Rems-Murr-Kreis

Papiercontainer quellen über, besonders zum Jahreswechsel: Was tun?

Wilde Kartonagen
Ein Ärgernis. © Klaus Hinderer

Alle Jahre wieder quellen zur Weihnachtszeit die Papiercontainer über. Alle Jahre wieder ärgern sich Anwohner über die Berge der wild abgelagerten Kartonagen rund um die Behälterstandorte. Und alle Jahre wieder fragte sich die Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises, wie sie der Kartonagenflut Herr werden kann. Zum Jahreswechsel 2021/2022 hat die AWRM erstmals den Versuch gewagt, im Dezember und Januar bei der Leerung der blauen Papiertonnen auch Kartonagen mitzunehmen.

Der Versuch war mäßig erfolgreich, soll aber gleichwohl zur Praxis werden, beschloss der Aufsichtsrat der AWRM am Donnerstag. Also vormerken: Im Dezember und Januar 2023 nimmt die Müllabfuhr wieder Kartonagenbündel mit.

Beschwerden so zahlreich wie eh und je

Ein Grund für den Flop der Aktion war vermutlich, dass viele Bürgerinnen und Bürger nichts von der Kartonagenbündelsammlung mitbekommen haben und ihren Verpackungsmüll wie gewohnt in überfüllte Container stopften oder einfach daneben ablegten. Obwohl Entsorgungszentren und Wertstoffhöfe Altpapier und Kartonagen umsonst annehmen. Eine Umfrage der AWRM bei den Städten und Gemeinden hat ergeben, dass diese nur wenig oder keine Veränderungen an den Containerstandorten bemerkt haben und die Beschwerden so groß waren wie die Jahre zuvor.

Alle Jahre fallen im Rems-Murr-Kreis rund 30.000 Tonnen Papier und Pappe sowie 16.300 Tonnen sogenannter Leichtverpackungen an, zu denen unter anderem das Füllmaterial von Versandpackungen wie zum Beispiel Luftpolster oder Schaumfolien gehören. Das Aufkommen von Papier und Pappe ist in den letzten zehn Jahren leicht rückläufig gewesen, weist die Abfallbilanz aus. Hingegen stiegen die Tonnagen der Leichtverpackungen stetig an.

Boom des Online-Handels hat Folgen

Ein Grund für die überfüllten Container ist vermutlich der Boom des Online-Handels mit der Flut an Päckchen und Paketen, die sich Konsumenten ins Haus liefern lassen. Laut AWRM sei zu beobachten, dass sich die Mengen in den letzten Jahren verlagert haben. So werde generell weniger Papier gebracht - wer liest schon noch Zeitung? -, stattdessen steigt die Menge der Kartonagen. Festgehalten werden könne auch, dass in den letzten drei Jahren das Sammelgewicht bei den Depotcontainersammelfahrzeugen um ein Drittel gesunken ist. „Auch das lässt darauf schließen, dass in den Containern mehr Kartonagen als Papier enthalten ist“, erklärt Stefanie Baudy, Pressesprecherin der AWRM, auf Anfrage.

Vor allem zum Jahreswechsel verzeichnet die AWRM eine deutlich höhere Sammelmenge an Kartonagen, weshalb die Depotcontainer trotz häufigerer Leerung überfüllt und bereits am Einwurfschacht verstopft sind. Dies führe zu wilden Müllablagerungen.

Lob für die Aktion in sozialen Medien

Der erste Versuch, bei der Leerung der Blauen Tonnen im Dezember 2021 und Januar 2022 auch Kartonagenbündel mitzunehmen, war kein Renner. In Summe seien nur 82 Tonnen oder 1,8 Prozent mehr Altpapier gesammelt wurden. Festgestellt hat die AWRM allenfalls eine leichte Verschiebung von den Containern (minus 55 Tonnen) zur Sammlung (plus 137 Tonnen). Am Chaos rund um die Container habe sich jedoch nichts geändert, stellten die Rathäuser fest. 37 Prozent der befragten Städte und Gemeinden stellen keine Veränderungen fest, und 15 Prozent wollten sogar mehr wilde Müllablagerungen entdeckt haben. Gleichwohl will die AWRM an der Kartonagensammlung festhalten, zumal in den sozialen Medien die Aktion im Rems-Murr-Kreis einige Bürgerinnen und Bürgern ausdrücklich gelobt und als Vorbild für Nachbarlandkreise hingestellt haben.

Entsorgungszentren länger öffnen

Eine Hoffnung, den wilden Müll zur Weihnachtszeit einzudämmen, versprechen sich die Mitglieder des AWRM-Aufsichtsrates ab Sommer von den längeren Öffnungszeiten der Entsorgungszentren an den ehemaligen Mülldeponien in Winnenden, Schorndorf und Kaisersbach sowie am neuen Wertstoffhof in Waiblingen.

An der vierwöchentlichen Leerung der Blauen Tonne soll zunächst nicht gerüttelt werden, obwohl ein Turnus von zwei Wochen zumindest zur Weihnachtszeit naheliegend wäre. Die AWRM macht sich jedoch darüber Gedanken, ob die blaue Papiertonne alle zwei Wochen geleert wird und dann auch Kartonagen abgefahren werden. In diesem Fall könnte man auf die Altpapiersammlung über Depotcontainer verzichten. Diese Idee stieß jedoch auf Widerspruch im Aufsichtsrat.

Altpapiersammlungen der Vereine haben lange Tradition

Denn nicht jeder Bürger habe den Platz für eine zusätzliche Tonne im Vorgarten - und wolle nicht sein Altpapier in die Tonne stopfen. Denn Altpapiersammlungen der örtlichen Vereine haben im Rems-Murr-Kreis eine lange Tradition, zumal die Aktionen eine wichtige und notwendige Einnahmequelle für sie seien, auf die nicht verzichtet werden dürfe.

Die AWRM will eigenen Angaben zufolge gleichwohl die zweiwöchentliche Leerung wirtschaftlich prüfen. Ein Wörtchen mitzureden hat jedoch das Duale System, das für die Papiercontainer zuständig ist - und auf Einnahmen verzichten müsste. Denn vor allem das knapp gewordene Altpapier ist kein Müll, sondern ein Wertstoff, der sich hervorragend vermarkten lässt.

Alle Jahre wieder quellen zur Weihnachtszeit die Papiercontainer über. Alle Jahre wieder ärgern sich Anwohner über die Berge der wild abgelagerten Kartonagen rund um die Behälterstandorte. Und alle Jahre wieder fragte sich die Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises, wie sie der Kartonagenflut Herr werden kann. Zum Jahreswechsel 2021/2022 hat die AWRM erstmals den Versuch gewagt, im Dezember und Januar bei der Leerung der blauen Papiertonnen auch Kartonagen mitzunehmen.

Der Versuch

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