Rems-Murr-Kreis

Nach Totschlag am Bahnhof Endersbach: Neues Urteil nach Revision

Symbolfotobahnhofendersbach
Hier ist am frühen Morgen des 4. Juni 2021 ein Mann tot aufgefunden worden. © Gaby Schneider

Nach der Tötung eines 48-Jährigen am Endersbacher Bahnhof vor gut anderthalb Jahren hat das Landgericht Stuttgart am Freitag das neue Urteil verkündet: Ein heute 19-Jähriger, der Anfang Juni 2021 am Endersbacher Bahnhof einen Mann getötet hat, stand in dieser Sache erneut vor Gericht. Der jetzt verurteilte Täter war nach dem ersten Urteilsspruch in Revision gegangen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte verfügt, das Landgericht müsse den Fall zwar nicht vollständig, aber doch in Teilen neu aufrollen. Nicht etwa, um die Schuldfrage erneut zu klären – dass der junge Mann seinen Trinkkumpanen totgeschlagen hat, war und ist unstrittig. Einige andere Punkte hatten dem BGH missfallen, weshalb das Landgericht im Dezember den Fall noch einmal auf die Tagesordnung gesetzt hatte.

Der Prozess am Landgericht ist nichtöffentlich abgehalten worden

Das neue Urteil lautet nun: vier Jahre und sechs Monate Haft wegen Totschlags. Der Verurteilte war zum Tatzeitpunkt erst 17 Jahre alt, weshalb Jugendstrafrecht zur Anwendung kam. Im ersten Urteil hatten die Richter eine Jugendstrafe von fünf Jahren verhängt.

Nach der „Teilrückverweisung“ durch den Bundesgerichtshof, wie es juristisch korrekt heißt, war es ausschließlich um die Rechtsfolgen, also die Höhe der Strafe, gegangen. Dies teilte ein Sprecher des Landgerichts am Freitag auf Nachfrage mit. Zur Urteilsbegründung und weiteren Details wird nichts bekanntgegeben, weil das Verfahren nichtöffentlich abgehalten worden ist. Der Grund ist, dass der jetzt Verurteilte im Juni 2021 noch minderjährig war.

Rettungskräfte konnten dem Mann nicht mehr helfen

Eine Passantin hatte am frühen Morgen des 4. Juni 2021 den Notruf gewählt, als sie am Gleis drei des Endersbacher Bahnhofs eine leblose Person hatte liegen sehen. Rettungskräfte konnten nur noch den Tod des Mannes feststellen. Der Mann war, wie die Polizei später berichtete, massiver Gewalt ausgesetzt gewesen und an seinen Verletzungen gestorben.

Bevor es zur Eskalation kam, hatten der damals 17-Jährige und der seinerzeit 48-jährige, mutmaßlich wohnsitzlose Mann längere Zeit zusammen Alkohol konsumiert. Warum der Jugendliche dann derart heftig auf seinen Trinkkumpanen eingeschlagen und ihn gegen den Kopf getreten hatte, obwohl der 48-Jährige bereits am Boden lag, darüber gibt es ebenfalls seitens des Gerichts keine Auskunft. Ist ein Täter oder eine Täterin minderjährig, gelten besondere Schutzvorschriften. Ein so junger Mensch soll die Chance erhalten, einen Weg in ein Leben ohne Straftaten zu finden.

Aus der U-Haft heraus die Schule abgeschlossen

Genau diesen Aspekt hatten die Stuttgarter Richter in der ursprünglichen Verhandlung nicht intensiv genug berücksichtigt, hatte der Bundesgerichtshof moniert. Der 17-Jährige hatte noch im Sommer 2021, also kurz nach der Tat, die Realschule abgeschlossen, was nur gelingen konnte, weil er einen Teil der Prüfungsleistungen aus der U-Haft heraus erbracht hatte. Auf diese Besonderheit hatte der BGH in seiner Begründung für die Teilrückverweisung explizit hingewiesen. Ferner hatte der BGH bemängelt, die Einschätzung eines psychiatrischen Gutachters sei in der ersten Verhandlung nicht intensiv genug in die Beurteilung des Falles eingeflossen. Insgesamt hätte die Begründung des Strafmaßes ausführlicher ausfallen müssen.

Nun hat das Landgericht also erneut geurteilt – und eine um ein halbes Jahr kürzere Jugendstrafe verhängt.

Nach der Tötung eines 48-Jährigen am Endersbacher Bahnhof vor gut anderthalb Jahren hat das Landgericht Stuttgart am Freitag das neue Urteil verkündet: Ein heute 19-Jähriger, der Anfang Juni 2021 am Endersbacher Bahnhof einen Mann getötet hat, stand in dieser Sache erneut vor Gericht. Der jetzt verurteilte Täter war nach dem ersten Urteilsspruch in Revision gegangen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte verfügt, das Landgericht müsse den Fall zwar nicht vollständig, aber doch in Teilen neu

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