrechtliche Einordnungen, strafbewehrte Äußerungen oder sonstige ungute Ereignisse. Es geht schlicht um ein – zumindest aus Schönbühl-Spaziergängersicht – Schauspiel, über das der Remstäler gern mehr wissen will. Das Verteidigungsministerium spielt den Ball wieder zurück nach Stuttgart: „Ich bin mir sicher, dass Ihnen dort geholfen wird“. Dort aber fehlt immer noch das offizielle Okay. Und das Presseinformationszentrum Heer aus Strausberg in Brandenburg schaltet sich ein. Was für ein Kommunikationswirrwarr. Den Bundeswehr-Ansprechpartnern ist's selbst schon ganz peinlich.

Und dann kommt das nächste Tohuwabohu hinzu: Das Weinstädter Ordnungsamt nämlich, das natürlich von der Bundeswehr über Vorhaben dieser Art in Kenntnis gesetzt werden muss, darf zwar – man kennt es schon – zu dem Ganzen nichts sagen und muss aufs Verteidigungsministerium in Berlin verweisen. Man könne aber bestätigen, dass eine Übung angemeldet war. Die sei jedoch nicht, wie angefragt, diesen Mittwoch, 23. Juni, gewesen, sondern eine Woche früher, nämlich am Mittwoch, 16. Juni. Für den 23. habe es keine Anmeldung gegeben.

Hoppla, was ist das jetzt?

Das KSK war am 16. Juni vor Ort – was aber war am 23. Juni?

Ja richtig, heißt es vom Presseinformationszentrum Heer: Die Nachfrage nach Mittwoch sei auf den 16. bezogen worden. Und da gab es auch definitiv eine KSK-Übung. Für Mittwoch, 23. Juni, liege keine Übungsanmeldung vor. Es sei nicht absolut auszuschließen, dass irgendeine andere Einheit dort trainiert habe, aber man wisse es nicht. Und daher sei es eigentlich doch auszuschließen. Zumal ja auch beim Ordnungsamt Weinstadt keine Anfrage vorgelegen habe und die Bundeswehr melde sich immer vorher an.

Am Ende kommt raus – und die Infos kommen aus Stuttgart und aus Strausberg:

  • Am Mittwoch, 16. Juni, hat das KSK auf dem Schönbühl trainiert.
  • Die Soldaten trainierten, wie sie sich zu Gebäuden Zugang verschaffen.
  • Angemeldet waren 25 Soldaten.
  • Es wurde nicht mit scharfer Munition geschossen. Diese darf ausschließlich auf Truppenübungsplätzen und Schießanlagen der Bundeswehr verwendet werden. Zum Einsatz gekommen sein kann „Manövermunition“, also Platzpatronen, oder Farbmunition. Bei diesen höre man zwar auch Schussgeräusche, die seien aber nicht so laut wie bei scharfer Munition.
  • Da das Gelände um den Schönbühl „einsatznahe und realitätsnahe“ Übungsmöglichkeiten böte, werde es regelmäßig genutzt.

Hier kommt Mittwoch, 23. Juni, wieder mit ins Spiel: Obwohl's weder das Ordnungsamt von Weinstadt noch die offiziellen Stellen der Bundeswehr wussten, hat das KSK das Gelände an diesem Tag nochmals genutzt. Allerdings habe man, der Sprecherin des Presseinformationszentrums Heer ist's wieder recht unangenehm, „versäumt, eine Übungsanmeldung zu machen“. Damit das in Zukunft nicht mehr vergessen werde, sagt sie, suche man jetzt nach anderen Anmeldungsverfahrenslösungen. Wie die aussehen könnten, weiß man allerdings noch nicht.

Das konnte nicht verborgen bleiben: Truppentraining auf dem Schönbühl-Gelände im Remstal oberhalb von Beutelsbach. Absperrband, ein Mann springt aus dem Gebüsch, Tarnfarben, ein Abzeichen mit einem Fallschirm drauf, Fahrzeuge – was, fragte sich ein Schönbühl-Besucher, passierte da?

Das Bundeswehr-Landeskommando Baden Württemberg, Sitz in Stuttgart, bestätigt: Ja, am Mittwoch war eine Übung im Gelände. Tätig war das KSK, das Kommando Spezialkräfte, jene militärische Einheit, die – seit

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