Rems-Murr-Kreis

Niedrige Hospitalisierungsrate wegen Impfungen? Hohe Inzidenzen wegen Omikron?

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Die Inzidenzen gehen steil nach oben, die Hospitaliierungs- und die Todesfallrate aber nicht so stark. Warum ist das so? © pixabay

Trotz der bundesweit nach und nach steigenden Impfquote schießen die Inzidenzen derzeit nach oben. Omikron, die hochansteckende Coronavariante, soll daran schuld sein. Doch wie wirken sich die hohen Inzidenzen auf die Krankenhausbelegung und die Todesfallzahlen aus? Schlaglichter auf den Rems-Murr-Kreis, den Hochinzidenz-Stadtkreis Baden-Baden, der die landesweit höchste Impfquote aufweist, und auf das gesamte Baden-Württemberg.

„Seit letztem Mittwoch (12.1.) bis jetzt sind insgesamt 771 Omikron-Nachweise beim Gesundheitsamt im Rems-Murr-Kreis eingegangen“, sagt Leonie Graf, Pressesprecherin der Kreisverwaltung. „Ein Labor hat unserem Gesundheitsamt mitgeteilt, dass sie die Sequenzierungen zurückfahren, weil sie die analytischen und personellen Kapazitäten für die Primäranalytik brauchen (und über 80 Prozent der Proben mittlerweile eh Omikron sind)“, sagt Leonie Graf. Die Inzidenz im Rems-Murr-Keis lag laut Dashboard des Kreis-Gesundheitsamtes am 18. Januar bei 652, am Vortag lag sie noch bei 603. Die landesweite Inzidenz stieg laut täglichem Lagebericht des Landesgesundheitsamtes von 550 auf 575.

Das Beispiel Baden-Baden näher beleuchtet

Von einem 80-prozentigen Omikron-Anteil an den Infektionen gehen auch das Landesgesundheitsamt und das Gesundheitsamt in Rastatt, das auch für den Stadtkreis Baden-Baden zuständig ist, aus. Obwohl in Baden-Baden bereits 79 Prozent aller Einwohner „vollimmunisiert“ und 60 Prozent geboostert sind, hat der Stadtkreis die landesweit höchste Inzidenz: 867 am 18. Januar (Vortag: 828).

Liegt es an der Demografie? Der Altersdurchschnitt der Baden-Badener beträgt 47,2 Jahre, der Landesdurchschnitt 43,8 Jahre. Liegt es am starken Tourismus? „Weder noch, glauben wir“, sagt Benjamin Wedewart, Pressesprecher der Kreisverwaltung in Rastatt. „Wir gehen davon aus, dass die Inzidenzschwankungen in Baden-Baden mit der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl von rund 56.000 des Stadtkreises zusammenhängen.“ Will heißen: Infiziertenfälle schlagen sich in der Zahl der Infizierten der vergangenen sieben Tage „höher“ nieder als in bevölkerungsreicheren Stadtkreisen. „Wir hatten auch schon in der Vergangenheit immer wieder starke Inzidenz-Schwankungen. Die Hospitalisierungsrate scheint aber dennoch nicht nach oben zu gehen“, sagt Wedewart. Das bestätigt das Klinikum Mittelbaden in Baden-Baden. „Es ist wahr, wir haben weniger Patienten auf der Intensivstation als noch im Dezember“, sagt Arian Runge, stellvertretende Pressesprecherin des Klinikums. „Momentan versorgen wir 42 Covid-Patienten stationär, davon nur zwei auf der Intensivstation.“

„Zunahme an infizierten Schwangeren“

Leider seien aber seit Dezember 2021 bis heute „weitere 60 Todesfälle zu beklagen“, ergänzt der Medizinische Geschäftsführer PD Dr. Thomas Iber. „Die überwiegende Zahl an Covid-Patienten ist ungeimpft (mehr als 80 %) und schwerer erkrankt. Das mittlere Alter liegt in der 4. Welle bei 62 Jahren und ist in der Tendenz fallend.“ Es gebe eine „relevante Zunahme an infizierten schwangeren Patientinnen mit schwerwiegendem Verlauf“. Die Omikronvariante spiele bei stationär behandungspflichtigen Patienten jedoch noch keine relevante Rolle: „Keiner unserer schwer kranken Intensivpatienten war bisher mit der Omikronvariante infiziert.“

Ähnlich auch die Lage in den Rems-Murr-Kliniken: Trotz hoher Inzidenzen im Kreis werden aktuell "nur" 30 Covid-19-Patienten stationär in Winnenden und Schorndorf versorgt, davon zehn auf der Intensivstation und neun am Beatmungsgerät.

