Rems-Murr-Kreis

Omikron trifft vor allem Kinder und ihre Eltern im Rems-Murr-Kreis mit voller Wucht

Wechselunterricht
Symbolfoto. © Alexandra Palmizi

Omikron lässt die Infektionszahlen besonders unter Kindern und Jugendlichen explodieren. 2313 – also fast 38 Prozent der 6118 Menschen, die sich am Freitag (28.1.) im Rems-Murr-Kreis wegen einer Infektion mit dem Coronavirus in Isolation befanden – waren zwischen 0 und 20 Jahre alt. 2,5 von 100 Kindern, die im Rems-Murr-Kreis leben, sind gerade mit dem Coronavirus infiziert. Auch die Altersgruppe ihrer Eltern (31-40) ist mit 17,1 Prozent der akuten Infektionen überdurchschnittlich am Infektionsgeschehen beteiligt.

42 Klassen und sieben Kita-Gruppen in Quarantäne

Schulen und Kitas sind immer häufiger betroffen. Vergangene Woche waren nach Angaben des Schulamts in Backnang 32 Klassen in den 150 Schulen im Rems-Murr-Kreis nach einem sogenannten „relevanten Ausbruchsgeschehen“ geschlossen. Zudem waren in den acht Berufsschulen und 15 Gymnasien des Kreises nach Angaben des Gesundheitsamts Rems-Murr weitere zehn Klassen betroffen. Zwar liegen zum jetzigen Zeitpunkt keine Angaben vor, wie viele Schulklassen es derzeit im Rems-Murr-Kreis insgesamt gibt. Fakt ist aber: Die meisten Schulklassen können trotz allem derzeit noch im Regelbetrieb geöffnet bleiben. 

Auch bei den Kitas ist das so: Sieben Kita-Gruppen befanden sich vergangene Woche nach einem Corona-Ausbruch in Quarantäne. In den acht Städten und 23 Gemeinden gibt es jedoch mehrere Hundert Kitas.

Das Fazit aus all diesen Zahlen ist mit Vorsicht zu interpretieren. Die Dunkelziffer an Infizierten in den Altersgruppen der Erwachsenen ist hoch, unter anderem, weil sich Geboosterte, also Menschen mit einer Auffrischungsimpfung, derzeit kaum testen müssen und auch nicht quarantänepflichtig sind. Hingegen werden Kinder in den Kitas und Schulen mehrmals wöchentlich getestet. Daher fallen hier vermutlich weitaus mehr Infektionen überhaupt auf. Dennoch lässt sich schlussfolgern: Die Omikron-Welle trifft gerade vor allem Kinder und ihre Eltern mit voller Wucht.

Winnender Kinderstation verzeichnet keinen Patienten-Zuwachs wegen Omikron

Doch wie hoch ist die damit einhergehende Gefahr für die Kinder? "Wir sehen keinen wesentlichen Unterschied in der Zahl der zu behandelnden Kinder", berichtet Prof. Dr. Ralf Rauch, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Winnenden. Man rechne jedoch mit einem Zuwachs von stationären Patienten. Allein schon wegen der rasant steigenden Anzahl an Infektionen unter Kindern.

„Nach derzeitigem Wissensstand verlaufen viele Covid-Infektionen bei Kindern mild“, erklärt Rauch. Täglich würden etwa ein bis zwei Kinder – meist im Vorschulalter - mit einer akuten Covid-Infektion auf der Kinderstation behandelt, täglich werde eines von ihnen wieder entlassen. „Die subjektive Empfindung ist, dass mit Omikron infizierte Kinder weniger lange behandelt werden müssen, als das mit der Delta-Variante der Fall war. Eine Statistik dazu führen wir aber nicht.“  

Ähnliches berichtet Dr. Ursula Marhauser, die als Kinderärztin in einer Praxis in Stuttgart arbeitet, aber auch Bereitschaftsdienste am Olga-Hospital in Stuttgart übernimmt und von den Erfahrungen ihrer Kollegen dort weiß: „Die mit Omikron infizierten Kinder, die stationär behandelt werden müssen, bleiben durchschnittlich etwa 1,5 Tage in der Klinik. Meist sind es Säuglinge mit einer durch die Infektion verursachten Trinkschwäche oder Kleinkinder mit leicht zu behandelnden Fieberkrämpfen“, sagt sie. Wenn sich mit Omikron infizierte Kinder mit Symptomen in der Kinderarztpraxis vorstellten, zeigten sie vor allem Erkältungssymptome wie Husten, Schnupfen oder Fieber, die wie bei einem normalen Infekt nach wenigen Tagen abklängen.

„Zu Long Covid nach der Omikronvariante gibt es noch keine Erkenntnisse“, erklärt Marhauser. „Ansonsten hatten wir bisher in der Kinderarztpraxis ein Kind, das sich mit Kurzatmigkeit und nachweisbarer Lungenbeeinträchtigung nach einer Covid-Infektion im Dezember vorgestellt hat.“ Rauch berichtet von einem sogenannten „PIMS“-Fall - also einem Kind mit schweren Entzündungen infolge einer Corona-Infektion, das derzeit im Klinikum Winnenden behandelt werde. PIMS tritt bei etwa 3 von 10.000 Kindern und Jugendlichen nach einer bestätigten Sars-CoV-2-Infektion auf und ist damit nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) "sehr selten". Rauch berichtet zudem derzeit vermehrt von Schulkindern, die sich nach durchgemachter Covid-Infektion mit anhaltender Schlappheit, unklaren Kopf- und Bauchschmerzen oder spürbarem Herzklopfen zur Abklärung in Winnenden vorstellten. „Ob es sich dabei tatsächlich um die Folge der Covid-Infektion oder um Langzeitfolgen der Pandemie handelt, ist sehr schwer zu beurteilen“, sagt Rauch. Sicher festzustellen seien ein Anstieg von Übergewicht bei Kindern und eine Zunahme von Anorexie und Depressionen.

Mehr Kinder mit Übergewicht und psychischen Erkrankungen

„Wir erleben leider sehr deutlich die psychosozialen Auswirkungen des Lockdowns in unserer Praxis“, sagt Marhauser und berichtet von Kleinkindern, die plötzlich wieder einnässen oder einkoten, obwohl sie längst trocken waren, von deutlich mehr Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht, von einem Anstieg an Depressionen und Verhaltensauffälligkeiten, etwa Ticks. „Das Coronavirus darf auf keinen Fall verharmlost werden und wir müssen den Infektionsschutz weiterhin ernst nehmen und eine höhere Impfquote erreichen“, sagt sie. Aber auch: „Schulen und Kitas sollten aus meiner kinderärztlichen Sicht unbedingt offen bleiben. Die Auswirkungen eines erneuten Lockdowns auf Gesundheit und Psyche der Kinder wären sicher gravierender als das Risiko einer Infektion mit Omikron.“

Omikron lässt die Infektionszahlen besonders unter Kindern und Jugendlichen explodieren. 2313 – also fast 38 Prozent der 6118 Menschen, die sich am Freitag (28.1.) im Rems-Murr-Kreis wegen einer Infektion mit dem Coronavirus in Isolation befanden – waren zwischen 0 und 20 Jahre alt. 2,5 von 100 Kindern, die im Rems-Murr-Kreis leben, sind gerade mit dem Coronavirus infiziert. Auch die Altersgruppe ihrer Eltern (31-40) ist mit 17,1 Prozent der akuten Infektionen überdurchschnittlich am

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