Rems-Murr-Kreis

Nur noch die halbe Kundenzahl bei Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka: Corona-Notbremse sorgt für Warteschlangen beim Wochenendeinkauf

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Einkaufstag
Die neuen Regeln der Notbremse überraschten viele Kunden bei ihrem Wochenendeinkauf. © ALEXANDRA PALMIZI
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Limitierte Einkaufswägen
In vielen Supermärkten gilt: Maximal zwei Kunden pro Einkaufswagen. Und davon gibt es leider nur noch die Hälfte. © ZVW/ Alexandra Palmizi

Die Bundesnotbremse gilt auch für den Lebensmitteleinzelhandel. Wer am Samstag (24.4.) einkaufen wollte, musste sich teilweise in lange Schlangen einreihen und Geduld mitbringen. Manche Händler überraschten ihre Kunden sogar bereits am Donnerstag mit strengeren Regeln.

Zum Beispiel Aldi: Michaela Stilz wollte am Donnerstagmorgen in der Aldi-Filiale in Rommelshausen einkaufen und wurde von in einer Schlange wartenden Kunden überrascht. „Eine Mitarbeiterin sagte mir, es dürften nur noch 45 Leute in den Laden. Weil Michaela Stilz zur Arbeit musste, verzichtete sie auf den Einkauf.

Ihren Mann bat sie anschließend, mittags „noch schnell“ einen Sack Blumenerde für die neuen Geranien mitzubringen. Rainer Stilz fuhr daraufhin beim Aldi in Endersbach vorbei und schickte seiner Frau ein Foto: Etwa 15 Leute standen mit ihren Einkaufswagen vor der Tür und warteten auf Einlass. So viel Zeit für einen Sack Blumenerde hatte auch er nicht.

Am Freitagmorgen spitzte sich die Lage zu. „Wenn ein Kunde aus dem Laden kommt, müssen Sie auch einen reinlassen. So geht das nicht. Was glauben Sie, wie lange wir hier noch stehen wollen?“, schrie ein Mann, der seit etwa 15 Minuten ebenfalls vorm Aldi in Endersbach in der Schlange stand. Er stand mit geballten Fäusten da.

Zuvor hatten er und eine Frau vergeblich an Einkaufswagen gerüttelt und dabei geflucht, bis ihn eine Frau grinsend darauf hinwies, dass eben diese Hälfte der Einkaufswagen mit einer Kette verschlossen sei, damit nicht zu viele Menschen in den Laden kommen. Auch andere Kunden murrten. „Was soll das überhaupt“, war zu hören. Oder: „Geht das jetzt alles schon wieder los?“

Handelsverband warnte vor langen Warteschlangen

Der Hintergrund sind Verschärfungen der Bundesnotbremse: Bislang durften in den meisten Bundesländern Geschäfte mit weniger als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche eine Person je zehn Quadratmeter einlassen, für die Flächen, die darüber hinausgingen, dann nur noch eine Person je 20 Quadratmeter.

Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht jedoch bei Inzidenzen von mehr als 100 nur noch einen Kunden je 20 Quadratmeter Verkaufsfläche für die ersten 800 Quadratmeter vor - und darüber hinaus sogar nur einen Kunden je 40 Quadratmeter.

Mit dieser Verschärfung halbiere sich vielerorts die Zahl der Kunden, die noch in die Geschäfte gelassen werden dürften, warnte der Handelsverband Deutschland (HDE) bereits am Freitag. Bei Gütern des täglichen Bedarfs seien keine abnehmenden Kundenfrequenzen zu erwarten, da sie kontinuierlich nachgekauft werden müssten. Die verschärfte Kundenbegrenzung werde deshalb "mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Warteschlangen vor den Ladengeschäften führen".

Die Erfahrungen reichen von "Ich habe mich sehr unwohl gefühlt" - bis "Ich habe gar nichts gemerkt"

Doch Warteschlangen zum Trotz:  Ist Einkaufen in halb leeren Supermärkten besonders am Wochenende nicht angenehmer? Die Erfahrungen gehen weit auseinander.

