Rems-Murr-Kreis

Prozess um Krypto-Dealer aus Winnenden: Das Urteil ist gesprochen

Drogen dealen
Nicht nur um Drogendeals ging es in der Verhandlung gegen einen Winnender. © ALEXANDRA PALMIZI

Die sogenannte Halbstrafe hat der Winnender Krypto-Drogendealer nicht bekommen, damit er nach zwei Jahren Unterbringung im Maßregelvollzug (Entziehungsanstalt) wieder auf freien Fuß kommt. Das Urteil über seinen kiloschweren Drogenhandel mit dem sogenannten Krypto-Handy über den Messengerdienst Encrochat: vier Jahre und neun Monate Haft.

Im Fall des 28-jährigen berufs- und erwerblosen Winnenders wurde einfach so lange nichts zu den angeklagten Verbrechen des Drogenhandels gesagt, bis die Beweisaufnahme unter Vernehmung zahlreicher Zeugen fast abgeschlossen war. Erst dann kam ein Geständnis dessen, was sowieso nicht abzustreiten war.

Kurz vor den Schlussvorträgen und der Urteilsverkündung zweifelten die Rechtsanwälte das Gutachten von Dr. Wolfgang Wagner über die Drogenabhängigkeit des Beschuldigten an, wodurch sich der Prozess um einen Tag verlängerte. Das Gericht musste noch Nachermittlungen in der Justizvollzugsanstalt Stammheim machen, wo der Winnender rund sechs Monate lang in Untersuchungshaft saß.

Drogenberatung beantragt

Dort, so die Anwälte, habe das medizinische Personal die Entzugserscheinungen des Drogenabhängigen als Corona-Symptome gewertet. Der Angeklagte kam vor diesem Hintergrund vorübergehend auf die Corona-Station und schrieb nach den Informationen von Richter Wünsch Anträge auf eine Drogenberatung. Außerdem erklärte der Gefangene, er leide an Platzangst. Letzteres, so brachte Richter Wünsch die Aussage des Stammheimer Anstaltsarztes in die Verhandlung ein, „möglicherweise, um einen Einzeltransport zum Landgericht Stuttgart zu bekommen“.

Abhängig von einer ganzen Reihe von Substanzen?

Nach Überzeugung der 18. Strafkammer ist der Drogenhändler aus Winnenden „durchaus als professioneller Straftäter zu sehen“. Seine angebliche Polytoxikomanie konnte das Gericht nur „nicht ausschließen“. Von Marihuana, Tilidin und vielem mehr sei er hochgradig abhängig, erklärte der Angeklagte während des Prozesses immer wieder. Das Gericht wunderte sich nicht, dass er zum guten Schluss auch noch auf Kokain kam, weil die Polizei einen Überweisungsbeleg nach Kolumbien bei ihm gefunden hatte.

Mit dem Schuldspruch über den Winnender ordnete das Landgericht die Einziehung von 68.600 Euro vom Angeklagten an, denn so viel schnelles Geld mit Straftaten habe dieser in einem kurzen Tatzeitraum von April bis Juni 2020 mindestens gemacht. Dessen „Hang zu Betäubungsmitteln“ sei nicht zu widerlegen, hieß es bei der Urteilsbegründung. Bestellt habe der Mann sehr viel Marihuana aus Spanien, aber nicht immer die geforderten Mengen geliefert bekommen. Das belegten die Chatverläufe, welche speziell ausgebildete Polizeibeamte aus dem Messengerdienst Encrochat herausholen konnten.

"Es steckten professionelle Liefersysteme dahinter"

Verschärfte Haftbedingungen während der U-Haft bekam der Winnender bei der Urteilsfindung zugute geschrieben. Zusammenfassend sprach Wofgang Wünsch für die Strafkammer: „Das war nicht nur ein Ausschnitt aus dem Encrochat-Drogenhandel. Das war professionell aufgezogen, und es steckten professionelle Liefersysteme dahinter.“

Die sogenannte Halbstrafe hat der Winnender Krypto-Drogendealer nicht bekommen, damit er nach zwei Jahren Unterbringung im Maßregelvollzug (Entziehungsanstalt) wieder auf freien Fuß kommt. Das Urteil über seinen kiloschweren Drogenhandel mit dem sogenannten Krypto-Handy über den Messengerdienst Encrochat: vier Jahre und neun Monate Haft.

Im Fall des 28-jährigen berufs- und erwerblosen Winnenders wurde einfach so lange nichts zu den angeklagten Verbrechen des Drogenhandels gesagt, bis

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