Rems-Murr-Kreis

Neues Beratungs- und Aufnahmezentrum im Zentrum für Psychiatrie in Winnenden eröffnet

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Coronagerechte Eröffnungsfeier des neuen Beratungs- und Aufnahmezentrums im Zentrum für Psychiatrie im Schloss Winnenden. © Ralph Steinemann Pressefoto

Die Patientenannahme im ZfP findet künftig im neuen Beratungs- und Aufnahmezentrum (BAZ) statt. Erstmals ist damit eine zentrale Anlaufstelle geschaffen worden, die von Pflegern und Ärzten gemeinsam koordiniert und geleitet wird. Das neue Gebäude wurde nun eingeweiht.

Eine kleine Runde trifft sich, umrahmt von Musik und Kunst, zur Eröffnung des neuen Gebäudes. Stehtische, jeweils zwei Personen dürfen einen belegen, dazwischen knapp drei Meter Abstand. Direkt neben Häppchen, Tellern und Getränken stehen Handdesinfektionsmittel und FFP2-Masken. So darf ein Stehempfang unter Coronabedigungen aussehen.

Es ist jetzt schon beim Ankommen anders

Man gelangt vom Eingang, an der Winnender Mops-Statue vorbei, künftig direkt zum BAZ. Man kann, muss aber nicht mehr unter dem Torbogen durch und den Schlenker durch den Park nehmen. Im Zuge des Umbaus der ehemaligen Neurologie in ein Aufnahmezentrum wurde im Bereich der Außenmauer ein Durchgang geschaffen.

Ein baulicher Eingriff mit symbolischer Aussagekraft, wie Anett Rose-Losert, die Geschäftsführerin des Psychiatrischen Zentrums im Klinikum Schloss Winnenden, festhält: „Die Öffnung der Mauer steht auch für die Öffnung der Psychiatrie, was uns sehr wichtig ist.“ Eine „Willkommenskultur“, die den Menschen wertschätzt, soll das BAZ prägen, angeleitet von der leitenden Casemanagerin Sabine Kirsch und dem leitenden Facharzt für Psychiatrie, Lokman Özkan. Menschen, die bisher mit allgemeinpsychiatrischem oder alterspsychiatrischem Behandlungsbedarf ins Klinikum Schloss Winnenden kamen, können sich an eine zentrale Anlaufstelle wenden. Im neuen BAZ werden sie empfangen und erhalten sämtliche Leistungen, die einer Therapie vorausgehen, unter einem Dach. Das BAZ-Team, zu dem Pfleger und Ärzte gehören, kümmert sich mit interdisziplinärer Kompetenz um alle notwendigen Schritte.

Bisher habe es an einer klaren Regelung der Zuständigkeit gehapert. Patienten wurden häufig von Pontius zu Pilatus geschickt. Die Abstimmung zwischen den einzelnen Fachkliniken - Allgemeinpsychiatrie, Alterspsychiatrie, Suchttherapie und Psychosomatik - sei umständlich gewesen, erklärt die ärztliche Direktorin Dr. Marianne Klein, die das inhaltliche Konzept des BAZ vorstellt. Künftig könne eine feinere Bearbeitung der Anfragen sichergestellt werden. Im alten System sei es vorgekommen, dass sich das Personal nicht gleich um einen unangemeldeten Patienten kümmern konnte. Dieser saß und wartete, bis zur Abklärung ein Oberarzt verfügbar war, so Casemanagerin Sabine Kirsch.

Sie betont, das Problem sei nicht zu suchen gewesen in einer mangelhaften Organisation seitens der Mitarbeiter des Aufnahme- oder Belegungsmanagements, es habe an der Doppelbelegung der Fachkräfte gelegen: Der Oberarzt hatte den „Piepser“ und machte den Patientenannahmedienst zusätzlich zu seiner Kerntätigkeit, also zur Versorgung der Patienten auf Station, und der Pfleger koordinierte die Annahme parallel zur pflegerischen Tätigkeit.