„Ich war am Samstagmorgen gegen 10 Uhr beim Edeka, und da lief alles ganz normal“, berichtet eine 43-jährige Frau aus Weinstadt, die nicht namentlich in der Zeitung genannt werden will. Später beim Lidl sei sie aber geschockt gewesen: „Ich wusste von den neuen Regelungen noch nichts und wurde von einem Security-Mitarbeiter sehr harsch angegangen, ich solle mich in der Schlange anstellen“, sagt sie. „Den Ton empfand ich als unangemessen.“ Doch in der Schlange selbst seien sich die Leute zu nahe gekommen, hätten gedrängelt. Im Laden beobachtete sie, wie ein Mitarbeiter eine dreiköpfige Familie anwies, zwei Einkaufswagen anstatt einem zu benutzen. Ihr Fazit: „Ich habe mich sehr unwohl gefühlt“, berichtet sie. Künftig werde sie ihre Einkäufe genau planen und möglichst unter der Woche erledigen.

Unterm Strich sehr vernünftig und nachvollziehbar organisiert

Als Thomas Wagner aus der Sportredaktion am frühen Freitagmorgen den Lidl in Korb betrat, wunderte er sich über einen Piepton, der erklang, als er die Tür passierte. Da ihn niemand aufhielt, ignorierte er das Signal und erledigte entspannt und unbehelligt seine Einkäufe. „Es waren vielleicht ein Dutzend Personen im Laden. Als ich wieder herauskam, standen etwa zehn Leute in der Schlange und warteten auf Einlass“, berichtet er. Seine Frau sei am Samstagabend gegen 19 Uhr in Korb zum Edeka gegangen. Fazit: „Alles wie immer, keine Kontrollen oder Beschränkungen.“ Zumindest habe sie nichts gemerkt.

Auch Uwe Speiser aus der Winnender Redaktion berichtet: „Samstagmittag im Netto-Markt in Leutenbach war überhaupt nichts anders als sonst, keine Einlassbegrenzung, geschweige denn Security, die das kontrollieren würde. Beides gab es dort auch vorher noch nie. Es waren auch nicht weniger Leute da als sonst. Es gibt da auch keine Regelung über die Anzahl der zur Verfügung stehenden Einkaufswagen oder -körbe. Stellenweise sei es dort gar nicht möglich, den erforderlichen Abstand immer einzuhalten. Zudem sei er dort vor längerem einmal relativ aggressiv angegangen worden, als er einen älteren Mann bat, etwas Abstand zu halten.

Reporter Peter Schwarz berichtet vom Rewe im Gmünder Stadtteil Rehnenhof. Ein älterer Herr begehrte auf, schimpfte irgendwas von Unverschämtheit und stürmte erbost von dannen. Für die Frau vom Zirkus, die hier seit Monaten jeden Samstag steht, hat sich die Lage hingegen eindeutig verbessert: Früher konnten die Passanten auf den Boden schauend und Blickkontakt meidend an ihr vorbeihasten, hinein in den Laden. Jetzt stehen die Leute wartend vor dem Eingang - und kommen kaum umhin, den Geldbeutel zu zücken für eine kleine Zirkus-Spende.

Sein Fazit: Es dauert etwas länger, bis man im Supermarkt drin ist - dafür geht es an den Kassen viel entspannter zu. Sprich: Man ist schneller als früher wieder draußen. Unterm Strich sei alles sehr vernünftig und nachvollziehbar organisiert.

Die Bundesnotbremse gilt auch für den Lebensmitteleinzelhandel. Wer am Samstag (24.4.) einkaufen wollte, musste sich teilweise in lange Schlangen einreihen und Geduld mitbringen. Manche Händler überraschten ihre Kunden sogar bereits am Donnerstag mit strengeren Regeln.

Zum Beispiel Aldi: Michaela Stilz wollte am Donnerstagmorgen in der Aldi-Filiale in Rommelshausen einkaufen und wurde von in einer Schlange wartenden Kunden überrascht. „Eine Mitarbeiterin sagte mir, es dürften nur

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