Rems-Murr-Kreis

Prozess um den Schorndorfer Netto-Überfall: Aufwühlende Zeugenaussage der Kassiererin

Landgericht
Symbolfoto. © Alexandra Palmizi

Das Stuttgarter Landgericht hat am zweiten Verhandlungstag mehrere Zeugen zum Raubüberfall im Schorndorfer Netto-Markt gehört. Während der 21-jährige Angeklagte behauptet, eine „innere Stimme“ habe ihn zur Tat getrieben, hörten sich die Zeugenaussagen anders an. Demnach soll sich der Mann ziemlich cool und konzentriert verhalten haben. Am eindringlichsten war der Bericht der überfallenen Kassiererin, der eine Ahnung davon vermittelte, was so ein Überfall für die Betroffenen bedeutet. Die Frau sagte, ihr sei ihr Leben lieber gewesen, als dem bewaffneten Räuber die rund 2600 Euro zu verweigern. Ein Kunde, der die Verfolgung aufnahm, berichtete, wie dem Räuber kurz nach der Tat ein Kumpel mit dem Fahrrad hinterherkam. Ein weiterer Augenzeuge kannte die beiden Männer vom Sehen.

Richter Volker Peterke, beschäftigte sich am zweiten Verhandlungstag zunächst einmal mit dem Angeklagten aus Schorndorf, der am 2. Juni dieses Jahres kurz nach 20 Uhr den Netto-Markt in der Göppinger Straße überfallen hatte. Der 21-jährige Deutsche erzählte von Eltern, „die ihre Aufgabe nicht erfüllen konnten“. Sein „alter, kranker Vater“ stamme aus dem Kosovo und seine Mutter vermutlich aus Serbien-Montenegro. Besser sei die Kindheit dann im SOS-Kinderdorf geworden. Er habe den Hauptschulabschluss geschafft und eine Lehre als Fleischereifachverkäufer abgeschlossen, von da an aber nicht immer gearbeitet. Vor der Tat habe er von Hartz IV gelebt.

Weil der Angeklagte behauptet, eine „innere Stimme“ habe ihn zu der Tat getrieben und seit er Harry Potter gesehen habe, wohne eine Schlange in ihm, sitzt der ärztliche Direktor der Psychiatrie im Ludwigsburger Klinikum, Professor Dr. Hermann Ebel, als Gutachter mit im Saal. Der 21-Jährige gab auch an, schon seit jungen Jahren Alkohol und Drogen zu konsumieren. Richter Peterke fiel auf, dass der junge Mann zittert, worauf dieser meinte, das liege an den Medikamenten, die er im Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg bekomme. Der Richter wollte wissen, warum der Räuber beim Netto-Markt Kleidung versteckt und sich vor der Flucht umgezogen hat, wenn ihm die Tat doch eine innere Stimme befohlen und er selber gar nichts davon gewusst habe. „Ich weiß nicht warum“, antwortete der Angeklagte.

Raubüberfall auf den Netto: Was die Kassiererin und andere Zeugen berichten

Die 48-jährige Kassiererin schilderte, wie der Mann plötzlich mit „runtergelassener weißer Wollmütze“ vor ihr stand. Sie sah in seine „dunklen, braunen Augen“. Die Schusswaffe habe sie „erst richtig wahrgenommen, als er durchgeladen hat. Ich dachte, ich gebe ihm, was er will, dann hat er keinen Grund mehr abzudrücken“, erzählte die Frau, der damals die Pistole an die linke Kopfseite gehalten wurde. Dass der Räuber flüchtet, habe sie gar nicht mitbekommen. „Ich saß wie erstarrt an meiner Kasse und konnte erst weinen, als ein Kollege zum Einkaufen hereinkam.“

Nach dem Raub war die Kassiererin vier Wochen krankgeschrieben und musste noch zwei Wochen Urlaub dranhängen, um wieder arbeiten zu können. Dass es sich bei der Schusswaffe um eine Schreckschusspistole handelt, konnte sie nicht wissen. Laut Gutachten des Landeskriminalamtes ist auch eine solche „nicht ungefährlich“ und hat aus einem Abstand von unter einem Meter schon zu tödlichen Verletzungen geführt.

Ein 44-jähriger Schorndorfer, der zur Tatzeit gerade mit seinem Sohn im Netto einkaufte, hat mitbekommen, wie dem Räuber beim Durchladen der Waffe eine Patrone herausgefallen ist. „Er hat sie ganz ruhig aus der Luft wieder aufgefangen und noch einmal durchgeladen.“

„Zack, zack“, beschrieb ein 46-jähriger Kunde aus Schorndorf das Geräusch beim Durchladen. Dann habe der Räuber „Geld da rein“ gesagt und der Kassiererin eine weiße Stofftasche hingehalten. Als Verfolger konnte der 46-Jährige den Fluchtweg beschreiben: Von der Schillerstraße den Erdhügel hoch Richtung Urbacher Wohngebiet. Der Verfolger rief die Polizei an und kurze Zeit später klickten die Handschellen.

Ein Urteil im Netto-Raub wird am Freitag, 11. Dezember, erwartet.

Das Stuttgarter Landgericht hat am zweiten Verhandlungstag mehrere Zeugen zum Raubüberfall im Schorndorfer Netto-Markt gehört. Während der 21-jährige Angeklagte behauptet, eine „innere Stimme“ habe ihn zur Tat getrieben, hörten sich die Zeugenaussagen anders an. Demnach soll sich der Mann ziemlich cool und konzentriert verhalten haben. Am eindringlichsten war der Bericht der überfallenen Kassiererin, der eine Ahnung davon vermittelte, was so ein Überfall für die Betroffenen bedeutet. Die

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