Rems-Murr-Kreis

Pandemiebeauftragter rät von Antikörpertests aus dem Internet ab - und denkt über sinnvolle Strategie für Weihnachten nach

Coronatest
Antigen-Schnelltests sind direkt vor Ort auswertbar. © Gabriel Habermann
Corona? Hab ich bestimmt schon gehabt. Selbst wenn nichts weiter als Wunschdenken dahinter steckt – möglich wär’s durchaus, dass man die Krankheit bereits durchlebt, aber nicht als solche erkannt hat. Corona kann auch symptomfrei verlaufen oder man hatte Unwohlsein für einen grippalen Infekt gehalten, wer weiß.

Ein Antikörpertest könnte Klarheit schaffen – allerdings nur sehr eingeschränkt. Ein Drogeriemarkt vertreibt seit kurzem online einen Antikörpertest für 59,95 Euro. Jede Menge andere Unternehmen bieten im Internet Tests dieser Art an. Von einer Bestellung rät Dr. Jens Steinat aus Oppenweiler ab. Laut dem Pandemiebeauftragten der Kreisärzteschaften stellt sich die Frage, wie valide diese Tests wirklich sind, und das Ergebnis hängt auch davon ab, ob ein Nutzer den Test richtig angewendet hat.

Ministerium wagt noch kein Urteil

Im Corona-Infoportal des Bundesgesundheitsministeriums heißt es, „die Qualität und Genauigkeit der Antikörpertestformate aus dem Internet kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend beurteilt werden“. Wer einen Antikörpertest wünsche, solle sich an seine Hausarztpraxis wenden.

Dr. Steinat hat bereits „hin und wieder“ auf Wunsch eines Patienten einen solchen Test in die Wege geleitet. Nicht in der Schnell-Version, sondern nur als Vollblut-Test, den ein zertifiziertes Labor auswertet. „Ich halte ehrlich gesagt nicht so arg viel davon“, sagt der Pandemiebeauftragte – und das aus gutem Grund: Wer Antikörper im Blut hat, Corona also bereits durchgemacht hat, ist nach aktuellem Wissensstand wohl mindestens einige Monate vor einer erneuten Erkrankung geschützt, kann aber möglicherweise im Rahmen einer wiederholten Infektion dennoch andere anstecken. Das Risiko ist zwar viel geringer – aber es bleibt vorhanden. In jenem kurzen Zeitfenster, bis die bereits erworbenen Antikörper einen erneuten Virusbefall bekämpft haben, könnte ein Träger das Virus durchaus weitergeben. Es ist unwahrscheinlich, „aber man kann es nicht zu 100 Prozent ausschließen“, sagt Dr. Steinat. Schon allein deshalb bietet er in seiner Praxis Antikörpertests nur dann an, wenn ein Patient das ausdrücklich verlangt: „Wir sind da sehr zurückhaltend.“

Gut, dass es keine Immunitätsausweise gibt

Der Mediziner hält es vor diesem Hintergrund für richtig, dass die Politik von der Idee, Immunitätsausweise auszustellen, wieder abgerückt ist. Es gibt aus Steinats Sicht „keine ausreichende Datenlage“, auf deren Grundlage eine Immunität zweifelsfrei attestierbar wäre. Ferner wirke solch ein Ausweis stigmatisierend.

Wer Corona bereits durchgemacht hat, muss aber auch nicht automatisch Antikörper entwickelt haben: Das ist möglich, so Dr. Steinat. Wer die Krankheit nachweislich hatte, kann laut dem Mediziner davon ausgehen, immun zu sein – auch dann, wenn keine Antikörper nachweisbar sind.

Die Rems-Murr-Kliniken bieten keine Antikörpertests an, informiert unterdessen Martina Keck, Sprecherin am Landratsamt. Wer trotz aller Unwägbarkeiten einen solchen Test haben möchte, wendet sich am besten an den Hausarzt. Die Kasse übernimmt die Kosten nicht. Pro Test fallen laut Dr. Steinat zwischen 20 und 40 Euro an, je nach Labor.

