Rems-Murr-Kreis

Photovoltaik im Rems-Murr-Kreis: Vernünftig geplante Anlage lohnt sich immer

BuergerenergieKoegel
Helga Fuchs, Diplom-Physikerin, und Dr. Jochen Kögel, Ingenieur, gehören dem Vorstand der eingetragenen Genossenschaft Bürgerenergie Schwaikheim an. Im Bild ein Solarmodul, wie man’s ohne großes Brimborium auf dem Balkon platzieren kann und darf. © Gaby Schneider

Die Sonne scheint immer, auch wenn man sie nicht sieht. Entsprechend liefert ein Solarmodul auch bei wolkenverhangenem Himmel zumindest ein bisschen Strom. Jochen Kögel hat das Dach seines Hauses in Schwaikheim jedenfalls komplett zugepflastert mit Photovoltaik – weshalb er und seine Familie selbst im sonnenscheinarmen November kaum Strom zukaufen mussten.

Expertin Helga Fuchs, Diplom-Physikerin und wie Dr. Jochen Kögel im Vorstand der Genossenschaft Bürgerenergie Schwaikheim engagiert, rät an Photovoltaik Interessierten, sich von Berichten über Lieferengpässe nicht beirren zu lassen. Wer die Winterzeit jetzt fürs Planen nutzt, kann vielleicht nächsten Sommer schon Wasch- wie Spülmaschine sowie das E-Auto mit selbst erzeugtem Strom betreiben.

Ost-West-Ausrichtung eignet sich ebenfalls sehr gut

„Eine vernünftig geplante PV-Anlage rechnet sich heute eigentlich immer“, sagt Jochen Kögel. Und die Zeiten, als man lediglich nach Süden ausgerichtete Dachflächen als PV-geeignet wahrnahm, sind längst vorbei, erläutert Helga Fuchs: Module, die in Ost-West-Ausrichtung angebracht sind, liefern vergleichsweise geringfügig weniger Ertrag als jene mit Südausrichtung.

Selbstverständlich kommt’s auf die Details im Einzelfall an, und Fachleuten wie Helga Fuchs und Jochen Kögel rollt’s vermutlich bei zu dreister Vereinfachung die Fußnägel hoch. Wer sich für die technischen Feinheiten interessiert, etwa zur optimalen Neigung der Module, oder wer zu diversen Eigenheiten von Wechselrichtern Genaueres wissen möchte, wird auf der Homepage der Bürgerenergie Schwaikheim eG fündig: „Photovoltaik auf meinem Hausdach“ heißt eine dort hinterlegte Präsentation, die sehr viel mehr Antworten liefert, als dass sie Fragen offenließe.

In Kögels Nachbarschaft in Schwaikheim sieht man vergleichsweise viele Dächer mit Solarmodulen. Aus Sicht des Ingenieurs gibt’s eigentlich kaum einen Grund, weshalb ein Dach PV-frei bleiben sollte. Sein Rat: „Mach' das Dach einfach voll.“

Klingt cool, doch weiß Jochen Kögel natürlich auch, nicht jede(r) hat beliebig viele Tausender dafür in Reserve. Nach Preisen befragt, nennt er die Zahl 1500: Man rechne netto je kWp mit Kosten in dieser Höhe – plus minus 200 Euro – Stand jetzt, doch die Dinge ändern sich heutzutage schnell. kWp steht für Kilowattpeak. Diese Einheit gibt an, welche Höchstleistung in Kilowatt eine Anlage erbringen kann. Mit knapp 1000 Kilowattstunden selbst erzeugtem Strom je kWp darf man im Jahr rechnen. Das wiederum entspricht ungefähr einem Viertel des jährlichen Stromverbrauchs einer vierköpfigen Familie.

Wie viel Speicherkapazität im Haus?

Vorsicht: Das sind alles nur Durchschnittswerte. Im Sommer wird man mit PV viel mehr Strom erzeugen, als man zeitgleich selbst verbrauchen kann, während im Winter Zukäufe nötig sein dürften. Wie umfangreich sie ausfallen, hängt wiederum von den Speicherkapazitäten ab, die man sich ins Haus geholt hat – und davon, wie intensiv man Alltagsabläufe an die Intensität der Sonneneinstrahlung anpasst. Jochen Kögel hat Spaß daran, alles zu vernetzen, Erzeugung und Verbrauch so oft wie möglich in Einklang zu bringen – sprich: Er lässt das E-Auto technikgesteuert zu Zeiten laden, da die Anlage eh viel Strom erzeugt, und die Waschmaschine läuft aus denselben Gründen möglichst nie nachts. Man kann die Wallbox ins Effizienz-System integrieren oder die Wärmepumpe: Solarteure oder Fachleute von der Energieberatung verfügen übers nötige Know-how dafür, beruhigt Helga Fuchs.

Bei Nachrüstung passt vielleicht der Wechselrichter nicht mehr

Für die Mach-das-Dach-einfach-voll-Entscheidung spricht aus Kögels Sicht unterdessen Verschiedenes, lässt man mal die auf den ersten Blick vielleicht abschreckend wirkenden Gesamtkosten außer acht: Ergänzt man erst später weitere Module, passt eventuell der Wechselrichter nicht mehr. Und fixe Kosten, zum Beispiel fürs Gerüst, fallen dann nur einmal an.

Wer nun Feuer gefangen hat und eine erste Einschätzung haben möchte, inwieweit sich das eigene Dach als Fundament fürs Kraftwerk eignet, nutze den Solarpotenzial-Rechner: Auf den Seiten des Energieatlas Baden-Württemberg geben Interessierte ihre Adresse ein und checken, ob ihr Dach rot oder gelb oder grün gefärbt erscheint. Die Farben geben Auskunft über die Einstrahlungsintensität.

Finanziell lohnt sich das Einspeisen nicht

Gelb ist auch gut, doch je mehr Rot leuchtet, desto besser. An sonnenintensiven Tagen wird man dann extra viel Strom einspeisen – wofür man eine lächerlich geringe Vergütung erhält. Immerhin entfällt ab 2023 das Steuer-Gedöns: Abgaben auf Einnahmen aus dem Betrieb einer privaten Solaranlage entfallen, und bei Lieferung, Erwerb, Einfuhr sowie Installation dieser Anlagen fällt keine Umsatzsteuer mehr an.

Schleunigst sollte sich ums Thema Photovoltaik kümmern, wer eine Dachsanierung plant oder sich einen Neubau leisten kann: In diesen Fällen gilt in Baden-Württemberg PV-Pflicht. Und zwar bei Neubauten jetzt schon, bei grundlegenden Dachsanierungen ab Januar 2023.

Die Sonne scheint immer, auch wenn man sie nicht sieht. Entsprechend liefert ein Solarmodul auch bei wolkenverhangenem Himmel zumindest ein bisschen Strom. Jochen Kögel hat das Dach seines Hauses in Schwaikheim jedenfalls komplett zugepflastert mit Photovoltaik – weshalb er und seine Familie selbst im sonnenscheinarmen November kaum Strom zukaufen mussten.

Expertin Helga Fuchs, Diplom-Physikerin und wie Dr. Jochen Kögel im Vorstand der Genossenschaft Bürgerenergie Schwaikheim

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper