Rems-Murr-Kreis

Nächtliche Ausgangssperre ab Mittwoch, 14. April: Corona im Rems-Murr-Kreis, die Lage spitzt sich zu

Symbolfotoausgangssperre
Symbolfoto. © Gaby Schneider

Das hat sich angebahnt: Ab Mittwoch, 14. April, gilt im Rems-Murr-Kreis eine nächtliche Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr. Die Entwicklung der Infektionszahlen nach Ostern hat den Schritt nötig gemacht. Die Inzidenz ist am Montag, 12. April, auf 164 hochgeschnellt und wird wohl weiter steigen. Auch in den Rems-Murr-Kliniken liegen bereits wieder so viele Corona-Patienten auf der Intensivstation wie Ende Dezember.

Ausgangssperre ab Mittwoch: Fünf Landkreise treffen die Entscheidung gemeinsam

Der Rems-Murr-Kreis prescht damit nicht allein vor – in einer Pressemitteilung heißt es: Die fünf Landkreise Ludwigsburg, Esslingen, Göppingen, Ostalbkreis und Rems-Murr-Kreis haben sich „auf ein einheitliches Vorgehen bei Ausgangssperren verständigt“. Laut der Corona-Verordnung des Landes müssen Landkreise, die trotz Notbremse deutlich über einem Wert von 100 bleiben, nächtliche Ausgangssperren in Betracht ziehen. In einem Schreiben hat das Sozialministerium zudem die Landräte angewiesen, dieses letzte Mittel ab einer Inzidenz von 150 einzusetzen. Nach dieser Regel hätten die Landkreise Ludwigsburg (wo am Montagmorgen laut Robert-Koch-Institut die Inzidenz noch bei 148 lag) und Esslingen (146) wohl noch einen oder zwei Tage warten können. Sinnvoll wäre das aber nicht gewesen. Denn im Rems-Murr-Kreis betrug bereits am Sonntag die Inzidenz 156, und in Göppingen (192) und im Ostalbkreis (163) wurden noch höhere Werte verbucht. Die fünf Landkreise liegen eng beieinander, ihr Schicksal ist aneinander gebunden. Überall weist die Tendenz nach oben. Der gemeinsame Ausgangssperre-Entschluss ist deshalb weitblickend und klug.

„Die betroffenen Landräte in der Region haben sich diese schwierige Entscheidung nicht leicht gemacht“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. „Schließlich sind Ausgangssperren ein erheblicher Eingriff in die Bewegungsfreiheit der Bürgerinnen und Bürger.“ Deshalb „wurde bewusst nicht nur die Inzidenz in den Blick genommen, sondern die gesamte Pandemie-Lage im jeweiligen Landkreis: So spüren einige Intensivstationen der Kliniken derzeit eine deutliche Steigerung bei der Zahl der Patienten, die zudem immer jünger werden. Auch die Impfkampagne geht noch deutlich zu langsam voran, um Wirkung auf das Infektionsgeschehen zu entfalten. Außerdem haben auch die Osterferien und Schulschließungen bisher nicht die erhoffte Entspannung bei den Infektionszahlen gezeigt. Zudem sollen die Schulen in der kommenden Woche in den Wechselunterricht starten. Deshalb ist diese gemeinsame Kraftanstrengung in der Region nötig, um die dritte Welle zu bewältigen.“

Wie die Lage sich weiter entwickeln könnte: Anmerkungen zur Inzidenz

Es wäre fahrlässig und naiv, wider alle Vernunft darauf zu hoffen, dass die Inzidenz ja wundersam von einem Tag auf den anderen demnächst plötzlich wieder weit unter 150 abstürzen könnte. Um das Prinzip zu verstehen, muss man sich vergegenwärtigen, wie die Inzidenz berechnet wird.

Zunächst werden alle Infektionsmeldungen im 427 000 Einwohner zählenden Rems-Murr-Kreis aus sieben Tagen addiert. Danach wird die Summe durch 4,27 geteilt, da man den Wert ja auf 100 000 Einwohner herunterbrechen möchte.

Über Ostern schlief das Testauswertungsgeschehen zwar nicht komplett ein, aber es geschah in den Laboren doch sehr viel weniger als sonst. Folge: Am Ostermontag, 5. April, wurden im Rems-Murr-Kreis nur 8 Neuansteckungen gemeldet, am Dienstag, 6. April, nur 26.

Nach Ostern wurde dann wieder intensiver ausgewertet. Folge: Die Zahlen gingen durch die Decke. Mittwoch, 7. April: 200 Neu-Ansteckungen. Donnerstag, 8. April: 154. Freitag, 9. April: 138.

Es folgte das Wochenende, wo die Zahlen erfahrungsgemäß wieder sinken, da manche Labore bei der Auswertung pausieren. Der Abwärts-Effekt war allerdings nur schwach. Samstag, 10. April: 81 Neu-Ansteckungen. Sonntag, 11. April: 61. Besonders der Wert vom 11. April verstört: 61 Neu-Meldungen an einem Sonntag – das gab es letztmals am 20. Dezember, in der Gipfelphase der zweiten Welle!

Addiert man alle Einzelmeldungen vom 5. bis zum 11. April, kommt man auf 668 Infektionen. Teilt man den Wert durch 4,27, ergibt sich eine Inzidenz von 156.

Für die Berechnung am Montag, 12. April, aber fielen die 8 Ansteckungen vom Ostermontag aus der Statistik – dafür wurden 37 Neumeldungen integriert. Damit liegt die Inzidenz nun bereits bei 164.

Am Dienstag, 13. April, werden die 26 Ansteckungen vom 6. April aus der Rechnung fallen. Auch hier ist davon auszugehen, dass die Zahl der Neumeldungen höher sein wird. Sprich: Die Inzidenz wird wohl weiter steigen, vermutlich über 170.

18 Intensiv-Patienten in unseren Kliniken, 14 von ihnen müssen beatmet werden

Und ein Blick in unsere Krankenhäuser offenbart: Die Lage ist dort momentan wieder fast so angespannt wie am 28. Dezember, in der Not der zweiten Welle. Derzeit versorgen die Rems-Murr-Kliniken 55 Covid-19-Patienten stationär (am 28. Dezember: 74), 18 von ihnen liegen auf der Intensivstation (am 28. Dezember: ebenfalls 18), wobei 14 beatmet werden müssen (am 28. Dezember: 13).

Auch die Zahl der Sterbefälle steigt wieder besorgniserregend: Während in den 31 Märztagen elf Menschen nach Corona-Infektion ihr Leben ließen, hat das Landratsamt allein für die ersten zwölf Apriltage bereits acht Corona-Tote vermeldet.

Das hat sich angebahnt: Ab Mittwoch, 14. April, gilt im Rems-Murr-Kreis eine nächtliche Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr. Die Entwicklung der Infektionszahlen nach Ostern hat den Schritt nötig gemacht. Die Inzidenz ist am Montag, 12. April, auf 164 hochgeschnellt und wird wohl weiter steigen. Auch in den Rems-Murr-Kliniken liegen bereits wieder so viele Corona-Patienten auf der Intensivstation wie Ende Dezember.

Ausgangssperre ab Mittwoch: Fünf Landkreise treffen die Entscheidung

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