Rems-Murr-Kreis

Neue Abzocke im Rems-Murr-Kreis: Ausweis in Gefahr? Das BKA warnt

Neue Betrugsmasche übers Handy
Ein Anruf, der Angst macht, der mit einer Gefahr droht? Werden Sie misstrauisch, geben Sie keine persönlichen Daten an, schon gar keine Bankdaten. © pixabay

Telefonat aus Plüderhausen: Eine Handy-Nutzerin erzählt, dass sie höchst eigenartige Anrufe bekommt. Es sei, sagt sie, eine „komische Sache“. Und der Anruf mache sehr nervös. Denn ihr wird mitgeteilt, dass ihr Personalausweis „in Gefahr“ sei. Und sie solle, um sich aus der Situation zu retten, das und das drücken. Was sie hat aufmerken und zögern lassen: Die Ansage war auf Englisch. Eine neue Handy-Abzocke? Jawohl. Im Rems-Murr-Kreis offenbar so neu, dass sie bei der hiesigen Polizei noch nicht aufgeschlagen ist.

Gefahr im Zusammenhang mit dem Personalausweis?

Die auf dem Display angezeigte Anrufer-Nummer wirkt vertrauenswürdig. Jedenfalls insofern, als sie scheinbar vom eigenen Anbieter kommt. Allerdings ist die Nummer unbekannt. Die Handy-Nutzerin aus Plüderhausen hat den Anruf trotzdem angenommen und einen riesigen Schrecken bekommen: Was ist mit ihrem Personalausweis los? Gefahr? Sie muss reagieren? „For more information press the button“ – wer mehr Informationen will, soll eine bestimmte Taste drücken. Dass die Ansage auf Englisch war, hat die Frau zum Glück stutzig gemacht. Hiesige Ämter, die ja für die Personalausweise zuständig sind, lassen keine Ansagen auf Englisch ablaufen. Sie hat die Taste nicht gedrückt, sondern aufgelegt. Um Stunde um Stunde den gleichen Anruf zu bekommen. Immer mit der Vorwahl ihres Netzanbieters, immer mit ansonsten anderen Nummern. Wer diese Nummer zurückruft, landet im Nichts.

Das Ganze ist nicht nur ihr passiert, sondern auch ihrer Tochter und weiteren Bekannten. Das klingt verdächtig, heißt es von der Pressestelle der Polizeidirektion Aalen. Doch bislang sei diese Masche in den betreuten Landkreisen noch nicht aufgeschlagen.

Beim Bundeskriminalamt allerdings schon. Das schreibt schon im Oktober 2021 auf seiner Homepage über die Abzocke. Allerdings mit einer kleinen Variation: Damals waren die Ansagen wohl nicht auf Englisch und sie gaben vor, vom Bundeskriminalamt zu kommen. Der Rest ist vergleichbar: „Am Telefon behauptet eine automatische Stimme, dass der Personalausweis der Angerufenen überprüft werden müsse und sie den Anweisungen folgen sollen, um die Überprüfung zu ermöglichen. Es folgen Anweisungen wie zum Beispiel 'Drücken Sie die 1', um Daten zum Personalausweis anzugeben und damit angeblich eine Strafe abzuwenden.“

Das BKA warnt: „Wenn Sie den Anweisungen folgen, werden Sie möglicherweise unbemerkt auf kostenpflichtige Nummern weitergeleitet, bei denen für Sie hohe Gebühren anfallen. Außerdem könnten die Täter mit Ihren persönlichen Daten in Ihrem Namen Waren bestellen oder andere Straftaten begehen.“

Deshalb, und da sind sich die Pressestelle der Polizeidirektion Aalen und das BKA vollkommen einig:

  • Folgen Sie nicht den Anweisungen, lassen Sie sich auch gegebenenfalls nicht in ein Gespräch verwickeln – legen Sie einfach auf.
  • Geben Sie niemals persönliche Daten am Telefon preis.
  • Sollten Sie nachträglich feststellen, dass Sie betrogen oder Ihre Daten missbräuchlich benutzt wurden, erstatten Sie Strafanzeige bei Ihrer örtlichen Polizeidienststelle.

Weitere Gefahr: Neue Betrugsmasche auf Ebay-Kleinanzeigen

Mit den gefährlichen und angsteinflößenden Handy-Anrufen ist es jedoch noch nicht genug der Abzock-Versuche: Beim Polizeipräsidium Aalen wurde in letzter Zeit vermehrt eine neue Art des Internetbetrugs angezeigt. Die Betrüger, so erklärt die Polizei, nutzen die Verkaufsplattform Ebay-Kleinanzeigen, um Kontakt zu ihren Opfern aufzunehmen. Wer auf Ebay-Kleinanzeigen als Verkäufer agiert und zur Kontaktaufnahme wegen der Angebote auch eine Handynummer angibt, den rufen die Betrüger über diese Handy-Nummer an. Anschließend wird dem Verkäufer ein gesteigertes Kaufinteresse vorgespielt und vorgeschlagen, zur Abwicklung des Kaufes, die „Sicher bezahlen“-Funktion der Website zu nutzen.

Doch sicheres Bezahlen ist in diesem Fall definitiv nicht geplant: In der Folge schicken die Straftäter einen gefälschten Link an ihre Opfer. Dieser Link führt auf eine Seite, auf der die Personen ihre Kontodaten eingeben sollen. Achtung: Diese Internetseite sieht der echten Ebay-Kleinanzeigenseite täuschend ähnlich. Und der Betrug geht noch weiter: Die Täter führen einen vermeintlichen Live-Support durch. Das heißt: Sie tun so, als seien sie von Ebay-Kleinanzeigen und zeigten im Chat, wie der Bezahlvorgang abzuwickeln sei. Sie führen durch die Seite und stellen sicher, dass entsprechende Sicherheits- und Bestätigungsabfragen der Banken im Sinne der Täter ausgefüllt werden. So sollen die Sicherheitschecks umgangen werden und die Daten der Opfer „abgephisht“ werden. Soll heißen: Am Ende kommen die Täter problemlos ans Geld ihrer Opfer. Sie räumen die Bankkonten leer.

Um dies zu verhindern, rät die Polizei:

  • Wickeln Sie Käufe und Konversationen immer direkt über die Website von Ebay-Kleinanzeigen ab.
  • Klicken Sie keine Links von potenziellen Käufern an.
  • Schreiben Sie keine Handy-Nummer direkt in Ihre Anzeige.
  • Bleiben Sie im Verdachtsfall misstrauisch und beachten Sie auch entsprechende Sicherheitswarnung und -abfragen Ihrer Bank.

Telefonat aus Plüderhausen: Eine Handy-Nutzerin erzählt, dass sie höchst eigenartige Anrufe bekommt. Es sei, sagt sie, eine „komische Sache“. Und der Anruf mache sehr nervös. Denn ihr wird mitgeteilt, dass ihr Personalausweis „in Gefahr“ sei. Und sie solle, um sich aus der Situation zu retten, das und das drücken. Was sie hat aufmerken und zögern lassen: Die Ansage war auf Englisch. Eine neue Handy-Abzocke? Jawohl. Im Rems-Murr-Kreis offenbar so neu, dass sie bei der hiesigen Polizei noch

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