Dennoch: Omikron hat die Vorherrschaft in der Corona-Pandemie übernommen, so die gelehrte Mutmaßung. Der tatsächliche Omikron-Nachweis per Sequenzierung von positiven PCR-Testproben ist jedoch nur in einem Bruchteil der Fälle erbracht worden. In Baden-Württemberg zum Beispiel sind von 33.548 seit KW 46 (15. bis 21.11.2021) gemeldeten Omikronfällen laut RKI die absolute Mehrheit (28.292) Verdachtsfälle. Weil davon ausgegangen wird, dass die absolute Mehrzahl aller Neuinfektionen auf das Konto von Omikron geht, werden positive variantenspezifische PCR-Tests, die Abweichungen vom Wildtypus des Sars-CoV-2 nachweisen, kurzerhand Omikron zugeschrieben. Die folgenden Angaben sind demnach mit Vorsicht zu betrachten.

Laut RKI wurden mit Datenstand vom 18. Januar 2022 deutschlandweit seit KW 46 (15. bis 21.11.2021) insgesamt 206.917 „Omikronfälle“ gemeldet:

  • . . . davon mussten insgesamt 1864 im Krankenhaus behandelt werden (0,9 Prozent);
  • . . . davon sind insgesamt 89 infolge der Infektion gestorben (0,04 Prozent);
  • . . . davon entfallen insgesamt 33.548 Omikronfälle auf Baden-Württemberg (16,2 Prozent), auf Bayern 52.953 (25,6 Prozent) und auf Nordrhein-Westfalen 58.269 (28,2 Prozent);
  • . . . davon waren 5401 Betroffene 0 bis 4 Jahre alt (2,6 Prozent), wovon 62 ins Krankenhaus (1,1 Prozent) mussten und keiner verstarb;
  • . . . davon waren 24.990 Betroffene 5 bis 14 Jahre alt (12,1 Prozent), wovon 59 ins Krankenhaus mussten (0,2 Prozent) und keiner verstarb;
  • . . . davon waren 90.096 Betroffene 15 bis 34 Jahre alt (43,6 Prozent), wovon 490 ins Krankenhaus (0,5 Prozent) mussten und eine(r) verstarb;
  • . . . davon waren 69.003 Betroffene 35 bis 59 Jahre alt (33,3 Prozent), wovon 496 ins Krankenhaus mussten (0,7 Prozent) und drei verstarben;
  • . . . davon waren 14.303 Betroffene 60 bis 79 Jahre alt (6,9 Prozent), wovon 416 ins Krankenhaus mussten (2,9 Prozent) und 23 verstarben;
  • . . . davon waren 3124 Betroffene über 80 Jahre alt (1,5 Prozent), wovon 368 ins Krankenhaus mussten (11,8 Prozent) und 62 verstarben.

Die wie gesagt ungenaue und nicht verlässliche Datenlage ließe sich so zusammenfassen:

  • Die Hauptbetroffenen von Omikron scheinen derzeit in Deutschland die 15- bis 59-Jährigen (76,8 Prozent der „Omikron-Fälle“) zu sein.
  • Deren Hospitalisierungsrate scheint bis dato verhältnismäßig gering zu sein (0,5 bis 0,7 Prozent).
  • Ihre Todesfallrate ist noch viel niedriger: vier Tote bei 159.099 „Omikron-Fällen“ und 986 Hospitalisierungsfällen in diesen Altersgruppen.
  • Die noch Älteren ab 60 Jahre sind deutlich seltener betroffen (8,4 Prozent der „Omikron-Fälle“). Da das Alter an sich ein Risikofaktor ist, das ist seit Beginn der Pandemie bekannt, sind in der Gruppe der Älteren die Hospitalisierungsrate (2,9 bis 11,8 Prozent) und auch die Todesfallrate verhältnismäßig höher (85 Todesfälle bei 784 Hospitalisierten).

So bleibt die These, die jedoch aufgrund mangelhaften Datenmaterials nicht zweifelsfrei belegt werden kann: In Deutschland haben laut Statista von den über 60-Jährigen mittlerweile rund 88 Prozent eine Zweitimpfung und rund 70 Prozent eine Boosterimpfung erhalten. Es ist anzunehmen, dass hier die im Vergleich geringere „Omikronfallzahl“ bei den Älteren herrührt. Unter den Erwachsenen ab 18 Jahren waren mit Stand vom 17. Januar zwar auch rund 81 Prozent zweitgeimpft, aber nur 48 Prozent hatten eine Boosterimpfung intus. Die weltweit beobachteten grundsätzlich „milderen“ Verläufe von Omikron schlagen bei den Geboosterten noch mal um einiges milder aus. Das zeigt sich an der „geringen“ Hospitalisierungsrate und Todesfallrate.

Trotz der bundesweit nach und nach steigenden Impfquote schießen die Inzidenzen derzeit nach oben. Omikron, die hochansteckende Coronavariante, soll daran schuld sein. Doch wie wirken sich die hohen Inzidenzen auf die Krankenhausbelegung und die Todesfallzahlen aus? Schlaglichter auf den Rems-Murr-Kreis, den Hochinzidenz-Stadtkreis Baden-Baden, der die landesweit höchste Impfquote aufweist, und auf das gesamte Baden-Württemberg.

„Seit letztem Mittwoch (12.1.) bis jetzt sind insgesamt

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