Rems-Murr-Kreis

Prozess nach Schießerei im Waiblinger Eisental: „Ich glaube dem Zeugen kein Wort“

Eisental
Nur knapp entging der 34-jährige Inhaber einer Mietwerkstatt im Waiblinger Gewerbegebiet Eisental dem Tod. Auf ihn wurde am 7. Januar 2020 aus nächster Nähe geschossen. Vier irakische Brüder müssen sich jetzt vor Gericht wegen versuchten Mordes verantworten. © Gabriel Habermann

Als reichlich unglaubwürdig stufte die Kammer Aussagen von Zeugen ein, die zur Schießerei im Waiblinger Gewerbegebiet Eisental ihre Sicht der Dinge schilderten. Vier irakische Brüder sind wegen versuchten Mordes angeklagt. Am 7. Januar dieses Jahres attackierten mutmaßlich zwei der Brüder den 34-jährigen Inhaber einer Mietwerkstatt im Eisental so heftig, dass der Mann nur knapp dem Tod entging. Aus nächster Nähe wurden mehrere Schüsse auf den 34-Jährigen abgefeuert. Er lag längere Zeit im Koma.

Versuchter Mord wegen eines Autos?

Laut Anklage war es vor der Attacke zu einem Streit zwischen einem der Brüder und dem Inhaber der Mietwerkstatt, ehemals engen Freunden, gekommen. Es ging um ein Auto im Wert von lediglich rund 2000 Euro, das der Iraker auf dem Gelände der Werkstatt in Waiblingen abgestellt hatte. „Ich glaube nicht, dass das wegen einem Auto so weit gehen würde“, sagte einer der Zeugen am Montag vor Gericht. Der 26-Jährige hatte zu jener Zeit eine der Boxen dort gemietet und Autos verkauft. Als die Schüsse fielen, war er nicht vor Ort. Ob er allerdings an jenem Vormittag mit Beteiligten mehrmals telefoniert hatte, blieb letztlich offen: „Ich kann mich grade nicht mehr erinnern“, wiederholte der Mann ein ums andere Mal, nachdem Richter und Anwälte ihn auf Widersprüche in seinen Aussagen hingewiesen hatten. Klar scheint unterdessen, dass die Familie der Angeklagten mehrfach versucht hat, im Vorfeld den Zeugen zu beeinflussen. Er solle aussagen, der Angriff sei nicht geplant gewesen. Ferner säßen zwei der vier Brüder zu Unrecht in Untersuchungshaft, da sie lediglich vor der Werkstatt gewartet und nichts von den Vorfällen gewusst hätten.

Augenzeuge sagt aus, er habe lediglich Prügelei wahrgenommen

In einer Verhandlungspause haben laut einem der Anwälte die Verlobte eines Angeklagten und die Mutter der vier vorbestraften Brüder das Opfer angesprochen und um Verzeihung gebeten. Kommentar des Vorsitzenden Richters: „Die Parteien sollten uns überlassen, herauszufinden, was Sache war.“

Von einem Augenzeugen, der zur Tatzeit in der Mietwerkstatt gewesen war, dürfte sich das Gericht Informationen erhofft haben, die etwas Licht ins Dunkel hätten bringen können. Doch der Mann beteuerte, er habe zwar gesehen, dass sich drei Männer geprügelt hätten – mehr aber auch nicht. Als er die Schüsse gehört habe, sei er hinausgerannt. Später sah er den 34-jährigen Inhaber der Mietwerkstatt blutüberströmt am Eingang stehen – „aber ich bin nicht zu ihm hin.“ Stattdessen rannte der Mann die Straße hoch, um die anrückende Polizei an den Ort des Geschehens zu führen.

„Raus, raus, raus!“

Auf einem Video, das vor Gericht mehrfach vorgespielt wurde, ist zu sehen, wie der Mann mehrfach aus seiner Box heraustritt und den Flur hochschaut – dorthin, wo sich die Prügelei abgespielt haben dürfte. Zuvor habe das spätere Opfer „raus, raus, raus!“ geschrien.

„Ich glaube dem Zeugen kein Wort, dass er das nicht gesehen hat“, sagte einer der Anwälte. Es wurde von verschiedener Seite angeregt, vor Ort nachzuschauen, ob der Zeuge etwas Genaueres hätte sehen müssen. Der Mann gab ferner auf Nachfrage seitens der Richterbank an, kein Handy dabeizuhaben. Das Gericht hätte gern überprüft, ob es im Zusammenhang mit dem Vorfall Anrufe gegeben hatte oder nicht. In der Pause ging einer der Anwälte, wie dieser später sagte, hinter dem Zeugen her – und sah, wie er sein Handy in Empfang nahm. Es herrschen strenge Sicherheitsvorkehrungen bei diesem Verfahren. Wer in den Saal möchte, muss Taschen abgeben, Gürtel und Schmuck ablegen und sich einem Körper-Check unterziehen.

Das Verfahren hat Anfang September begonnen und wird sich voraussichtlich noch lange hinziehen. Es sind 15 weitere Termine angesetzt, der letzte am 9. März 2021.

Acht Geschwister

Bisher hat nur der Älteste der vier Brüder zur Sache ausgesagt. Der 29-Jährige wartete seinerzeit mit einem weiteren Bruder draußen vor der Werkstatt. Er wisse bis heute nicht, was überhaupt passiert sei und weshalb die Situation an jenem 7. Januar derart eskalieren konnte. Der Zweitälteste von insgesamt acht Geschwistern hat seinen Schilderungen zufolge seit jeher die Familie durchgebracht und versucht, die Brüder auf den rechten Weg zu bringen. Der Mann hatte eine Rolltreppen-Reinigungsfirma übernommen und die halbe Familie im Unternehmen beschäftigt. Seine Verlobte wacht stets als Zuhörerin über den Verlauf des Verfahrens und nutzt die Pausen für lebhafte Gespräche mit Beteiligten.

Als reichlich unglaubwürdig stufte die Kammer Aussagen von Zeugen ein, die zur Schießerei im Waiblinger Gewerbegebiet Eisental ihre Sicht der Dinge schilderten. Vier irakische Brüder sind wegen versuchten Mordes angeklagt. Am 7. Januar dieses Jahres attackierten mutmaßlich zwei der Brüder den 34-jährigen Inhaber einer Mietwerkstatt im Eisental so heftig, dass der Mann nur knapp dem Tod entging. Aus nächster Nähe wurden mehrere Schüsse auf den 34-Jährigen abgefeuert. Er lag längere Zeit im

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