Rems-Murr-Kreis

Nach Totschlag am Bahnhof Endersbach: Landgericht muss den Fall neu aufrollen

Landgericht
Das Landgericht Stuttgart rollt den Prozess gegen einen heute 19-Jährigen neu auf, der im Juni 2021 am Endersbacher Bahnhof seinen Trinkkumpanen getötet hatte. © ALEXANDRA PALMIZI

Unstrittig bleibt, dass ein damals 17-Jähriger Anfang Juni 2021 am Endersbacher Bahnhof einen Mann getötet hat. Der junge Täter ist wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe von fünf Jahren verurteilt worden – und dennoch muss das Landgericht den Fall jetzt neu aufrollen. Dem Bundesgerichtshof (BGH) missfiel Verschiedenes, doch um die Schuldfrage selbst geht es diesen Mittwoch, 21. Dezember, nicht. Der mittlerweile 19-Jährige steht nun erneut vor Gericht. Er war seinerzeit in Revision gegangen, das bedeutet, eine höhere Instanz hatte zu überprüfen, ob bei der Verhandlung am Landgericht alles korrekt abgelaufen war.

Öffentlichkeit bleibt vor Gericht ausgeschlossen

Rückblick: Am Morgen des 4. Juni 2021 wählte eine Frau gegen 5.30 Uhr den Notruf. Sie hatte am Gleis drei am Endersbacher Bahnhof eine leblose Person entdeckt. Einsatzkräfte konnten nichts mehr tun; der Mann war tot. Später meldete die Polizei, das Opfer, ein 48-jähriger, mutmaßlich wohnsitzloser Mann, sei massiver Gewalt ausgesetzt gewesen und an den Verletzungen gestorben. Bereits einen Tag nach der Tat nahm die Polizei einen Verdächtigen fest: Eben jenen damals 17-Jährigen, der umgehend in U-Haft genommen und gut fünf Monate später zu einer fünfjährigen Jugendstrafe verurteilt wurde. Die Verhandlung fand seinerzeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, und auch dieses Mal wird das Landgericht ohne Publikum und ohne Presse die Verhandlung führen. Der Grund: Zur Tatzeit war der Verurteilte noch minderjährig.

Heftige Schläge gegen den Kopf

Der junge Mann hatte in jener Nacht Anfang Juni 2021 mehrere Stunden lang mit seinem späteren Opfer am Bahnhof Alkohol konsumiert, hieß es damals. Warum es zum Streit kam und weshalb die Gewaltattacken des damals noch Jugendlichen derart eskalierten, dass der 48-Jährige daran starb, blieb zumindest für die Öffentlichkeit ungeklärt. Es hieß, der damals 17-Jährige habe auf seinen Trinkkumpanen eingetreten und auf ihn eingeschlagen, als dieser schon längst am Boden lag. Von heftigen Schlägen gegen den Kopf war die Rede. Ein Sprecher des Landgerichts hatte seinerzeit dieser Zeitung gegenüber geäußert, der junge Mann habe auch versucht, seinen Kontrahenten auf die Gleise zu ziehen.

17-Jähriger war angetrunken, aber nicht volltrunken

Zur Tatzeit war der Jugendliche zwar den Erkenntnissen zufolge angetrunken gewesen, doch habe er sich nicht in einem volltrunkenen Zustand befunden, wie das Gericht damals mitteilte. Die Kammer ging jedenfalls nicht davon aus, dass der Jugendliche zur Tatzeit eingeschränkt schuldfähig gewesen sein könnte.

Nur teilweise muss das Landgericht nun den Fall neu aufrollen, so will es der BGH. Richter dort hatten bemängelt, die Begründung fürs Strafmaß sei nicht ausführlich genug ausgefallen. Das Landgericht hätte sich aus Sicht des BGH intensiver mit der Frage befassen müssen, inwieweit damit gerechnet werden müsse, dass der alkoholsüchtige 17-Jährige nach der Haft weitere schwere Straftaten verüben könnte. Aus Sicht des BGH hätte das Landgericht der Einschätzung des psychiatrischen Gutachters einen höheren Stellenwert beimessen müssen.

Der erzieherische Aspekt steht im Vordergrund

Das Jugendstrafrecht sieht vor – und sofern ein 17-Jähriger vor Gericht steht, kommt natürlich nichts anderes als Jugendstrafrecht zur Anwendung –, dass die Strafe in erster Linie unter dem erzieherischen Aspekt zu betrachten sei. In diesen Fällen geht es nicht vorrangig um Strafe, sondern darum, einem so jungen Menschen die Chance zu lassen, sich in eine andere, bessere Richtung zu entwickeln. Der BGH hat jedenfalls Zweifel, dass die Stuttgarter Richter diesem Aspekt intensiv genug Rechnung getragen haben. Offenbar hat es der junge Mann geschafft, im Sommer 2021, also wenige Wochen nach der Tat, seinen Realschulabschluss zu machen. Einen Teil der Prüfungsleistungen muss der 17-Jährige demnach aus der U-Haft heraus erbracht haben, darauf weist der BGH explizit hin.

Das Landgericht hat nun fünf Verhandlungstermine angesetzt. Läuft alles nach Plan, fällt das Urteil am 18. Januar.

Unstrittig bleibt, dass ein damals 17-Jähriger Anfang Juni 2021 am Endersbacher Bahnhof einen Mann getötet hat. Der junge Täter ist wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe von fünf Jahren verurteilt worden – und dennoch muss das Landgericht den Fall jetzt neu aufrollen. Dem Bundesgerichtshof (BGH) missfiel Verschiedenes, doch um die Schuldfrage selbst geht es diesen Mittwoch, 21. Dezember, nicht. Der mittlerweile 19-Jährige steht nun erneut vor Gericht. Er war seinerzeit in Revision gegangen,

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper