Rems-Murr-Kreis

NFT: Experten Matthias Weik und Jan Bock-Schroeder erklären den Crypto-Hype

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Symbolbild.

Stellen Sie sich vor, Sie posten 5.000 Tage lang regelmäßig ein Bild auf einem sozialen Netzwerk. Am Ende erstellen Sie eine digitale Collage davon und verkaufen diese für nicht weniger als 69,3 Millionen US-Dollar. Was klingt wie ein verrücktes Hirngespinst, ist im Zeitalter der Digitalisierung mit dem Verkauf des Bildes „Everydays: the first 5000 Days” des US-Künstlers Mike Winkelmann bereits Realität geworden. Dahinter steckt ein neuer technologischer Trend, der unter dem Namen NFT (Non Fungible Tokens) zusammengefasst wird. Einerseits sehen viele Künstler in dieser Technologie die Revolution des digitalen Kunsthandels, auf der anderen Seite dienen die auf einer Blockchain basierenden NFTs auch als hochspekulative Investitionsobjekte. Doch ist der beinahe absurde Hype berechtigt?

„Non Fungible Token“ bedeutet auf Deutsch so viel wie „nicht austauschbare Wertmarke“. Kurz gesagt handelt es sich bei NFTs um einzigartige digitale Besitzurkunden, die weder kopiert noch ausgetauscht werden können. Ein NFT kann dabei beinahe alles sein: Kunstwerke, Fotos, Musik, Videoclips oder auch digitale Kleidung in Videospielen. Vor allem in den sozialen Medien sind NFTs in aller Munde. Prominente und Profisportler rühren fleißig die Werbetrommel für verschiedenste NFT-Marktplätze.

Cryptowährungen und NFTs basieren auf derselben Technologie

Ausgangspunkt eines NFT ist die sogenannte Blockchain-Technologie, auf der auch Cryptowährungen wie Bitcoin basieren. Eine Blockchain ist die Verkettung dezentral gespeicherter Daten, die für jeden zugänglich sind. Im Prinzip handelt es sich also um eine öffentliche Datenbank. Jeder Schritt und jede Transaktion, die mit einer Datei durchgeführt wird, wird in der Blockchain dokumentiert und muss von mehreren Nutzern in einem großen Netzwerk, sogenannten „Minern“, verifiziert werden. Die Blockchain löst also das Problem der Vertrauenslücke, die bislang als vertrauenswürdig geltende Vermittler wie Banken gefüllt haben. Wer tiefer in die technische Welt der Blockchain eintauchen möchte, kann sich unter anderem in einem ausführlichen Artikel der Hochschule Luzern darüber informieren

Der Unterschied zum Bitcoin ist, dass ein NFT einzigartig und unteilbar ist. Das macht NFTs zur perfekten Zertifizierung für digitale Sammlerstücke und Kunstwerke. Sie ersetzen in der digitalen Welt also die Unterschrift des Künstlers oder die notariell beglaubigte Besitzurkunde.

Blockchain: Die wichtigste Erfindung seit Einführung des Internets?

Der Fotograf und Fotohändler Jan Bock-Schroeder verdient Geld mit NFTs, indem er Fotografien seines Vaters aus dem 20. Jahrhundert limitiert verkauft. Er sagt, dass der Begriff in der Öffentlichkeit überstrapaziert sei. Trotzdem ist die Blockchain-Technologie seiner Ansicht nach der wichtigste Innovationsschritt seit der Einführung des Internets. „Als ich zum ersten Mal davon gehört habe, war mein erster Gedanke: Das löst das Problem der Provenance“, also dem Nachweis der Herkunft eines Kunstwerkes. Denn das Wichtigste an einem NFT sei der sogenannte „Smart Contract“, den man als Bindeglied in die Blockchain mit einbaut. In diesem kann ein Künstler die Einzigartigkeit seines Werkes belegen oder auch dem Käufer die Mitgliedschaft in einer exklusiven Community zusichern. „Der Wert ist nicht das Bild selbst, sondern der Smart Contract. Da kann ich als Verkäufer reinschreiben, was ich will“, erklärt Jan Bock-Schroeder.

Das beste Beispiel hierfür ist der „Bored Ape Yacht Club“, in den sich Promis wie Paris Hilton oder Justin Bieber über ein NFT hineingekauft haben. Der Erwerb einer Zeichnung eines gelangweilten Affen für mehrere Hunderttausend Euro garantiert nämlich die Mitgliedschaft in einem exklusiven Club im virtuellen Raum.

Preisschwankungen locken Spekulanten an

Jan Bock-Schroeder macht darauf aufmerksam, dass hinter solch exklusiven und kostspieligen NFTs weit mehr als nur eine Zeichnung und eine Blockchain liegt. „Da steckt eine Riesen-Marketingmaschine dahinter.“ Das weiß auch der Finanzexperte Matthias Weik, Geschäftsführer der Wirtschaftsberatung F&W in Waiblingen, der auf eine weitere Auswirkung des NFT-Hypes aufmerksam macht. Denn viele Käufer eines NFTs erwerben dies lediglich, um es kurz darauf mit Gewinn zu verkaufen.

Genau wie Kryptowährungen ziehen NFTs mit ihren teilweise starken Preisschwankungen deshalb Spekulanten und Zocker an. Immer häufiger interessieren sich auch seine Kunden in der Finanzberatung für NFT-Investments. Die Märkte seien hochvolatil, weshalb man nicht zu viel Vermögen hineinstecken solle. „Man soll nur so viel investieren, dass man sich freut, wenn sich das Geld verdoppelt, und die Welt nicht untergeht, wenn es sich halbiert“, weiß Matthias Weik.

Doch NFTs haben den beiden Experten nach eine noch viel größere Zukunft als im Kunsthandel und der Finanzspekulation. „In Zukunft wird beinahe alles, was ein Zertifikat ist oder benötigt, ein NFT sein“, sagt Jan Bock-Schroeder. Beispielsweise der digitale Impfpass, der durch die Blockchain automatisch fälschungssicher wäre. Auch die Echtheit von teuren Markenklamotten oder Handtaschen könnte per NFT gesichert werden. „Der Hersteller könnte einen Code an der Tasche anbringen, hinter dem ein NFT als Echtheitszertifikat hängt“, erklärt Matthias Weik.

Es gibt berechtigte Kritik an NFTs

Doch es gibt nicht nur Befürworter der Blockchains, auf denen NFTs basieren. Denn durch deren dezentralen Charakter ist die gesamte Technologie auf eine Unmenge an Computersystemen um den gesamten Globus angewiesen. Je stärker die Nachfrage steigt, umso mehr Rechenpower benötigt das weltweite System. „Mittlerweile sind das keine einzelnen Computer mehr, sondern ganze Rechenzentren“, erklärt Jan Bock-Schroeder. Diese laufen, um Blockchains zu verifizieren, rund um die Uhr und verbrauchen dabei Energie ohne Ende. Die meisten NFTs funktionieren auf Grundlage der Blockchain von Ethereum. Laut einem Beitrag der Süddeutschen Zeitung verbrauchen allein die Rechner dieses Systems 33 Terawattstunden Strom im Jahr. Das entspricht dem gesamten Energieverbrauch von Serbien. 

Jan Bock-Schroeder macht allerdings darauf aufmerksam, dass dieses Problem durch eine weitere technologische Lösung bald nichtig werden könnte. Es gebe bereits Plattformen, in denen nicht jeder Computer einer Blockchain Transaktionen bestätigen muss, sondern nur eine kleine Gruppe von Leuten. Somit wäre zumindest das Problem des hohen Energieverbrauchs gelöst. Das dezentrale Element würde allerdings zum Teil verschwinden.

Bei einem sind sich beide Experten sicher: NFTs werden in Zukunft nicht mehr wegzudenken sein. Jan Bock-Schroeder meint: „Beinahe jedes Produkt wird in Zukunft mit NFTs verbunden sein.“ Das scheinen auch Großkonzerne wie Coca-Cola erkannt zu haben und investieren Milliarden in die Technologie. So wie es aussieht, könnten in nicht allzu langer Zeit jeder Führerschein oder auch jedes Konzertticket aus einem NFT bestehen.

Stellen Sie sich vor, Sie posten 5.000 Tage lang regelmäßig ein Bild auf einem sozialen Netzwerk. Am Ende erstellen Sie eine digitale Collage davon und verkaufen diese für nicht weniger als 69,3 Millionen US-Dollar. Was klingt wie ein verrücktes Hirngespinst, ist im Zeitalter der Digitalisierung mit dem Verkauf des Bildes „Everydays: the first 5000 Days” des US-Künstlers Mike Winkelmann bereits Realität geworden. Dahinter steckt ein neuer technologischer Trend, der unter dem Namen NFT (Non

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