Rems-Murr-Kreis

Photovoltaik im Remstal - Experte Jann Binder wirbt: „Macht die Dächer voll!“

Photovoltaik
Photovoltaik: unsere Rettung? © Pixabay

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat einen Aktionsplan zum Gassparen vorgelegt und will in seiner Not die alten Kohlekraftwerke weiterlaufen lassen. Denn Wladimir Putin dreht den Gashahn zu. Deutschland ist vom Energiemangel bedroht. Wie rauskommen aus der Misere? Dr. Jann Binder vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg trug bei der Jubiläumsveranstaltung der Bürgerenergie Schwaikheim vor, welche Rolle die Photovoltaik bei der Lösung des Desasters spielen kann. Er sagt: „Macht die Dächer voll!“.

Die Rolle der Photovoltaik für die Zukunft

Russland ist der drittgrößte Ölförderer der Welt und der zweitgrößte Exporteur. Das soll sich ändern: In ihrem sechsten Sanktionspaket hat die Europäische Union ein Teil-Ölembargo gegen Russland beschlossen. Mehr als zwei Drittel der russischen Öl-Lieferungen in die EU sollen mit einem Einfuhrverbot belegt werden. Gleichzeitig verdreifacht Indien die Einfuhrmenge russischen Öls. Die Schwaikheimer Bürgermeisterin Dr. Astrid Loff sagt, Indien führe günstig russisches Öl ein, arbeite es auf und verkaufe es teuer wieder nach Deutschland. Ist dieser Umweg eine ehrliche Lösung für unsere Energieprobleme?

Siegfried Lorek, CDU-Landtagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Waiblingen, erklärt: „Wir müssen unabhängig werden von Öl und Gas“.

Aber wie? Wie schaffen wir das?

"Sonne und Wind ergänzen sich"

Die Bürgerenergie Schwaikheim, eine eingetragene Genossenschaft, hat sich zum zehnjährigen Bestehen einen Fachmann für erneuerbare Energien eingeladen. Dr. Jann Binder, wohnhaft in Oppenweiler bei Backnang und tätig beim Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg, einer gemeinnützigen – und damit hoffentlich aller monetären Versuchungen freien – landeseigenen Stiftung, behauptet: „Sonne und Wind ergänzen sich. 80 Prozent der Stromversorgung ist aus erneuerbaren Energien möglich“. Nur für 20 Prozent der Energie bräuchte Deutschland einen Zwischenspeicher, der in Form von Wasserstoff oder Methangas – der „einzig wirkungsvollen Art“, Energie lange Zeit zu speichern – angelegt werden muss. „Des isch so!“

Die E-Mobilität beispielsweise senke den Energiebedarf: 706 Terawattstunden Benzin- und Dieselbedarf – das sind die Zahlen von Gesamtdeutschland im Jahr 2018 könnten auf 220 Terawattstunden Strombedarf pro Jahr in Deutschland sinken. Der Grund: Ein Verbrennungsmotor habe nur 25 Prozent Wirkungsgrad, ein elektrisch angetriebener Motor dagegen 80 Prozent.

Um ein privates Auto 12.000 Kilometer innerhalb eines Jahres zu fahren, braucht es übrigens, um die notwendige Energie dafür herzustellen,

  • eine elf Quadratmeter große PV-Anlage bei Nutzung eines E-Motors
  • eine 25 Quadratmeter große PV-Anlage bei Nutzung eines Wasserstoff-Motors

Diese Größe, sagt Jann Binder, reicht. Regentage mit eingerechnet.

Photovoltaik jetzt, Wasserstoff später

Die Wasserstoff-Forschung sei gut. Aber vor allem gut für die Zukunft. Die Bedingungen, um diese Technik Wirklichkeit werden zu lassen, müssten erst geschaffen werden. „Wir brauchen jetzt erst mal Photovoltaik. Wir haben nicht genug davon!“ Und idealerweise mache jeder sein Dach voll. Kritische Nachfragen in Bezug auf die Herstellung der PV-Module kontert er: Photovoltaik produziere nur ungefähr ein Zwanzigstel jener CO2-Emmissionen, die etwa die Verwendung von Braunkohle ausstoße. Und: Der CO2-Fußabdruck reduziere sich weiter, wenn die Anlage über 30 Jahre lang in Betrieb sei und die Module mit Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt seien. Und zwar auf etwa ein Fünfzigstel.

Die Angst des Dachbesitzers vor hohen Investitionen will er nehmen: Solarmodule würden heute nur noch einen Bruchteil dessen kosten, was sie zu Beginn ihrer Produktion gekostet hätten. Prozentual gesehen sehr viel teurer sei die elektrische Installation um die PV-Anlage drum rum. Deshalb: „Nur ein halbes Dach voll? Geht gar nicht!“ Ein Vier-Personen-Haushalt mit rund 4000 Kilowattstunden Stromverbrauch pro Jahr benötige für den Haushaltsstrom 22 Quadratmeter PV-Fläche, außerdem 22 Quadratmeter für eine Wärmepumpe – unter der Voraussetzung, dass das Haus gut gedämmt ist.

Mit einem großen Dach voller Solarmodule könne man mehr Strom als privat benötigt produzieren. Der könne dann eingespeist werden, beispielsweise für die Wasserstoffproduktion oder für Haushalte, die keine PV-Anlagen installieren können.

Höchste Zeit, die Freiheitsenergien voranzubringen

Das Interesse daran, den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben, ist im Übrigen wirklich kein Spleen von Ökofuzzis mehr. Bundesfinanzminister Christian Lindner von der FDP bezeichnet angesichts der weltpolitischen Lage die erneuerbaren Energien als „Freiheitsenergien“.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat einen Aktionsplan zum Gassparen vorgelegt und will in seiner Not die alten Kohlekraftwerke weiterlaufen lassen. Denn Wladimir Putin dreht den Gashahn zu. Deutschland ist vom Energiemangel bedroht. Wie rauskommen aus der Misere? Dr. Jann Binder vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg trug bei der Jubiläumsveranstaltung der Bürgerenergie Schwaikheim vor, welche Rolle die Photovoltaik bei der Lösung des Desasters

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