Rems-Murr-Kreis

Neue Betrugsmasche im Rems-Murr-Kreis: Wenn sich der "Kundenberater" als Betrüger herausstellt

Telefonbetrug INNEN
Betrüger versuchen, an Kontodaten und Passwörter zu gelangen. Die Kreissparkasse warnt vor solchen Anrufen und rät: Auflegen und die Polizei informieren. © Gabriel Habermann

Sie sind raffiniert, sie sind schnell und sie sind skrupellos. Nach Enkeltrick und falschen Polizeibeamten macht eine neue Betrugsmasche die Runde: Betrüger geben sich als Mitarbeiter von Banken und Sparkassen aus, entlocken ihren Opfern Informationen zu ihren Konten und Zugangsdaten. Bis die betrogenen Kunden den Schwindel bemerken, ist das Konto, auf das ihr Geld transferiert worden war, schon leer geräumt.

Die Kreissparkasse Waiblingen warnt vor einer Betrugsmasche, die in letzter Zeit wieder deutlich zugenommen habe. Nicht verschont von solchen Anrufen werden auch Kunden der Volksbank Stuttgart und wohl auch anderer Banken. Im vergangenen Jahr hat im Rems-Murr-Kreis die Zahl der Betrugsdelikte deutlich zugenommen, weist die Polizeistatistik aus. Es wurden fast 4000 Fälle registriert – ein Plus von 14 Prozent.

Jeden Tag kommt es im Kreis zu mehr als zehn Betrügereien

Das heißt, pro Tag war es zwischen Rems und Murr zu mehr als zehn Betrügereien gekommen – die bei der Polizei angezeigt wurden. Der Schaden belief sich auf rund 16 Millionen Euro. Die Polizei führte die Zunahme 2019 auf zwei gängige Betrugsmaschen zurück. Betrüger geben sich Senioren gegenüber als Angehörige in einer Notlage aus und versuchen so, an das Ersparte zu gelangen („Enkeltrick“). Auf Angst setzen hingegen falsche Polizeibeamten. Meist sind es Senioren, die aus Sorge vor Dieben und Einbrechern vorgeblichen Polizisten ihren Schmuck und Bargeld überlassen. Am Donnerstag hat die Polizei erneut vor dieser Masche gewarnt, nachdem das Polizeipräsidium in den letzten Tagen 30 bis 40 Anrufe von falschen Polizeibeamten registriert hat.

Neuerdings geben sich Betrüger am Telefon aber auch als Mitarbeiter der Kreissparkasse Waiblingen aus, um ihren Gesprächspartnern persönliche Daten oder gar Zugangsdaten zum Online-Banking zu entlocken, warnte am Donnerstag die Kreissparkasse. Sie rät Betroffenen, niemals persönliche Daten am Telefon preiszugeben und im Zweifelsfall die Polizei zu informieren. Wie oft Sparkassenkunden schon Opfer der Betrugsmasche geworden sind, will die Sparkasse nicht sagen. Aber um Einzelfälle handelt es sich nicht.

Die Masche der Betrüger sei aber nicht immer gleich: Mal geben sie sich am Telefon als Mitarbeiter der Sparkasse aus, mal als Kollege des zuständigen Kundenberaters. Dabei werde teilweise eine manipulierte Telefonnummer der Kreissparkasse Waiblingen beziehungsweise eines der 15 Kundenberatungscenter angezeigt. Oft werden Gewinnspiele, Sicherheitsupdates oder vermeintliche Rücküberweisungen als Vorwand angegeben. „Durch geschickte Fragen versuchen die Betrüger, an persönliche Daten zu kommen, die es ihnen ermöglichen, über das Online-Banking des Kunden Überweisungen durchzuführen.“ Diese werden meist als Echtzeitüberweisung durchgeführt und sofort bei der Zielbank abgehoben. Wie eine Sprecherin der Sparkasse auf Anfrage erklärte, bemühe sich die Sparkasse, den Schaden für die Kundinnen und Kunden in solch einem Fall möglichst gering zu halten. Doch den Betrügern spiele in die Hände, dass heutzutage Überweisungen viel schneller getätigt werden als früher. Was die Betrüger sich zunutze machen: „In einigen Fällen ist es passiert, dass das Geld nicht mehr zurücktransferiert werden konnte.“ Umso wichtiger sei es, dass Kunden sensibilisiert werden und bei Anrufen dieser Art besonders aufmerksam sind.

Die Kreissparkasse Waiblingen weist darauf hin, dass ihre Mitarbeiter Kunden niemals telefonisch oder per E-Mail auffordern werden, Onlinebanking-Zugangsdaten wie Anmeldename, PIN oder TAN anzugeben. Grundsätzlich gilt: Wer solche Aufforderungen telefonisch erhält, sollte sofort auflegen und die Polizei informieren.

Betrüger sind scharf auf die Kontoverbindung und Passwörter

Anrufe sind beileibe nicht die einzige Masche, mit der Betrüger versuchen, an Kontoverbindungen und Passwörter zu kommen. Beliebt sind nach wie vor sogenannte Phishing-Mails. Phishing leitet sich vom englischen „fish“ ab und beschreibt den Versuch, Kennungen und Passwörter per Internet zu angeln. Dafür werden gefälschte E-Mails oder SMS versandt und die Internet-Anwender von den Cyberkriminellen mit täuschend echt nachgemachten E-Mails auf gefälschte Internetseiten von Banken, Onlineshops oder anderen Onlinediensten gelockt. Mit den ergaunerten Daten werden Konten geplündert oder Hackerangriffe auf Unternehmen durchgeführt.

Die Polizei geht gerade bei der Cyberkriminalität von einem hohen Dunkelfeld aus. Aktuell verbreitete Erscheinungsformen seien gekennzeichnet durch die Infektion und Manipulation von Computersystemen mit Schadsoftware. Auf diese Weise werden persönliche Daten und Zugangsberechtigungen des Nutzers abgegriffen und missbräuchlich genutzt. Als Beispiele nennt die Polizei Lösegeld-Erpressungen oder Fernsteuerungen, so dass Computer in sogenannten Botnetzen zusammengeschaltet und für weitere kriminelle Handlungen eingesetzt werden können. „Die Bandbreite illegaler Aktivitäten und Tatgelegenheiten im beziehungsweise mittels des Internets ist komplexer und vielfältiger geworden“, beschreibt die Polizei das Problem. Es reicht von Kinderpornografie im Internet über „Phishing“ persönlicher Zugangsdaten, Handel mit Waffen und Rauschgift bis hin zu Netzwerkeinbrüchen und DDoS-Attacken, der Verbreitung von Schadsoftware und Betrugshandlungen. „Es wird spioniert, erpresst, betrogen, und Unternehmens- und Kundendaten werden widerrechtlich abgegriffen, um damit eine Vielzahl weiterer Straftaten zu begehen.“

Sie sind raffiniert, sie sind schnell und sie sind skrupellos. Nach Enkeltrick und falschen Polizeibeamten macht eine neue Betrugsmasche die Runde: Betrüger geben sich als Mitarbeiter von Banken und Sparkassen aus, entlocken ihren Opfern Informationen zu ihren Konten und Zugangsdaten. Bis die betrogenen Kunden den Schwindel bemerken, ist das Konto, auf das ihr Geld transferiert worden war, schon leer geräumt.

Die Kreissparkasse Waiblingen warnt vor einer Betrugsmasche, die in letzter

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