Rems-Murr-Kreis

Passanten mit Messer und Axt bedroht: Mann aus Backnang muss ins Gefängnis

Landgericht
Das Urteil wurde am Landgericht Stuttgart gesprochen. © ALEXANDRA PALMIZI

Das Urteil über den 34-jährigen Backnanger, der tagsüber und nachts fremde Menschen mit einer Axt und einem Messer bedroht hat, ist vor dem Stuttgarter Landgericht gefallen: zehn Monate Gefängnis und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.

„Es ist durchaus so, dass der Angeklagte eine latente Gefahr darstellt“, sagte der Vorsitzende der mit insgesamt fünf Richtern besetzten 18. Strafkammer, Wolfgang Wünsch, bei der Urteilsbegründung. Die Voraussetzungen für eine Unterbringung des Backnangers in der Psychiatrie für Straftäter (Maßregelvollzug) sehe die Kammer nicht als gegeben an. Grundlage dieser Einschätzung ist ein Gutachten der Psychiaterin Christine Scheibel. Die Richter befanden das Gutachten als zu vage, teilte die Kammer mit. Sie sehe keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass der Backnanger die Realität verkannt habe, als er in der Nacht vom 18. auf den 19. Mai 2022 zwei jungen Männern in der Nähe der Waldorfschule mit einer Axt in der Hand gedroht hatte, sie aufzuschlitzen.

Tat unter Drogen- und Medikamenteneinfluss

Sowohl bei dieser Tat als auch bei einer weiteren am 28. Juni 2022 in der Backnanger Innenstadt stand der 34-Jährige unter dem Einfluss von Medikamenten eines Nervenarztes und war dementsprechend enthemmt, was zu einer strafmildernden, verminderten Schuldfähigkeit führte.

Die Realität verkannt, wie die Gutachterin erkannt zu haben glaubte, habe der cannabisabhängige Mann jedoch auch bei dem Vorfall in der Innenstadt nicht, als er sich in eine Auseinandersetzung in einem Restaurant einmischte und meinte, er müsse einen, der mit einem Stuhl aus diesem Restaurant kam, mit einem Messer in Schach halten, bis die Polizei kommt. Festnahmen durch die Polizei widersetzte sich der 34-Jährige so heftig, dass ihm Schusswaffengewalt angedroht wurde und Pfefferspray zum Einsatz kam. „Er war zwar neben der Kappe, hat uns aber eindeutig erkannt“, sagten Polizeibeamte im Zeugenstand über den Zustand des Backnangers.

Für „brandgefährlich“ hielt das Gericht, dass der Mann auch nach viereinhalb Jahren Gefängnis (ab Ende 2011) wegen versuchten Totschlags mit einem Teppichmesser immer noch oder wieder mit waffenähnlichen Werkzeugen herumläuft. Mit dem aktuellen Urteil drohen zwei offene Bewährungen widerrufen zu werden, diese würden sich dann zu den zehn Monaten Haft addieren.

Täter muss in eine geschlossene Entziehungsanstalt

In eine geschlossene Entziehungsanstalt und damit in eine Drogentherapie soll der Backnanger, weil er bislang noch so gut wie nichts gegen seine Suchterkrankung unternommen hat. Auf freiem Fuß, so Richter Wünsch, könne eine angemessene Behandlung des 34-Jährigen nicht gewährleistet werden.

Das Urteil erging insgesamt wegen der beiden Bedrohungen mit der Axt und mit dem Messer, wegen Widerstandes und tätlichen Angriffs auf Polizisten und wegen Körperverletzung. Eine der Polizeibeamtinnen hatte sich im Gerangel bei einer der Festnahmen eine Platzwunde und blaue Flecken zugezogen.

Dass der Verurteilte wieder bei seiner Mutter einzieht, die bei dem Prozess dabei war und dieses Angebot machte, hielten sowohl die Gutachterin als auch das Gericht nicht für optimal, zumal es bereits in der Vergangenheit Auseinandersetzungen in der Familie gegeben habe. Der Backnanger, das ergaben die Akten, leidet am sogenannten „Broken Home“-Syndrom und hat in seiner Kindheit Gewalt in der Familie erlebt. Die Gerichtspsychiaterin sprach von „desolaten Familienverhältnissen“.

Das Urteil über den 34-jährigen Backnanger, der tagsüber und nachts fremde Menschen mit einer Axt und einem Messer bedroht hat, ist vor dem Stuttgarter Landgericht gefallen: zehn Monate Gefängnis und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.

„Es ist durchaus so, dass der Angeklagte eine latente Gefahr darstellt“, sagte der Vorsitzende der mit insgesamt fünf Richtern besetzten 18. Strafkammer, Wolfgang Wünsch, bei der Urteilsbegründung. Die Voraussetzungen für eine Unterbringung des

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