Rems-Murr-Kreis

Natur, Kultur, Geschmack: So wird aus dem Schullandheim Mönchhof eine "Waldakademie" im Rems-Murr-Kreis

Mönchhof
Das Schullandheim Mönchhof bei Kaisersbach steht seit kurzem unter Denkmalschutz. © Landesdenkmalamt

Das Schullandheim Mönchhof bricht zu neuen Ufern auf. Am Montag hat Landrat Richard Sigel im Kreistag das Geheimnis gelüftet, wie er sich die Zukunft des Mönchhofes vorstellt. Stichwort: „Waldakademie“. Andeutungen hatte Sigel bereits im Oktober in seiner Haushaltsrede gemacht. Doch statt pure Begeisterung bei den Kreisräten auszulösen, mäkelten Grüne und CDU am Entwurf herum. Der grünen Kreisrätin Anne Kowatsch aus Kaisersbach gefiel die Idee nicht, dass am Mönchhof „Tiny Houses“ gebaut werden oder Wohnmobile stehen könnten; der CDU-Fraktionsvorsitzende Armin Mößner stieß sich an den möglichen Kosten.

Der Rems-Murr-Kreis will die Potenziale des idyllisch bei Kaisersbach gelegenen Schullandheims künftig ausschöpfen. Der Mönchhof ist in den vergangenen Jahren nach einer Zwischennutzung als Unterkunft für junge Flüchtlinge umfangreich saniert worden; das Landesdenkmal hat das aus den 1960-er-Jahren stammende Ensemble aufgrund seiner außergewöhnlichen Architektur zum Denkmal erklärt. Seit vielen Jahren wird jedoch darüber diskutiert, wie der Mönchhof aus den roten Zahlen gesteuert werden kann – immerhin kostet er den Landkreis jährlich rund 200 000 Euro.

Die Idee ist, den Mönchhof in eine „Waldakademie“ umzuwandeln und außer Schülern und Jugendliche verstärkt auch Erwachsene anzusprechen. „Durch die Konzentration und den Ausbau von Kernthemen könnte das Schullandheim attraktiver und dadurch langfristig gestärkt werden“, heißt es in einer Vorlage für die Kreisräte im Verwaltungs-, Schul- und Kulturausschuss. In der Vergangenheit seien bereits erhebliche Anstrengungen zur besseren Vermarktung unternommen worden. So sei der Buchungskalender online abrufbar und die Präsenz auf der Tourismusmesse CMT habe für neue Besucher gesorgt.

Wald und Landwirtschaft, Natur und Freizeit

Das Schullandheim biete großes Potenzial, das – nach der Corona-Pandemie – noch besser genutzt werden könnte und sollte. „Die von Wald und Landwirtschaft geprägte Naturlandschaft mit ihrem hohen Freizeitwert sollte künftig stärker mit dem Angebot des Schullandheims verknüpft werden.“ Bausteine der neuen Konzeption seien das Natur-, das Kultur- und das Geschmackserlebnis („Landschaft schmeckt“), so dass eine Marke „Waldakademie Mönchhof“ entsteht, „die einen waldpädagogischen, naturnahen Kulturerlebnisraum für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene bietet.“

Die bestehende kulturelle Nutzung, beispielsweise durch Nachwuchsmusiker soll ebenso gestärkt werden. Die Neuausrichtung des Mönchhofs solle die Nachhaltigkeitsstrategie des Rems-Murr-Kreises konsequent fortsetzen und sich eng mit der konzeptionellen touristischen Ausrichtung des Schwäbischen Wald Tourismus und dem Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald verzahnen.

Für die Umwandlung des Schullandheims in eine Waldakademie kann der Rems-Murr auf Fördermittel des Landes Baden-Württemberg zurückgreifen, das im Frühjahr das Förderprogramm „Freiräume“ aufgelegt hat. Es soll unter anderem bestehende Kulturorte für neue Nutzungen öffnet und zu sogenannten „Dritten Orten“ weiterentwickeln. Gleichzeitig habe die n Forst BW gemeinsam mit dem Kreisforstamt mit den Planungen für einen Waldlehrpfad begonnen. Vom Kreisforstamt wurde zudem eine „Waldbox“ angeschafft.

Realisiert werden soll die Waldakademie in drei Phasen. Noch 2021 soll das Erscheinungsbildes des Schullandheimes verbessert, die Toilette behindertengerecht umgebaut und der Speisesaal erschlossen werden. Mittel- und langfristig sollt das touristische Angebots verbessert werden. Dem Kreisrat versuchte Landrat Sigel die Waldakademie auch dadurch schmackhaft zu machen, dass sie fast nichts extra kostet. Die Finanzierung erfolge aus den laufenden Instandhaltungs- und Sanierungsmitteln. Die Entscheidung, ob das Land 78 000 Euro Fördermittel gibt, fällt im Februar 2021. Darüber hinaus soll die Stiftung der Kreissparkasse für Gesundheit und Bildung angezapft werden, der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald und das LEADER-Programm der Europäischen Union.

Der Verwaltungs-, Schul- und Kulturausschuss stimmte nach kontroverser Diskussion letztlich mit großer Mehrheit dem Konzept zu. Aus dem Schullandheim kann eine Waldakademie werden. Anne Kowatsch (Grüne) befürwortete zwar die Wald- und Naturpädagogik in einer Waldakademie, lehnt aber die touristischen Ideen ab, die das Konzept ergänzen. Sie störte sich insbesondere an „Tiny Houses“, an Wohnmobilen oder an einer Gastronomie im Mönchhof, die zur Konkurrenz für die örtlichen Gastwirtschaften werden könne. Maximilian Friedrich (Freie Wähler) und Ulrich Lenk (FDP/FW) indes sahen im Mönchhof ein Juwel, das durch die Waldakademie erst zum Glänzen gebracht wird. Landrat Richard Sigel betonte, dass es bei der „Waldakademie“ noch um einen Entwurf und um kein fertiges Konzept handelt.

Das Schullandheim Mönchhof bricht zu neuen Ufern auf. Am Montag hat Landrat Richard Sigel im Kreistag das Geheimnis gelüftet, wie er sich die Zukunft des Mönchhofes vorstellt. Stichwort: „Waldakademie“. Andeutungen hatte Sigel bereits im Oktober in seiner Haushaltsrede gemacht. Doch statt pure Begeisterung bei den Kreisräten auszulösen, mäkelten Grüne und CDU am Entwurf herum. Der grünen Kreisrätin Anne Kowatsch aus Kaisersbach gefiel die Idee nicht, dass am Mönchhof „Tiny Houses“ gebaut

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper