Rems-Murr-Kreis

Pflegefachkräfte im Rems-Murr-Kreis händeringend gesucht: "Wir nehmen alle!"

eine Pflegerin bei Altenpflege von Senioren im Altenheim / a nurse at geriatric care for the elderly in retirement home
Pflegekräfte arbeiten in Heimen oder im Zuhause der Leute. © picture alliance / Bildagentur-o

Wenn hier ein Raum mit ausgebildeten Pflegefachkräften wäre, wie viele würden auf der Stelle ihren neuen Job haben? „Wir nehmen alle!“, sagt Irina Strömel, Zentrumsleitung Wohn- und Pflegestift des Wilhelmine-Canz-Zentrums in Beutelsbach. Auf 100 Arbeitsstellen im Bereich der Altenpflege kommen deutschlandweit gerade mal 35 Arbeitslose. Auf 100 Arbeitsstellen aus allen anderen Berufen dagegen kommen statistisch gesehen 215 Arbeitslose.

Pflegefachkräfte werden händeringend gesucht

Pflegefachleute sind gesucht, bei jenen Pflegeeinrichtungen, die sich bei der Agentur für Arbeit eingefunden haben, sogar händeringend. Die Agentur für Arbeit hatte, anlässlich des Internationalen Tags der Pflege am Donnerstag, 12. Mai, ein Zusammentreffen arrangiert: zum einen, um Werbung für die Pflegeberufe zu machen, zum anderen, um die eine oder andere Anregung – um nicht zu sagen, Klage – der Pflegeeinrichtungen mitzunehmen.

Um es mal ganz deutlich zu sagen: Der Pflegeberuf ist kein Zuckerschlecken. Ganz gleich, ob er im Krankenhaus oder in einem Pflegeheim ausgeübt wird. Wer zu 100 Prozent im Alten- und Pflegeheim arbeitet, von dem wird jedes zweite Wochenende ein Arbeitseinsatz erwartet. Außerdem müssen die Menschen natürlich auch an den Feiertagen versorgt sein. Man arbeitet im Zwei-Schicht-Modell, um von frühmorgens bis in den Abend hinein da zu sein. Auch die Nacht muss besetzt werden: Das allerdings muss niemand machen, das ist fakultativ. Und die Nachtschicht ist lukrativ. Wie auch die Wochenend- und Feiertagsdienste, deren Arbeitszeit unter der Woche ausgeglichen werden kann.

Wer seinen Beruf verantwortungsvoll und gut ausübt, wird nie arbeitslos sein

Und: Wer seinen Beruf verantwortungsvoll und gut ausübt, wird sicher niemals von Arbeitslosigkeit betroffen sein. Ganz im Gegenteil. Die Babyboomer-Jahrgänge nähern sich dem Rentenalter, der große Pflegebedarf, der auf die Gesellschaft zukommt, ist nur noch eine Frage der Zeit. Die Pflege, sagt, Christine Käferle, Leiterin der Agentur für Arbeit, sei ein „Arbeitsmarkt mit sehr guten Chancen“ – auch in Hinsicht auf Karrieresprünge. Irina Strömel ist das beste Beispiel dafür: 1993 kam sie aus Kasachstan nach Deutschland, fing als Pflegehelferin an, bildete sich dann weiter und ist heute in leitender Position.

Viele Pflegeeinrichtungen tun außerdem viel, um jene, die in der Pflege arbeiten, zu halten und ihnen auch unter schwereren Bedingungen das Arbeiten möglich zu machen. Mütter können zum Beispiel kitataugliche Zeiten vereinbaren, man denkt sogar über hauseigene Kinderbetreuung nach. Es gibt Wohnungsangebote. Oder das Versprechen, bei Pflegebedarf in der eigenen Familie bevorzugt einen Platz zu erhalten.

Quereinsteiger finden gute Bedingungen vor

Auch für Quereinsteiger ist der Pflegeberuf Aufmerksamkeit wert: Es gibt attraktive Fördermöglichkeiten durch die Agentur für Arbeit. Und so kann – ein Beispiel – ein 45 Jahre alter Quereinsteiger, der die Förderbedingungen erfüllt, 2300 Euro brutto verdienen, obwohl er ja erst eine Ausbildung durchläuft. Bringt er noch berufspassende Erfahrungen mit, macht Wochenend- oder gar Nachtdienste, wird’s noch mehr.

Bei den Fördermöglichkeiten hapert’s jedoch an mancher Stelle für die Pflegebetriebe: Gefördert wird nur noch die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft. Die einjährige Ausbildung zur Pflegehilfe dagegen nicht mehr. Dabei war gerade diese Variante bei Quereinsteigern sehr beliebt. Pflegeunternehmen, die viel mit ausländischen Kräften arbeiten – im Pflegebereich sind die Beschäftigten oft sehr international aufgestellt – beklagen außerdem einen „enormen Aufwand“, den die „Bürokratie“ verursache. Viele ausländische Fachkräfte, sagt Reinhold Hauck, Geschäftsführer der Pinoy Pflege GmbH, einem ambulanten Pflegedienst, würden daran scheitern. Er wünscht sich hier mehr Unterstützung.

Statistisch gerechnet müssten in 2022 über 21.000 Menschen im Rems-Murr-Kreis pflegebedürftig sein

Die Zahlen, die das Statistische Landesamt Baden-Württemberg anzubieten hat, sind nicht aktuell und hinken der Entwicklung hinterher. Aber die Tendenz ist eindeutig: Im Jahr 2009 gab es im Rems-Murr-Kreis 9140 pflegebedürftige Menschen. Im Jahr 2019 waren es schon 18.306. Auf Basis dieser Steigerung müssten es im Jahr 2022 also über 21.000 Menschen sein, die Hilfe brauchen. Ein guter Grund für Pflegeeinrichtungen, mehr Fachkräfte auszubilden und einzustellen, für Interessierte, den Beruf zu ergreifen, und für die Agentur für Arbeit, alle noch so kleinen Steine aus dem Weg zu räumen.

Wenn hier ein Raum mit ausgebildeten Pflegefachkräften wäre, wie viele würden auf der Stelle ihren neuen Job haben? „Wir nehmen alle!“, sagt Irina Strömel, Zentrumsleitung Wohn- und Pflegestift des Wilhelmine-Canz-Zentrums in Beutelsbach. Auf 100 Arbeitsstellen im Bereich der Altenpflege kommen deutschlandweit gerade mal 35 Arbeitslose. Auf 100 Arbeitsstellen aus allen anderen Berufen dagegen kommen statistisch gesehen 215 Arbeitslose.

Pflegefachkräfte werden händeringend

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