Rems-Murr-Kreis

Nach mysteriösem Schranken-Unfall vor dem Leutenbachtunnel: Ursache ungeklärt, Schranken noch immer außer Betrieb

Tunnel Leutenbach zu
Am Freitagmorgen (25.09) war der Leutenbachtunnel wieder einmal wegen eines Unfalls fast zwei Stunden lang gesperrt (Symbolbild). © Gabriel Habermann

Mitten auf der B 14, kurz vorm Leutenbachtunnel, schließt eine Schranke – ohne Vorwarnung, mitten im fließenden Verkehr. Das gibt’s nicht?

Doch, das gibt’s. Marion Mang aus Winnenden-Baach hat genau das erlebt. Gefährlich war das, und wäre ein Motorradfahrer in die Schranke geraten bei voller Fahrt – es hätte sehr böse enden können. Marion und Jürgen Mang kamen mit einem Sachschaden davon, dessen Regulierung allerdings einiges an Ärger verursacht hat. Wer trägt Schuld an diesem Vorfall und wer zahlt?

Die Antwort: keiner und niemand.

Vorerst zumindest.

Höhe des Sachschadens: 8000 Euro

Rückblick: Es ist Freitag, der 17. April, gegen 10.30 Uhr. Marion Mang hat Urlaub. Sie fährt mit ihrem Mann auf der B 14 Richtung Stuttgart. Circa 100 Meter vor dem Leutenbachtunnel sieht Marion Mang schreckstarr, wie ein Kleinwagen vor ihr gerade noch zwischen den Flügeln einer Schranke durchwitschen kann, die sich plötzlich mitten auf der Bundesstraße schließt. Ihr Wagen bleibt an der Schranke hängen, die Schranke öffnet daraufhin wieder. Schaden am Auto: 8000 Euro.

„... und für uns war eigentlich die Sachlage klar“

Mangs halten an, rufen die Polizei. Jemand vom Landratsamt kommt dazu. Es gibt Zeugen. Man dokumentiert den Vorfall – „und für uns war eigentlich die Sachlage klar, dass wir den Schaden nicht verursacht haben und somit das Land Baden-Württemberg die Verantwortung übernehmen müsste“, so Marion Mang.

Noch dringlicher stellt sich die Frage: Wie kann so etwas geschehen? Kann das noch mal passieren?

Momentan sicher nicht, denn die Schranken sind noch immer außer Betrieb. Wo seinerzeit im April der Fehler lag, bleibt ungeklärt: Zusammen mit der Wartungsfirma habe man die Anlage direkt nach dem Vorfall untersucht, berichtet Leonie Ries, Sprecherin am Landratsamt. Das Ergebnis: keins. Das Ereignis ließ sich nicht wiederholen, ein Fehler in der Steuerung wurde nicht gefunden. Und nun?

Man verlässt sich nicht auf die Schranken allein

Das System soll zusätzliche technische Absicherungen erhalten. Entsprechende Elemente werden noch geprüft und sind deshalb noch nicht freigegeben. Die Schranken bleiben erst mal außer Betrieb – was natürlich auch bedeutet, dass sie ihre eigentliche Aufgabe momentan nicht erfüllen können. Sollte es im Tunnel brennen, sollte dort ein Unfall geschehen oder muss der Tunnel aus anderen Gründen gesperrt werden, müssten die Schranken zum Einsatz kommen. Natürlich mit Vorwarnung – eigentlich..

Sollte eine Sperrung des Tunnels nötig werden in der Zeit, da die Schranken außer Betrieb sind – was dann?

Kein Problem; man verlässt sich ja nicht auf die Schranken allein, heißt es. Ins Sperrsystem integriert sind Ampeln und vorgelagerte Wechselverkehrszeichen – das ist die korrekte Bezeichnung für LED-Wände, die verschiedene Verkehrszeichen abbilden können. „Damit kann der Tunnel gesperrt werden. Dieses Vorgehen ist mit dem Regierungspräsidium Stuttgart als Straßenbaulastträger abgestimmt“, erläutert Landratsamts-Sprecherin Leonie Ries auf Nachfrage.

Kurz vorher: Fernwartung

Auf Marion Mangs Schreibtisch und in ihrem Mail-Postfach hat sich zwischenzeitlich Schriftverkehr in beachtlichem Umfang angesammelt. Rechtsanwalt an Landratsamt – Landratsamt an Versicherung – Versicherung an Eheleute Mang – und so weiter und so fort. Die Württembergische Gemeindeversicherung beruft sich darauf, dass eine Fachfirma nur 30 Minuten vor besagtem Vorfall am 17. April die Anlagen per Fernwartung am Leutenbachtunnel überprüft und keinerlei Fehlfunktionen festgestellt habe. Fazit des Landratsamtes: Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, „dass dem Landratsamt ein Verschulden vorgeworfen werden kann, weshalb keine Verpflichtung zur Übernahme des Schadens besteht.“ Dennoch habe man Marion Mang angeboten, den Selbstbehalt zu übernehmen. Das ist der Betrag, den Mangs selbst tragen müssen nach Regulierung des Schadens seitens ihrer Vollkaskoversicherung. „Diese Freiwilligkeitsleistung wurde jedoch abgelehnt“, schreibt Leonie Ries.

Gut eine Woche vorher gab's schon einen Vorfall

„Wir wollen gleich klarstellen, dass es hier zweitrangig um unseren Schaden geht“, hatte Marion Mang zuvor in einem Schreiben betont. Sie hatte das plötzliche Schließen der Schranke als „Todesfalle“ empfunden und möchte sichergestellt haben, dass sich ein Vorfall dieser Art nicht wiederholen kann. Zumal es rund eine Woche vor dem Schranken-Unfall im April schon einmal zu höchst gefährlichen Szenen am Leutenbachtunnel gekommen war. Ampeln am Tunneleingang Richtung Stuttgart zeigten anhaltend Rot, woraufhin sich ein langer Stau bildete. Einige Autofahrer wendeten und fuhren entgegen der Fahrtrichtung bis zur Anschlussstelle Nellmersbach zurück. Das war keine gute Idee, und solche Fahrmanöver sind auch nicht dadurch zu entschuldigen, dass eine technische Störung fürs Dauer-Rotlicht verantwortlich war.

Es bleiben mehr Fragen als Antworten

Vermutlich hat das eine mit dem andern nichts zu tun, doch Marion Mang kommt das alles suspekt vor. Zumal auch noch ausgerechnet an jenem 17. April die Videoüberwachung an besagter Schranke ausgefallen war.

Zurück bleiben mehr Fragen als Antworten, und es ist wie immer in Fällen wie diesen: Man lässt die Dinge auf sich beruhen – oder startet einen lang andauernden Rechtsstreit. Leonie Ries: „Ein technischer Defekt ist bei allen technisch gesteuerten Anlagen nie gänzlich auszuschließen.“

Mitten auf der B 14, kurz vorm Leutenbachtunnel, schließt eine Schranke – ohne Vorwarnung, mitten im fließenden Verkehr. Das gibt’s nicht?

Doch, das gibt’s. Marion Mang aus Winnenden-Baach hat genau das erlebt. Gefährlich war das, und wäre ein Motorradfahrer in die Schranke geraten bei voller Fahrt – es hätte sehr böse enden können. Marion und Jürgen Mang kamen mit einem Sachschaden davon, dessen Regulierung allerdings einiges an Ärger verursacht hat. Wer trägt Schuld an diesem

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