Rems-Murr-Kreis

Ob Sternerestaurant Oettinger's oder Brauhaus Kesselhaus: Essengehen wird teurer

Kesselhaus
Dietmar Härer kalkuliert noch, rechnet aber damit, dass die Preise im Kesselhaus um mindestens zehn Prozent steigen. © ALEXANDRA PALMIZI

Ins Restaurant zu gehen wird teurer. Denn steigende Lebensmittelpreise und hohe Energiekosten treffen Wirtinnen und Wirte hart. Unter den ohnehin von Corona-Lockdowns und -Auflagen stark betroffenen Gastronomen trübt das die Stimmung, unterkriegen lassen möchte sich bisher aber keiner.

„Wir planen gerade spontan unser Gartenfest am 1. Mai“, sagt Martina Ritter-Barich vom Gasthof zum guten Tröpfle in Korb-Kleinheppach. Normalerweise habe die Familie drei Monate vorher mit den Vorbereitungen begonnen, nun müssen einige Tage reichen. Die Barichs hatte Bedenken wegen möglicher Auflagen, auch hat die Corona-Zwangspause einige Helfer gekostet, die sonst beispielsweise beim Aufbau der Zelte mit angepackt haben. Deswegen wird in diesem Jahr etwas kleiner gefeiert als vor der Pandemie. Ab 11 Uhr wird es aber Rostbraten, Fleischküchle, Kaffee und Flammkuchen geben.

Martina Ritter-Barich: Menschen gehen werktags seltener essen

Das Fest zur Eröffnung der Gartensaison ist auch ein Dankeschön an die treuen Gäste, die dem Lokal auch während der Corona-Pandemie treu geblieben sind und nun bereit sind, etwas mehr für die Gerichte und Getränke zu bezahlen. „Der Salat ist jetzt natürlich nicht teurer geworden, nur weil das Öl mehr kostet. Da aber alles teurer geworden ist, mussten wir die Preise ein bisschen anpassen, beispielsweise bei Fleisch und Wein“, sagt Ritter-Barich.

Die meisten Gäste seien sich bewusst, dass Qualität auch Geld koste. Insgesamt hat Ritter-Barich das Gefühl, dass die Menschen unter der Woche weniger ausgehen, nach wie vor sensibler sind als vor der Pandemie. Das zeige sich zum Beispiel, indem weiterhin Masken getragen werden und wenn möglich draußen gesessen wird. Aber die Stimmung normalisiere sich, und das sei ein guter Zeitpunkt für das kleine Fest. Auch wenn die Situation aktuell für Gastronomen wegen steigender Kosten sowohl bei Lebensmitteln, Energie und Personal gerade schwierig sei.

Martin Oettinger: Preise werden weiter steigen

Die Personalsituation sieht auch Martin Oettinger als derzeit größte Herausforderung unter vielen. Er führt mit seinem Bruder das Hotel Hirsch in Fellbach-Schmiden, zu dem auch das mit einem Stern ausgezeichnete Oettinger’s Restaurant sowie Weinstube und Biergarten gehören. Einerseits steigen die Lohnkosten, die Familie hat im Januar auf die Inflation reagiert und die Löhne an die Inflationsrate angepasst. Andererseits fehlen Fachkräfte: „Während der Corona-Pandemie haben sich einige Mitarbeiter umorientiert und werden vermutlich nicht in die Branche zurückkehren.“ Neues Personal zu finden sei schwierig bis unmöglich.

Erschwerend hinzu komme, dass es durch Corona-Infektionen und Quarantänen immer wieder zu Personalausfällen komme, zusätzlich zu anderen Erkrankungen. „Die Personaldecke ist so dünn geworden, dass schon der Ausfall von einem oder zwei Mitarbeitern sich auf den Geschäftsbetrieb auswirkt, wir überlegen müssen, welche Kapazitäten wir haben und was wir nicht leisten können.“ Denn die Nachfrage sei da, die Menschen wollten essen gehen und Feste feiern.

Klar sei aber auch, dass das teurer werde. „Die Energiepreise sind um 15 bis 30 Prozent gestiegen. Der Herd läuft mit Gas oder Strom und die Einkaufspreise steigen massiv. Wir müssen die Preise entsprechend anpassen, wenn wir jetzt die neue Karte für die Sommersaison entwickeln“, sagt Oettinger. Zwischen sieben und zehn Prozent teurer werde der Restaurantbesuch für die Gäste. Trotz dieser Preissteigerung bleibe keinerlei Mehr-Ertrag für das Restaurant übrig. Oettinger blickt trotz allem positiv, aber realistisch in die Zukunft: „Das Ende der Corona-Maßnahmen hat mittelfristig einen positiven Effekt. Wie sich die Preise entwickeln, muss man abwarten. Dieses Jahr kann ich einigermaßen kalkulieren, für das nächste Jahr wird das richtig schwer. Ich gehe von weiter steigenden Preisen aus.“

Dietmar Härer: Es wird weniger Restaurants geben

Auch die Lohnkosten werden weiter steigen, gibt Dietmar Härer, Inhaber des Kesselhauses in Schorndorf und Zweiter Vorsitzender der Kreisstelle Rems-Murr des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), zu bedenken. Denn von Oktober an steigt der Mindestlohn auf 12 Euro.

Dies komme in einer für die Branche schwierigen Zeit: „Die Gastronomie hat sich noch nicht von Corona erholt, die Menschen sind noch zögerlich, vor allem beim Besuch von Veranstaltungen, viele müssen auch sparen und fast alle Betriebe haben Personalengpässe.“

Zu dieser ohnehin schwierigen Gemengelage kommen nun die steigenden Energie- und Materialpreise, nicht nur bei Lebensmitteln: „Für ein Reinigungsprodukt für die Brauanlage zahle ich einen Zuschlag von 170 Prozent“, nennt Härer ein Beispiel. Er blickt mit Sorge in die Zukunft: „Große, renommierte Betriebe werden überleben, wenn sie in den vergangenen Jahren so wie wir im Kesselhaus gut gewirtschaftet haben. Aber es wird weniger Restaurants geben.“ Die Betriebsaufgaben hätten häufig auch persönliche Gründe, etwa, dass kein Nachfolger gefunden werden könne.

Zum guten Wirtschaften, daran führe kein Weg vorbei, gehöre auch, dass das Essen und die Getränke im Restaurant teurer werden. „Ich gehe von einem durchgehenden Aufschlag von zehn bis 15 Prozent aus.“ Er selbst habe noch keine Preise verändert, sei aber gerade an der Kalkulation, wie es ab Juni weitergehe. Als Sofortmaßnahme hat Härer beispielsweise das Rinderfilet von der Karte gestrichen. „Ich müsste dafür mehr als 30 Euro verlangen, das ist nicht mehr umsetzbar.“

Härer und Oettinger hoffen, dass der auf sieben Prozent gesenkte Mehrwertsteuersatz für Speisen in Restaurants bleibt. Das habe der Gastronomie durch die Corona-Pandemie geholfen und wäre für die Zukunft der Branche wichtig, sagen beide.

Ins Restaurant zu gehen wird teurer. Denn steigende Lebensmittelpreise und hohe Energiekosten treffen Wirtinnen und Wirte hart. Unter den ohnehin von Corona-Lockdowns und -Auflagen stark betroffenen Gastronomen trübt das die Stimmung, unterkriegen lassen möchte sich bisher aber keiner.

„Wir planen gerade spontan unser Gartenfest am 1. Mai“, sagt Martina Ritter-Barich vom Gasthof zum guten Tröpfle in Korb-Kleinheppach. Normalerweise habe die Familie drei Monate vorher mit den

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