Das Gebäude soll dazu dienen, sämtliche notwendige Schritte einzuleiten

Das Gebäude soll dazu dienen, sämtliche notwendige Schritte einzuleiten, damit der Patient nach Terminvereinbarung pflegerisch aufgenommen, beraten, behandelt und dann gut vorversorgt in die passende innerklinische Abteilung zum Pfleger auf die Station weitergeleitet werden kann. „Pfleger sind spezialisiert und kennen die pflegerischen Interna, sie wissen, wer zu welcher Wohngruppe und auf welche Station passt“, so Dr. Klein. Künftig sei ohne Zeitverzögerung ein Oberarzt oder eine Pflegefachkraft zur Stelle, die beurteilt, welche Basisuntersuchung eingeleitet wird. Danach kümmert sich der Oberarzt um die Indikation und entscheidet, was in der akuten Situation das passende ambulante oder stationäre Setting ist.

Zur Willkommenskultur gehört nach Ansicht von Lokman Özkan neben dem hellen Gebäude und einem freundlichen, aufmerksamen Personal auch die fachlich richtige Einschätzung. „Für eine stationäre Behandlung braucht es eine strenge Indikationsstellung.“ Häufig gebe es Alternativen zur vollstationären oder teilstationären Behandlung - darum liege auf einer fachlich präzisen Klassifikation des Krankheitsschweregrades der absolute Schwerpunkt.

Hier komme dem Patienten der große Vorteil des interdisziplinären Aufbaus des BAZ zugute: Die Leistungsströme reichen künftig von der telefonischen Beratung, wenn sich Betroffene und Angehörige lediglich informieren möchten, über die psychiatrische und somatische Erstdiagnostik zur Feststellung der Indikation bis hin zur Koordination und Erstversorgung durch den Rettungsdienst und Notarzt für die Akutversorgung. „So können wir auf qualitativ hohem Niveau und professionell mit den Menschen, die sich an uns wenden, umgehen“, sagt Dr. Klein.

Kunstausstellung von Cornelia Kullack

Im BAZ soll auch regelmäßig Kunst zu sehen sein. Die erste Künstlerin, die ihre Werke zeigt, ist Cornelia Kullack. Die Vernissage ihrer Schau „Zwischen Schwarz und Weiß: Denken, Fühlen, Leben“ ist an die Einweihung des neuen Gebäudes angedockt. Sie hat Papiertüten mit verschiedenen ausgedruckten Motiven aus ihrer Ausstellung dekoriert, die jeder Besucher mitnehmen darf.

Ihre Lieblingsfarbe sei „bunt“, sagte die Künstlerin. „Schwarz und Weiß sind eigentlich keine Farben, es sind Unfarben, wie Unkraut nicht akzeptiert“, so die Künstlerin. Doch sie stehen trotz der Abwesenheit von Farbigkeit am Anfang und Ende der Farbskala. „Es gibt immer mehrere Wege und viele Meinungen, die Vielfalt liegt zwischen Schwarz und Weiß, die sich auch in unserem Leben entdecken lässt.“ Vom Duo „Sijka“, das aus der Musiktherapie im ZfP hervorgegangen ist, umrahmt die Musiktherapeutin Katharina Scherer die Feierstunde mit Gitarre und ihrer feinfühligen Stimme, die in den tiefen Tonlagen berührt. Ihre Mitmusikerin Simone Ebner war für diesen Tag entschuldigt.

Die Patientenannahme im ZfP findet künftig im neuen Beratungs- und Aufnahmezentrum (BAZ) statt. Erstmals ist damit eine zentrale Anlaufstelle geschaffen worden, die von Pflegern und Ärzten gemeinsam koordiniert und geleitet wird. Das neue Gebäude wurde nun eingeweiht.

Eine kleine Runde trifft sich, umrahmt von Musik und Kunst, zur Eröffnung des neuen Gebäudes. Stehtische, jeweils zwei Personen dürfen einen belegen, dazwischen knapp drei Meter Abstand. Direkt neben Häppchen, Tellern

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