Für schnellen Nachweis eignen sich die Antigen-Tests

Antikörpertests sind nicht geeignet, eine akute Infektion nachzuweisen, denn zwischen Beginn der Symptomatik und der Nachweisbarkeit von Antikörpern vergehen circa ein bis zwei Wochen, heißt es auf den Informationsseiten des Bundesgesundheitsministeriums. Demnach können Antikörper „meist erst nach Abklingen der Symptome beziehungsweise Eliminierung des Virus aus dem Körper nachgewiesen werden“. Aus Sicht des Ministeriums können Antikörpertests aber „die Diagnostik ergänzen“.

Geht es um einen schnellen Nachweis, ob eine Person aktuell an Corona erkrankt ist oder nicht, sind Antigen-Schnelltests das Mittel der Wahl. Lassen sich mittels eines Abstrichs im Nasen-Rachen-Raum SARS-CoV-2-Eiweiße nachweisen, ist von einer akuten Infektion auszugehen.

Antigen-Tests sind leichter und schneller auswertbar im Vergleich zum direkten genetischen Erregernachweis mittels PCR-Test. Das ist ein großer Vorteil, weil man Antigen-Tests auch außerhalb von Laboren schnell anwenden und dann gleich auswerten kann, etwa direkt in Pflegeeinrichtungen oder Arztpraxen.

Schnelltests sind nicht für alle verfügbar

Dr. Steinat spricht im Zusammenhang mit Antigen-Tests von „hoher Sicherheit“, doch sei diese von der korrekten Durchführung abhängig. Darüber hinaus sind diese Schnelltests nicht unbegrenzt verfügbar. „Testen ohne Anlass führt zu einem falschen Sicherheitsgefühl. Denn auch ein negativer Corona-Test ist nur eine Momentaufnahme“, heißt es beim Gesundheitsministerium. Die Strategie sieht vor, verstärkt, aber gezielt zu testen.

Ob eine Person getestet wird oder nicht, entscheidet die Ärztin/der Arzt vor Ort. Laut Ministerium werden „Personen mit leichten Erkältungssymptomen, die keiner Risikogruppe angehören oder keinen Kontakt zu einer mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierten Person hatten, zunächst nicht getestet.“ Einen Anspruch zumindest auf einen Antigen-Test haben beispielsweise Patienten, Betreute und Pflegebedürftige, die in medizinischen Einrichtungen untergebracht sind.

Antigen-Test kostet zwischen 50 und 60 Euro

Sofern keine Indikation vorliegt und ein Hausarzt dennoch bereit ist, auf Wunsch einen Antigen-Test anzuwenden, muss die betreffende Person den Test privat bezahlen. Für einen Antigen-Test fallen Kosten zwischen 50 und 60 Euro an.

Wer in seiner Familie Angehörige von Hochrisikogruppen hat, könnte durchaus erwägen, sich ganz kurz vor einem Besuch zu Weihnachten einem Antigen-Test zu unterziehen, findet Dr. Steinat. Solch ein Test ist in wenigen Minuten erledigt, und bereits nach 15 bis 20 Minuten liegt das Ergebnis vor.

Die sinnvollste aller Maßnahmen ist aus Sicht des Pandemiebeauftragten aber, „sich konsequent an die Verhaltensregeln zu halten, auch an Weihnachten“. Das bedeutet, die Zahl der Kontakte möglichst klein zu halten, sprich, sich an den Feiertagen auf Besuche innerhalb der Kernfamilie zu beschränken. Auch wenn’s wehtut: Dieselbe Empfehlung spricht Dr. Steinat für Silvester aus. Sein Trost: „Nächstes Weihnachten wird sicher anders stattfinden können.“

Corona? Hab ich bestimmt schon gehabt. Selbst wenn nichts weiter als Wunschdenken dahinter steckt – möglich wär’s durchaus, dass man die Krankheit bereits durchlebt, aber nicht als solche erkannt hat. Corona kann auch symptomfrei verlaufen oder man hatte Unwohlsein für einen grippalen Infekt gehalten, wer weiß.

Ein Antikörpertest könnte Klarheit schaffen – allerdings nur sehr eingeschränkt. Ein Drogeriemarkt vertreibt seit kurzem online einen Antikörpertest für 59,95 Euro. Jede Menge andere

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